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Tschechien - Italien: Zitterduell der Mitfavoriten | 2006-06-21


Hamburg - Bei den Mitfavoriten aus Italien und Tschechien geht die Angst vor dem vorzeitigen WM-Aus um. Die prickelnde Ausgangslage in der Gruppe E, die noch allen vier Mannschaften den Einzug in das Achtelfinale ermöglicht, erfordert Nervenstärke.

Ein weiteres Desastro italiano wie bei der EURO 2004 wollen sich die von einem Fußball-Skandal erschütterten Tifosi ersparen. Gennaro Gattuso machte seinem Ruf als Haudegen alle Ehre: Nach allem, was passiert ist, dürfen wir nicht schon nach Hause fahren. Wir sind bereit für die Schlacht. Nationaltrainer Marcello Lippi gab sich nach dem Abschlusstraining optimistisch: Ich habe ein gutes Gefühl. So wie vor dem 2:0-Auftaktsieg gegen Ghana, sagte der 58-jährige Coach.

Ausgerechnet vor der Partie aber kochte der Skandal in der Heimat wieder hoch. Francesco Saverio Borrelli schloss seine Ermittlungen ab und übergab sie dem Chefankläger des italienischen Fußball-Verbandes. Die damit wieder lauter werdende Diskussion über drohende Konsequenzen wie zum Beispiel den Zwangsabstieg von Rekordmeister Juventus Turin kommt für die Squadra Azzurra zur Unzeit. Inständig bat Lippi die Verbandsbosse, während des Turniers keine Vorladungen an betroffene Spieler zu verschicken. Schließlich ist die Aufgabe schwer genug: Tschechien ist technisch, taktisch und mental sehr stark, sagte Lippi am Mittwochabend in Hamburg. Der Skandal in der Heimat habe keinen Einfluss auf die Azzurri.

Derweil versuchen seine Profis, das leidige Thema so weit wie möglich auszublenden. Wir wollen Gruppenerster werden, sagte Kapitän Fabio Cannavaro trotzig. Ein Sieg über den Weltranglisten-2. könnte wieder für positivere Schlagzeilen sorgen und ein drohendes Achtelfinale gegen Titelverteidiger Brasilien verhindern. Nicht nur die beachtliche Serie mit zuletzt 20 Spielen ohne Niederlage stimmt zuversichtlich. Lippi versprach Wiedergutmachung für das mäßige 1:1 gegen die USA: Wir haben alles selbst in der Hand.

Anders als die Italiener, die bereits mit einem Unentschieden im Achtelfinale stünden, können sich die Tschechen ihrer Sache nur bei einem Sieg sicher sein. Mit dem unerwarteten 0:2 gegen Ghana verspielte das Team von Karel Brückner die beim Auftakterfolg über die USA (3:0) erkämpfte gute Ausgangsposition. Zum Leidwesen von Italien-Legionär Pavel Nedved, der wie Jan Koller und Karel Poborsky möglicherweise vor seinem letzten Spiel im Nationaldress steht: Wir haben von den vier Mannschaften die schlechtesten Chancen aufs Weiterkommen. Vermutlich muss ein Wunder geschehen.

Nur gut, dass bereits vor dem Spiel Wundersames passierte. Die unerwartete Genesung von Milan Baros sorgt für neue Hoffnung. Die Bänderdehnung in der Ferse bereitet zwar noch immer Probleme, hinderte den EM-Torschützenkönig nach 16-tägiger Zwangspause jedoch nicht an einer Rückkehr in das Mannschaftstraining. Angesichts der großen Personalprobleme der Tschechen im Angriff, in dem die verletzten Koller und der gesperrte Vratislav Lokvenc fehlen, beißt Baros auf die Zähne: Wenn es nicht eine WM wäre, würde ich sagen: Sorry, es geht nicht. Aber ich will der Mannschaft helfen.

Diese Hilfe tut Not. Schließlich gilt die Abwehr der Italiener noch immer als Prunkstück. Auf die Unterstützung von Cristian Zaccardo, der per Eigentor den bisher einzigen Gegentreffer der Azzurri erzielte, können die Tschechen wohl nicht hoffen: Lippi will den Unglücksraben auf die Bank verbannen. In der Offensive wird Rekonvaleszent Francesco Totti wieder den Vorzug vor dem immer lauter klagenden Alessandro Del Piero erhalten.


IN: Headhunter
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