Berlin - Das Fach Fußball steht derzeit zwar nicht offiziell auf dem Stundenplan an den deutschen Schulen, doch wird der Unterricht um manchen Aspekt rund um die Weltmeisterschaft bereichert.
Die WM sei das wichtigste Thema gleich nach dem Abitur, hieß es im Karl-von-Closen-Gymnasium im niederbayerischen Eggenfelden. Bei uns unterrichten sogar einige Lehrer in den Nationaltrikots, sagte Sportlehrer Johannes Deragisch. Für die Deutschland-Spiele wurde eine Großleinwand in der Aula aufgebaut.
Im Gymnasium der Regensburger Domspatzen führt die WM zu einem verstärkten Interesse an Erdkunde. Bei uns bilden sich ganze Trauben vor den großen Landkarten, schilderte der stellvertretende Schulleiter Wolfgang Judmann. Die Kinder suchten darauf die WM- Teilnehmerländer und ihre Flaggen.
Eine strengere Linie wird im St.-Anna-Gymnasium in München vertreten: Mehrere Schüler seien am Dienstag ins Direktorat gekommen, um darum zu bitten, am Nachmittag frei zu bekommen, schilderte Direktorin Ingrid Neuner. Doch das sei nicht machbar. Immerhin sei im Juli Notenschluss, und bis dahin müssten die Schulaufgaben sinnvoll verteilt sein. Wenn wir im Finale sind, können wir noch mal über Fußballfrei reden, versprach sie jedoch.
In der Koblenzer Goethe-Hauptschule wird im Mathematik-Unterricht ausgerechnet, wie die Mannschaften spielen müssen, um eine Runde weiter zu kommen. Hinzu kommt Länderkunde zu den teilnehmenden Nationen, sagte Schulleiter Ralf Marenbach.
Auf dem Dach der Barbarossa-Schule in Kaiserslautern wehen seit Beginn des Turniers die Flaggen der Teilnehmerländer. Wir haben hier Schüler aus 20 Nationen, das Interesse an der WM ist sehr groß, sagte Schulleiter Peter Wolfgang Jäger. Das sei auch kein Wunder, denn an der heutigen Hauptschule drückten einst die legendären Nationalspieler und Weltmeister von 1954, Fritz und Ottmar Walter, die Schulbank.
Ein Sprecher des Bremer Bildungssenators erzählte: In vielen Grundschulen werden Flaggen gemalt, und die Lehrer nutzen das Fußballfieber als Basis für Länderkunde.
Etliche Schulen haben auch in Niedersachsen nach Angaben der Landesschulbehörde die Fußball-Weltmeisterschaft zum Anlass genommen, Projekte, Veranstaltungen und Unterrichtsinhalte mit WM-Themen zu füllen. Einige Klassen hätten sich fächerübergreifend mit einem Teilnehmerland auseinander gesetzt, andere ein eigenes Fußball- Turnier organisiert, sagte eine Sprecherin.
Eine Grundschule in Hamburg erlaubte den fußballverrückten Viertklässlern, am Tag nach dem Spiel Deutschland-Polen erst zur zweiten Stunde zum Unterricht zu kommen. Einzige Bedingung für das legale Schwänzen: Die Kinder mussten eine schriftliche Bestätigung ihrer Eltern mitbringen, dass sie das Spiel tatsächlich gesehen hatten.
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