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Club im Glück - Meyer: Stolz auf meine Jungs | 2007-05-27


Nürnberg - Nach dem Sonntagsschuss mitten ins VfB-Herz starteten Nürnbergs Pokal-Helden in der Berliner Nobel- Discothek Felix die fränkischen Feier-Tage, doch Club-Präsident Michael A. Roth konnte sein Glück noch gar nicht fassen.

Ich habe so etwas noch nie erlebt, gestand der dienstälteste Bundesliga-Präsident zur Rückkehr des Fußball-Altmeisters 1. FC Nürnberg in die Siegerlisten durch das 3:2 nach Verlängerung im DFB-Pokalfinale gegen Meister VfB Stuttgart. Das ist für den Verein und die ganze Region ganz wichtig, dass wir endlich wieder auferstanden sind aus den schweren und schlechten Zeiten.

Die Feier-Nacht wurde bei der Rückkehr der Mannschaft in Nürnberg noch übertroffen. Trotz Regens bereiteten mehrere 10 000 Fans dem Club einen begeisterten Empfang. Ich dachte, man kann die WM-Stimmung kaum toppen, sagte Abwehrspieler Dominik Reinhardt. Aber was heute los ist, ist phänomenal. Unter dem Jubel der Fans trugen sich die Pokalsieger ins Goldene Buch der Stadt ein.

Jetzt bin ich urlaubsreif, sagte VfB-Trainer Armin Veh nach der Rückkehr in Stuttgart, wo 3000 Fans die Verlierer begrüßten. Bei den Schwaben war die Trauer über das verpasste Double rasch verflogen und machte Trotz Platz. Wir haben uns noch in der Kabine vorgenommen, im nächsten Jahr den Pokal zu holen, berichtete Thomas Hitzlsperger.

Als um 22.52 Uhr FCN-Kapitän Raphael Schäfer als Beweis für den ersten Titelgewinn seit 39 Jahren die begehrte Trophäe in die Berliner Luft stemmte, gab es bei den Leid geprüften Fans kein Halten mehr. Mehr als 50 000 Anhänger machten in Nürnberg die Nacht zum Tage. Kondition bewiesen auch die Nürnbergs Profis, die nach den Kräfte zehrenden 120 Minuten und dem Gala-Büfett im Ritz-Carlton-Hotel am Potsdamer Platz Champagner und Clubführung wie verabredet den Rücken kehrten und bis zum Morgengrauen die Puppen tanzen ließen.

Club-Trainer Hans Meyer genoss den ersten gesamtdeutschen Titel eines früheren DDR-Trainers in aller Ruhe, für den Vater des Erfolges zählte beim ersten Cupsieg seit 45 Jahren nur die Mannschaft. Ich bin stolz auf meine Jungs. Unser Team läuft schon seit Wochen auf dem Zahnfleisch, lobte der 64-Jährige sein letztes Aufgebot, das durch die Treffer von Marek Mintal, Marco Engelhardt und Jan Kristiansens allererstem Club-Tor die 90 Minuten in Unterzahl spielenden Schwaben in einem packenden Endspiel niedergerungen hatte. Ich tanze nicht vor Freude, meinte Meyer nüchtern. Aber ich freue mich unglaublich, auch für meine Familie. Ich kriege ja auch eine Prämie.

Das ist ein perfekter Abschied, jubelte Schäfer über seinen ersten Titelgewinn und wollte den Cup gar nicht mehr aus der Hand geben. Im siebten Fußball-Himmel wähnte sich auch Pechvogel Mintal: Es ist ein fantastischer Abend für mich, schwärmte der Slowake. Er musste kurz nach seinem Tor zum 1:1 verletzt ausscheiden und vergoss bittere Tränen. Anfangs hatte ich ein schlechtes Gefühl, aber es ist nicht so schlimm, atmete er später mit Blick auf das Rot würdige Foul von Fernando Meira durch.

So mussten die Stuttgarter nur bei Cacau Aufbauarbeit leisten. Mit dem Platzverweis erwies der Brasilianer seinen Kollegen einen Bärendienst und ließ auf der Tribüne seinen Tränen freien Lauf. Er hat eine hervorragende Saison gespielt. Wenn er einen Fehler gemacht hat, werde ich ihm bestimmt nicht den Kopf abreißen, sagte Veh. Es tut mir Leid, dass ich der Mannschaft geschadet habe und ich nicht mehr helfen konnte, sagte Cacau. Ich habe mich bei der Mannschaft entschuldigt, aber mir hat keiner einen Vorwurf gemacht.

Der Frust über das verpasste erste Double der Vereins-Historie war rießengroß, doch nach einer fast perfekten Saison hielt sich die Schwaben-Trauer über den trotz langer Unterzahl nur knapp verpassten vierten Pokalsieg bald in Grenzen. Natürlich hätten wir gern das Double geholt, aber das versuchen wir dann nächstes Jahr, sagte Manager Horst Heldt. Zum neuen Angriff auf den Pott bliesen auch die Profis. So haben wir ein Saisonziel, sagte Hitzlsperger. Denn nochmal Meister zu werden, wird sehr schwer.


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