Dortmund - Ausgerechnet Stürmerstar Ronaldo hat den schlafenden Fußball-Riesen Brasilien wachgeküsst. Das übergewichtige Sorgenkind war der überragende Mann beim 4:1 (1:1)-Sieg des Titelverteidigers im letzten Gruppenspiel gegen Japan.
Der Asienmeister mit seinem brasilianischen Trainer Zico verpasste nach der Lehrstunde durch die Seleçao die Sensation und muss nach drei sieglosen Begegnungen bei der WM die Koffer packen. In einem mitreißenden Spiel vor 65 000 Zuschauern in Dortmund glich der zuletzt heftig kritisierte Ronaldo (45.+1) zunächst die überraschende Führung der Japaner durch Keiji Tamada (34.) aus und sorgte schließlich mit seinem 14. WM-Tor (81.) für den krönenden Abschluss einer überzeugenden Darbietung der Brasilianer. Damit überholte il fenomeno in der ewigen WM-Torschützenliste seinen Landsmann Pelé und den Franzosen Just Fontaine und zog mit Rekord- Torjäger Gerd Müller gleich. Die weiteren Treffer steuerten Juninho (53.) in seinem ersten WM-Einsatz und der Berliner Bundesliga-Profi Gilberto (59.) mit seinem ersten Treffer im Nationaltrikot bei.
Ich werde langsam wieder der Alte, sagte Ronaldo. Ich werde mich lange an diesen Abend erinnern. Auch Trainer Carlos Alberto Parreira lobte den zweifachen Torschützen: Ronaldo ist zurück. Wir haben immer an ihn geglaubt. Wir verbessern uns von Spiel zu Spiel. Jetzt haben wir viel Selbstvertrauen. Im Achtelfinale trifft der wieder erstarkte fünfmalige Champion am 27. Juni erneut in Dortmund auf WM-Neuling Ghana. Die Black Stars hatten zuvor für die erste große Überraschung des Turniers gesorgt und durch ein 2:1 gegen die USA den Sprung in die K.o.-Runde geschafft. Parreiras Trainerkollege Zico dagegen war tief enttäuscht: Es macht einen nicht glücklich, gegen das eigene Land spielen zu müssen. Wichtig war, dass wir bis zum Schluss gekämpft haben.
Gleich auf fünf Positionen hatte Trainer Carlos Alberto Parreira sein Team umgebaut. Gilberto, Juninho, Cicinho, Gilberto Silva und Robinho durften von Beginn an ran und zeigten sofort, dass sie die Chance, sich durch überzeugende Leistungen in die Mannschaft zu spielen, nutzen wollten. Vor allem der 22 Jahre alte Robinho setzte als Sturmpartner von Ronaldo, dessen Kampfgewicht von 90,5 Kilogramm Konditionstrainer Moraci SantAnna ausgeplaudert hatte, Akzente.
In der munteren ersten Hälfte mit hohem Tempo und zahlreichen Torchancen versprühten ausgerechnet die bislang zu Bankdrückern degradierten Stars der Seleçao endlich die so schmerzlich vermisste Spielfreude. Auch der Weltfußballer des Jahres Ronaldinho ließ sich nach bislang eher mäßigen Leistungen von seinen Mitspielern anstecken und harmonierte mit dem starken Juninho im Mittelfeld hervorragend.
Völlig überraschend fiel daher der Führungstreffer für den Asienmeister, bei dem Zico nach den enttäuschenden Auftritten gegen Australien (1:3) und Kroatien (0:0) sein Glück mit einer neuen Besetzung im Angriff versuchte. Der erstmals von Beginn an spielende Tamada rechtfertigte nach einem glänzenden Pass des gebürtigen Brasilianers Alex dann auch seine Nominierung. Der Sturmlauf der Brasilianer wurde kurz vor der Pause belohnt, als Ronaldo per Kopf eine Vorlage seines Teamkollegen von Real Madrid, Cicinho, nutzte.
Auch nach dem Wechsel machten die Ball-Zauberer dort weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatten. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff legte Ronaldinho per Hacke quer auf Ronaldo, doch der verfehlte knapp das Ziel. Besser machte es Juninho vom französischen Meister Olympique Lyon, bei dessen Schuss aus 25 Metern allerdings der bis dahin so glänzend haltende Kawaguchi kräftig mithalf und den Ball durch die Hände gleiten ließ. Gegen die Treffer von Gilberto und Ronaldo war der 30 Jahre alte Schlussmann allerdings machtlos.
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