Frankfurt/Main - Beim 0:0 gegen die Niederlande hat sich Titelkandidat Argentinien im Duell der Reservisten mit gelegentlichen Kostproben seiner Klasse begnügt.
Nach zwei Gala-Auftritten mit insgesamt acht Toren reichte dem zweimaligen Champion in Frankfurt das Remis, um den Vorrundensieg bei der Fußball-Weltmeisterschaft unter Dach und Fach zu bringen. Dabei ließen die Südamerikaner im Spiel gegen die in der Gruppe C ebenfalls schon vorher für das Achtelfinale qualifizierten Oranjes nur ein paar Mal ihr Können aufblitzen und im Abschluss die letzte Konsequenz vermissen. Wirklichen Aufschluss über das Leistungsvermögen beider Teams lieferte der Klassiker vor 48 000 Zuschauern nicht.
In der ersten K.o.-Runde treffen die Argentinier in Leipzig auf Mexiko. Bei einem Sieg könnte im Viertelfinale in Berlin die deutsche Mannschaft als Gegner warten. Als Gruppen-Zweiter müssen die Niederländer zum Achtelfinale in Nürnberg gegen Portugal antreten.
Wir haben mit Platz eins unser Ziel erreicht. Wir wollen bei dieser WM immer ganz vorne sein, sagte Argentiniens Roberto Ayala. Wir haben nicht den Fußball gespielt, den wir wollten. Es war ein schwieriges Spiel, weil wir so nicht oft zusammenspielen, erklärte sein Teamkollege Carlos Tevez den Leistungsabfall nach der Pause. Es war ein schweres Spiel, aber wir haben es gut gemacht, betonte HSV- Profi Rafael van der Vaart, der seinen ersten Turnier-Einsatz über 90 Minuten positiv bewertete: Schließlich habe ich seit zwei Monaten nicht gespielt. Auch Ruud van Nistelrooy war mit dem Remis zufrieden: Ein Punkte war das Maximale, das wir schaffen konnten.
Aus Furcht vor möglichen Sperren und zur Schonung der Stars hatten beide Trainer auf jeweils fünf Stammkräfte verzichtet, doch dadurch verlor das Top-Spiel der Gruppe kaum etwas von seinem sportlichen Reiz. Mit einer 45-minütigen Demonstration der Stärke unterstrich vor allem Argentinien, dass bei der bisher besten Mannschaft im Turnier auch der zweite Anzug passt. Fußball-Wunderkind Lionel Messi bei seinem ersten WM-Einsatz von Anfang an und Tevez vertraten den 1. Sturm mit Hernan Crespo und Javier Saviola aber absolut gleichwertig.
Grund zur Freude hatten nach der Punkteteilung der niederländische Kronprinz Willem-Alexander und seine in Argentinien geborene Ehefrau Maxima als Tribünengäste. Bondscoach Marco van Basten ließ bis auf den Hamburger Khalid Boulahrouz alle mit einer gelben Karte vorbelasteten Spieler auf der Bank. Die Elftal besaß in der 17. Minute die erste Chance des Spiels. Nach einem Ballverlust von Roberto Ayala hatte Dirk Kuyt freie Bahn zum Tor und scheiterte aus spitzem Winkel an Roberto Abbondanzieri.
Danach übernahmen die Argentinier unter der Regie von Juan Roman Riquelme das Kommando. In der 28. Minute lenkte Boulahrouz einen Freistoß des Spielmachers in höchster Bedrängnis an den Pfosten. Nur 60 Sekunden später hätte Edwin van der Sar, der in in seinem 112. Länderspiel den Oranje-Rekord von Frank de Boer einstellte, abermals keine Chance gehabt. Doch der 22-Meter-Kracher von Maxi Rodriguez flog um Zentimeter am Torwinkel vorbei.
Auch in den zweiten 45 Minuten war die Albiceleste in dem Stadion, in dem sie vor Jahresfrist im Finale des Confederations Cups von Brasilien mit 1:4 gedemütigt worden war, Herr im Hause, ließ aber nun den Zug zum Tor vermissen. Im Angriff der Niederländer blieb van Nistelrooy wirkungsvoll und wurde durch den jungen Ryan Babel abgelöst. In der 73. Minute verhinderte van der Sar mit einer tollen Parade gegen Tevez die drohende Niederlage, ehe van Bastens Elf in den letzten Spielminuten noch einmal Dampf machte.
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