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Kickende Brüder bei Weltmeisterschaften | 2006-06-20


Frankfurt/Main - Fritz und Ottmar Walter wurden 1954 gemeinsam Weltmeister, Bobby und Jack Charlton zwölf Jahre später ebenfalls. Die Liste von erfolgreichen Kicker-Brüdern ist lang und mit großen Namen des Welt-Fußballs gespickt.

Eher selten schaffen dagegen Zwillinge wie die Schweizer Philipp und David Degen den Sprung zu einer Weltmeisterschaft. Für uns ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen, sagt Philipp, der 30 Minuten jünger ist als David.

Wir sind ein Herz und eine Seele, berichtet der Ältere über das besondere Verhältnis. Beide mögen am liebsten Schnitzel mit Pommes Frites, sie gehen oft gemeinsam shoppen und stehen trotz der räumlichen Trennung in ständigem Kontakt. Bevor ich ein Problem mit der Familie bespreche, rufe ich meinen Bruder an. Seit Philipp in der Bundesliga bei Borussia Dortmund sein Geld verdient, ist die Telefonrechnung enorm in die Höhe geschnellt, erzählt David und fügt hinzu: Ein Leben ohne ihn kann ich mir nicht vorstellen. Kein Wunder, dass auch er mit einem Wechsel zu den Gelb-Schwarzen liebäugelt.

Auch sportlich treiben sich die immer zu Späßen aufgelegten Zwillinge voran. Derzeit hat Philipp, der bei Trainer Köbi Kuhn auf der rechten Außenbahn gesetzt ist, die Nase leicht vorn. Das Jahr in Dortmund hat mich persönlich, menschlich und fußballerisch weitergebracht, sagt der 22-Jährige.

Harmonisch ging es meistens auch zwischen den Niederländern Ronald und Frank de Boer zu, die viele Jahre lang im Verein und der Nationalmannschaft zusammenspielten. Einzige Ausnahme: Das WM- Halbfinale 1998. Nachdem Ronald gegen Brasilien den entscheidenden Elfmeter verschossen hatte, machte ihm ausgerechnet Zwillingsbruder Frank heftige Vorwürfe.

Für einen Rekord hatten 1978 ihre Landsleute Rene und Willy van de Kerkhof gesorgt. Sie sind bis heute die einzigen Zwillinge, denen bei einer Weltmeisterschaft jeweils ein Tor gelang. Als Brüder erfolgreich waren auch die Dänen Brian und Michael Laudrup, die bei der Endrunde 1986 mit Toren und Tricks begeisterten. Karlheinz und Bernd Förster hielten vier Jahre zuvor die Abwehr der DFB-Auswahl zusammen. Die Stuttgarter sind die bislang letzten Brüder, die in einem WM-Finale standen. Der Griff nach dem Weltpokal ging damals beim 1:3 gegen Italien jedoch daneben.

Vom Finale nur träumen können Niko und Robert Kovac. Mit Kroatien droht den in Berlin geborenen Brüdern das Vorrunden-Aus. Schon 2002 in Südkorea und Japan scheiterte das bei den Amateuren von Hertha BSC groß gewordene Duo in der Gruppenphase. Dennoch hält Trainer Zlatko Kranjcar große Stücke auf beide. Sie tun der Mannschaft sehr gut, bringen eine positive Stimmung und professionelle Einflüsse hinein, lobt Kranjcar. Während Robert Kovac eher den ruhigen Part in der Abwehr spielt, gilt Niko als Antreiber auf und außerhalb des Platzes. Er ist ein Führer, nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für Robert, charakterisiert der Coach die Rolle des langjährigen Bundesliga-Profis.


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