Berlin - Deutschland gegen England wäre der Klassiker gewesen, aber ein Achtelfinale Deutschland gegen Schweden ist auch ein Duell mit historischer Brisanz.
1934, 1958, 1974 - die drei bisherigen Endrunden-Vergleiche waren hitzige Fußball-Schlachten mit Kuriositäten und heftigen Emotionen: Und Deutschland führt mit 2:1. Insgesamt ist die deutsche Bilanz gegen Schweden mit 12 Siegen, 7 Unentschieden und 12 Niederlagen bei einem Torverhältnis von 56:53 Toren ausgeglichen. Das letzte Aufeinandertreffen liegt schon 14 Jahre zurück, ist aber auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann noch in guter Erinnerung: Am 21. Juni 1992 besiegte die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft in Schweden den Gastgeber im Halbfinale mit dem Stürmer Klinsmann knapp mit 3:2. Karlheinz Riedle (2) und Thomas Häßler schossen die DFB-Elf in Stockholm ins Endspiel, das gegen Dänemarks Urlauber-Truppe sensationell mit 0:2 verloren wurde.
Ein gutes WM-Omen ist das Duell von 1974. Denn schon beim ersten WM-Turnier auf deutschem Boden ebnete ein hart erkämpfter Sieg gegen Schweden den Weg zum Titelgewinn. In einer Regenschlacht rang das Team von Bundestrainer Helmut Schön die Skandinavier vor 32 Jahren in der zweiten Finalrunde mit 4:2 nieder. Obwohl sich die Truppe um Franz Beckenbauer Chancen zuhauf erspielte, gingen die Schweden durch Ralf Edström (26.) in Führung. Ein Doppelschlag durch Wolfgang Overath (51.) und Rainer Bonhof (52.) leitete die Wende ein. Nach dem postwendenden Ausgleich durch Roland Sandberg (53.) wiesen der eingewechselte Jürgen Grabowski (78.) und Uli Hoeneß (89.) per Foulelfmeter Schöns Elf den Weg ins Endspiel.
Ein schlechtes Omen könnte das Spiel der Spiele zwischen beiden Nationen sein. Am 24. Juni 1958 verlor Titelverteidiger Deutschland im Halbfinale bei der Endrunde in Schweden mit 1:3 - das Achtelfinale in München findet wieder an einem 24. Juni statt. In der aufgeheizten Atmosphäre des Göteborger Ullevi-Stadions ließ sich vor 48 Jahren Erich Juskowiak zu einem Revanchefoul gegen Kurt Hamrin hinreißen (59.) und wurde vom ungarischen Schiedsrichter Istvan Zsolt des Feldes verwiesen.
Als eine Viertelstunde vor Schluss auch noch Fritz Walter nach einem Foul von Sigge Parling vom Platz getragen wurde, war die Elf von Sepp Herberger, die durch Hans Schäfer (24.) in Führung gegangen war, mit Neun gegen Elf chancenlos. Lennart Skoglund (32.), Gunnar Gren (81.) und Hamrin (88.) trafen für Schweden. Das Spiel hatte Auswirkungen auf das Verhältnis beider Länder: Nach dem Spiel um Platz drei schlug die deutsche Delegation die Einladung zum Finalbankett aus, der damalige DFB-Präsident Peco Bauwens sagte: Nie mehr werden wir dieses Land betreten, nie mehr werden wir gegen Schweden spielen.
Das Duell 1958 verbindet eine kuriose Duplizität der Ereignisse mit dem ersten deutsch-schwedischen WM-Vergleich von 1934 in Italien. Die schwedischen Spieler Rosen und Andersson knallten im Viertelfinale nach einer Flanke mit den Köpfen zusammen und mussten verletzt vom Platz. Ein Unfall mit fatalen Folgen: Da damals keine Spieler ausgewechselt werden durften, konnten anders als 1958 die Deutschen in Überzahl mit Elf gegen Neun agieren. Bei strömendem Regen im Mailänder San-Siro-Stadion war Fritz Szepan überragender Akteur im Team von Reichstrainer Otto Nerz, das durch einen Doppelschlag von Karl Hohmann (60./63.) in Führung ging. Acht Minuten vor dem Ende gelang Gösta Dunker nur noch das Anschlusstor für die Schweden.
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