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3:0 gegen Ecuador: DFB-Elf holt Gruppensieg | 2006-06-20


Berlin - Dritter Sieg, dritte WM-Jubelparty - Deutschland hat in seinem ersten Endspiel in Berlin den Vorrundensieg bei der Fußball-WM unter Dach und Fach gebracht und sich mit dem glanzvollen 3:0 (2:0) gegen Ecuador zugleich in den Kreis der Turnier-Favoriten geschossen.

Der überragende Miroslav Klose (4./44.) mit seinen WM-Toren Nummer acht und neun sowie der erstmals erfolgreiche Lukas Podolski (57.) machten vor 72 000 Zuschauern im Olympiastadion den besten deutschen WM-Start seit 36 Jahren perfekt und heizten die Euphorie im Land vor dem Achtelfinale noch weiter an.

Dort trifft das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann am 24. Juni (17.00 Uhr) in München auf Schweden. Die Skandinavier blieben nach dem 2:2 am Abend in Köln gegen England Zweiter der Gruppe B. Ecuador muss im Achtelfinale am 25. Juni (17.00 Uhr) in Stuttgart gegen die Engländer antreten. Das Spiel gegen England hat gezeigt, dass die Schweden ein absolutes Top-Team sind und große Moral haben. Wir sind uns bewusst, dass wir im Achtelfinale auf einen starken Gegner treffen, sagte Teammanager Oliver Bierhoff in einer ersten Reaktion. Die deutsche Mannschaft hatte sich die Partie in ihrem Quartier im TV angesehen. Deutschland hat ein solides Team. Ich sehe kaum Schwächen, sagte Schwedens Stürmerstar Henrik Larsson.

Die Mannschaft wird immer hungriger. Wir sind sehr zufrieden und haben die maximale Punktzahl erreicht. Jetzt geht es aber erst richtig los bei den K.o.-Spielen, die werden viel, viel schwieriger. Deshalb werden wir das Spiel jetzt abhaken und uns intensiv vorbereiten, blickte der Bundestrainer schon Richtung Achtelfinale. Einen solch hohen Sieg haben wir nicht erwartet. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Aber jetzt kommen die dicken Brocken, bilanzierte Kapitän Michael Ballack die 90 Minuten bei schweißtreibender Schwüle und fügte hinzu: Alle drei Spiele haben Riesenspaß gemacht.

Für Doppel-Torschütze Klose war die absolute Top-Einstellung Ausschlag gebend für den dritten Sieg im dritten Spiel. Ich bin stolz, dass ich so eine Mannschaft habe. Die Mannschaft hat noch Großes vor bei dieser WM, und daran arbeiten wir jeden Tag, sagte der Bremer, der sein 1:0 mit dem Klose-Salto feierte. Grund zum Strahlen hatte auch Podolski, der seine Durststrecke nach 359 Länderspiel-Minuten beendete. Viele haben mir im Vorfeld gewünscht, dass ich das Tor mache, und dann hat es endlich geklappt, freute sich der 21-Jährige.

Der 444. deutsche Länderspiel-Sieg in der 30. Begegnung unter Klinsmann war das Produkt einer geschlossenen Leistung der gesamten Mannschaft, in der Ballack und Klose die Glanzlichter setzten. Mit seinem fünften Doppelpack im DFB-Trikot trat der Bremer endgültig den Nachweis an, dass er zu einem Weltklasse-Stürmer gereift ist. Der 28-Jährige beschäftigte bis zu seiner Auswechslung nach 66 Minuten ständig mehrere Gegenspieler und schoss aus allen Lagen. Mit seinem insgesamt neunten WM-Treffer zog der Bundesliga-Torschützenkönig in der deutschen Bestenliste mit Uwe Seeler und Karl-Heinz Rummenigge gleich und hat jetzt nur noch Gerd Müller (14), Klinsmann (11) und Helmut Rahn (10) vor sich.

Hinter dem kaum zu stoppenden Klose zog Ballack in gewohnter Manier die Fäden. Der Kapitän setzte mit seinen Pässen Klose und Podolski immer wieder wirkungsvoll in Szene. Beide gehen einen hohen Rhythmus und werden dafür mit Toren belohnt. Je weiter es im Turnier geht, desto schwieriger wird es jedoch Tore zu erzielen. Deshalb müssen sie dann noch stärker sein, betonte Klinsmann.

Die zu Turnier-Beginn heftig kritisierte Defensiv-Abteilung hat nun offenbar die nötige Stabilität für ein erfolgreiches WM- Abschneiden gefunden. Obwohl Klinsmann mit dem Einsatz von WM-Neuling Robert Huth für den gelb-belasteten Christoph Metzelder seine Vierer-Kette umformierte, ließ die Abwehr die Ecuadorianer auch wegen der Unterstützung des Mittelfelds kaum zur Entfaltung kommen. Huth kämpfte sich bei seinem Einstand gegen Felix Borja mit großem Einsatz in die Partie und gab kaum einen Zweikampf verloren. Wie der Wahl-Engländer wurde auch Lokalmatador Arne Friedrich vom Berliner Publikum immer wieder mit Sprechchören gefeiert.

Gleich vier überraschende Änderungen hatte Ecuadors Trainer Luis Suarez vorgenommen, der unter anderem die zweifachen Torschützen Carlos Tenorio und Agustin Delgado sowie Abwehrchef Ivan Hurtado draußen ließ. Auf diese Weise geschwächt, hatten die Südamerikaner dem deutschen Offensiv-Wirbel nur wenig entgegen zu setzen.

Die deutsche Mannschaft erwischte wie im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica einen Bilderbuchstart. Nach einer Ballstafette über Schneider, Per Mertesacker und Bastian Schweinsteiger traf Klose per Direktabnahme und erzielte damit das schnellste deutsche WM-Tor seit 1978, als Rüdiger Abramczik bereits in der 2. Minute zum 1:0 gegen die Niederlande (Endstand 2:2) erfolgreich gewesen war.

Auch bei Kloses zweitem Treffer eine Minute vor der Halbzeit wurde das blendende Spielverständnis mit Ballack offenkundig. Der Bremer ersprintete einen Pass des Regisseurs, zog mit dem Ball an Giovanny Espinosa und Mora vorbei und schlenzte zum 2:0 ins Tor. Nach dem Wechsel platzte dann auch bei Podolski der Knoten.


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