Berlin - Zum Ende der WM-Vorrunde, nach der 16 Mannschaften die Heimreise antreten, ziehen die Gastgeber in den Quartier-Städten eine überaus unterschiedliche Bilanz: Sie schwankt zwischen Euphorie und Katzenjammer.
Enttäuscht wurden vor allem die wirtschaftlichen Erwartungen, wenn Touristen ausblieben. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Zu Gast bei Freunden sollten in dem Taunus-Städtchen Königstein auch die Brasilianer sein, die sich in den Fachwerkgassen aber überhaupt nicht blicken ließen. Dafür besuchten sie Discos in Frankfurt (Ronaldo) oder ein italienisches Restaurant in Bad Homburg (Ronaldinho). Die Gastgeber von Gruppengegner Kroatien im bayerischen Bad Brückenau resignierten bereits vor der WM-Halbzeit: Das gesamte Rahmenprogramm wurde abgesagt. Bad Brückenau wollte Gastgeber sein, jedoch sind leider so gut wie keine Gäste vorhanden, sagte Hans-Jörg Heidelmeier, Geschäftsführer der Kroatien zu Gast-GmbH, die Insolvenz anmeldete.
Aus den anderen fünf Quartierstädten in Bayern kamen jedoch überwiegend positive Reaktionen. Es war ein Riesenerlebnis für die Gemeinde, sagte Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle. Paraguays Kicker mit den Bundesliga-Profis Roque Santa Cruz, Julio dos Santos (beide Bayern München) und Nelson Valdez (künftig Dortmund) seien sensationell nette Gäste gewesen. Im Kurort Bad Kissingen, wo Deutschland-Gegner Ecuador residierte, hieß es: Den Werbeeffekt kann man mit Geld nicht bezahlen.
Eine gewaltige Sympathie gab es in Würzburg für die Mannschaft Ghanas, die nach den Spielen von Tausenden von Menschen gefeiert wurde. Wir fühlen uns wohl und sind hier zu Hause, sagte dazu Trainer Ratomir Dujkovic. Etwas verhaltener war die Reaktion in Herzogenaurach, dem Quartier der Argentinier. Wir hatten sehr wenig argentinische Fans. Da hatten wir eigentlich mehr erwartet, räumte der städtische WM-Beauftragte Gerhard Höfler ein. Das gleiche galt für Schweinfurt, wo die Tunesier untergekommen waren.
Zu den Mannschaften, die geradezu auf einer Sympathie-Welle ihrer Gastgeber getragen wurden, gehören auch Togo sowie Trinidad und Tobago. Für den Gastgeber des Togo-Teams, Wangens (Allgäu) Oberbürgermeister Michael Lang, geht eine turbulente, schöne und spannende Zeit zu Ende. Im niedersächsischen Rotenburg/Wümme sind die Gastgeber von dem Auftreten der Spieler aus der Karibik einfach nur begeistert: Der Sympathiewert ist groß und die Rotenburger sind mit ihren Gästen ein Herz und eine Seele, sagte WM-Koordinator Heinz Gehnke.
Ähnliches wurde von den Mannschaften der Elfenbeinküste (Troisdorf bei Bonn), Mexikos (Göttingen) und Angolas (Celle) berichtet. Troisdorfs Bürgermeister Manfred Uedelhoven schilderte, die Spieler mit dem Star Didier Drogba hätten sich sehr volkstümlich und unkompliziert gezeigt. Nur strahlende Gesichter gab es beim Japan-Gastgeber Bonn. Jetzt ist Bonn in Japan jedermann ein Begriff, hieß es angesichts des riesigen Aufgebots an japanischen Medien.
Im Stadt-Staat Bremen ging es da eher nordisch kühl zu. Die schwedische Nationalmannschaft kriegt kaum einer zu sehen. Die sind hier, um im Turnier weiterzukommen und sie schotten sich im Hotel ab, berichtete eine Tourismus-Sprecher. Ganz Duisburg ist mediterran gestimmt, sagte dagegen der Sprecher der Stadt, Frank Kopatschek. Die Italiener seien sehr angenehme Gäste, zu deren öffentlichem Training allein 20 000 Zuschauer gekommen seien.
Enttäuschte Gesichter in der Schwarzwald-Gemeinde Bühlertal und in Zweiflingen, wo die Engländer beziehungsweise Australier untergebracht sind. Auf dem Weg zum Training brausen Beckham und Co. in ihrem abgedunkelten Bus und von Sicherheitsfahrzeugen eskortiert durch den Ort. Da gibt es kein Winken oder freundliches Hallo, schildert ein Hotelier die Stimmung. Über die Mannschaft Australiens hieß es: Die Mannschaft war nicht sehr zugänglich und hat sich abgeschottet.
Der Mosel-Ort Bad Bertrich ist mit deutschen und schweizerischen Flaggen geschmückt. Wir haben mit den Schweizern das große Los gezogen, sagt Edi Reiz vom WM-Büro. Das Auftreten des Teams wird hoch gelobt, und der kleine Ort ernannte sich zum 27. Kanton der Schweizer Eidgenossenschaft. Wir haben uns deutlich mehr erhofft, lautete aber das Fazit von den Gastgebern der Niederländer, die ihr Quartier in Hinterzarten im Schwarzwald hat. Von den erwarteten 15 000 WM-Touristen seien nur rund 3000 gekommen, schilderte Christopher Krull von der Tourismus-Gesellschaft in Freiburg.
Auch wenn für die iranischen Fußballer in Friedrichshafen am Bodensee höchste Sicherheitsstufe galt, traten die Spieler locker auf. Zu einer Charmoffensive gehörten eine offizielle Autogrammstunde und kaum Zugangsbeschränkungen beim Training im Zeppelin-Stadion. Gut bewacht waren auch die US-Boys, die in einem Hotel mitten in der Hamburger Innenstadt wohnten. Sie hätten sich auch unters Volk gemischt, seien auf Grund des geringen Bekanntheitsgrads aber nicht weiter aufgefallen, hieß es.
Bochum in Dresden ohne Sturm und DrangKrawalle nach Zweitliga-Aufstieg von St. PauliSpiel gut, aber Nordstaffel fehlt KontinuitätHamburg exportiert Blue Goal nach BerlinZkitischwili und Thiam kehren in VfL-Kader zurückExtra Fußball-Champions LeagueVfB Lübeck verpflichtet NoutsosBandow als Chef des HSV-Aufsichtsrats bestätigtBaltisch-Wechsel von Mainz zu Hannover 96 perfektBrückner, Lange und Prediger verlassen St. Pauli1765 |
1591 |
1611 |
1698 |
1642 |
13819 |
13373 |
13001 |
13696 |
13761 |