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Kaiser-Lob trotz 0:0 - Stürmer Tevez eine Bank | 2006-06-22


Frankfurt/Main - Pflicht erfüllt, nun die Geburtstags-Kür und im übernächsten Spiel vielleicht schon gegen Deutschland: Top- Favorit Argentinien geht mit breiter Brust und Reservisten der Extraklasse in die K.o.-Runde der Fußball-Weltmeisterschaft.

Argentinien hat eine sensationelle Mannschaft, zollte Bondscoach Marco van Basten dem zweimaligen Titelträger nach dem 0:0 in Frankfurt höchsten Respekt. Und ausgeschöpft haben die Latinos ihr Potenzial noch lange nicht. Es gebe noch ein paar Dinge, die fehlen würden. Wir haben nun bis Samstag Zeit, uns diese zu erarbeiten, kündigte Trainer José Pekerman an: Wir haben großen Ehrgeiz und die Mentalität zum Siegen.

Eine erneute Gaucho-Gala blieb gegen schwache und ebenfalls in B- Besetzung angetretene Niederländer zwar aus. Doch der drei Tage vor dem Achtelfinal-Match gegen Mexiko clever kalkulierte und im Schongang eingefahrene Punkt unterstrich, warum die Südamerikaner auch in den Wettbüros auf Platz 1 vor Rekord-Champion Brasilien stehen. Pekerman kann sich selbst auf seine Ersatzspieler verlassen.

Es war ein tolles Fußball-Spiel trotz des 0:0. Es ging rauf und runter, befand Franz Beckenbauer, im Gegensatz zu ZDF-Experte Jürgen Klopp (Wie eine Socke als Weihnachtsgeschenk). Von Überschwang war aber auch in Argentinien nach der Nullnummer keine Spur, stattdessen gab es Kampfansagen an die Konkurrenz. Auftrag erfüllt. Jetzt wollen wir mehr, schrieb die Zeitung La Nación. Uns fehlte das Tor. Jetzt ist Mexiko dran, meinte das Fachblatt Olé.

Anspruch auf weltmeisterliche Qualität durften die Argentinier nur eine Halbzeit lang erheben. Und das, obwohl Pekerman wegen drohender Sperren auf seinen etatmäßigen Sturm mit Hernán Crespo und Javier Saviola verzichtet hatte. Dafür mischte der Zwergen-Angriff mit Carlos Tevez (1,68 m) und Lionel Messi (1,70 m) die Oranje-Abwehr auf. Ein Tor gelang Messi in seinen weißen Schuhen mit der Aufschrift La Mano de Dios auf einer goldenen 86 aber ebenso wenig wie dem zum Spieler des Tages gewählten Tevez. Es habe noch ein bisschen an der Abstimmung mit Messi und auch Spielmacher Juan Román Riquelme gehapert, gab Tevez, mit 22 Jahren bereits dreimaliger Spieler Südamerikas, zu Protokoll.

Dass die drei Offensivleute auch gegen Mexiko gemeinsam in der Anfangsformation stehen, ist nicht zu erwarten, auch wenn Messi (19) und Riquelme (28) dann Geburtstag feiern. Riquelme ist als Regisseur gesetzt, Messi dürfte von Pekerman wieder auf die Bank gesetzt werden, auch wenn sich der Jungstar gut genug fühlt, um 90 Minuten durchzuhalten. Und HSV-Profi Rafael van der Vaart prognostizierte: Messi wird in zwei, drei Jahren der beste Spieler der Welt sein. Doch Pekerman warnte: Es ist einfach, jemanden in den Himmel zu heben. Man muss geduldig sein.

Einziger Wermutstropfen bei den Argentiniern ist die Verletzung von Stammspieler Nicolas Burdisso. Wie ein Teamsprecher nach dem ersten Training in der Egidius-Braun-Fußballschule in Leipzig mitteilte, hat der Manndecker tags zuvor eine Bandverletzung im rechten Knie erlitten. Ein Einsatz gegen Mexiko ist so gut wie ausgeschlossen. Es würde uns sehr treffen, sagte Pekerman. Gegen die Niederlande hatte der eingewechselte Fabricio Coloccini gezeigt, dass er Burdisso in der Vierer-Reihe würdig vertreten kann. Bange braucht den Argentiniern dank ihrer 1A-Bank jedenfalls nicht zu sein.

Derweil erteilten die Argentinier erneuten Spekulationen eine Absage, dass sie nach einem möglichen Viertelfinal-Einzug ihr Quartier von Herzogenaurach nach Berlin verlegen würden, wo die Partie gegen den Sieger der Begegnung Deutschland - Schweden ausgespielt wird. Eine Sprecherin des Hotels HerzogsPark sagte der dpa: Die Mannschaft bleibt so lange in Herzogenaurach wie sie im Turnier ist. Also hoffentlich bis zum Endspiel.


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