München - Schwarz-Braun-Blond in Schwarz-Rot-Gold: Der wichtigste 12. Mann für die Spieler ist auch im ersten K.o.-Duell der Weltmeisterschaft der Frauen-Anhang auf der Tribüne.
Beim Achtelfinal-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Schweden werden Conny, Nicola & Co. wieder ihre Stellung im Münchner WM-Stadion einnehmen und ihre Lieblinge anfeuern. Im eigens entworfenen weißen Shirt mit der Aufschrift Germany fiebern die besseren Hälften der Spieler nicht nur im Stadion mit - sie haben im Erfolgs-Konzept von Jürgen Klinsmann auch sonst ihren festen Platz.
Für den Bundestrainer ist es wichtig, dass die Partner in dem großen Puzzle ihren Beitrag zum Gelingen leisten. Zwei Mal binnen drei Tagen lud Klinsmann Frauen und Freundinnen jüngst zu Kuschelstündchen ins abgeriegelte Mannschaftsquartier. Nicht nur mit Fitness-Trainern oder Psychologen ging er neue Wege, auch beim Umgang mit den Spielerfrauen. Bei früheren Weltmeisterschaften war das Spielerhotel für sie Tabuzone, jetzt sind sie dort in den Stunden der Erholung gern gesehen und dürfen manches Mal gar über Nacht bleiben.
Nach dem Spiel sind die Familien da, und es tut wahnsinnig gut, wenn die Kinder um einen herum toben, verriet Torsten Frings. Da kehrt sofort Normalität ein. Das ist für uns Spieler optimal geregelt. Petra Frings hatte die Idee, T-Shirts bedrucken zu lassen, in denen sie und die anderen besseren Hälften auf der Tribüne - wie die Männer unten auf dem Feld - bei der Nationalhymne den gemeinsamen Schulterschluss vollziehen. Das Signal an ihre Lieblings-Kicker: Wir sind mit ganzem Herzen dabei.
Klinsmanns Familien-Modell hatte schon in der Vorbereitung eine herausragende Rolle gespielt. Mit Kind und Kegel war der WM-Tross direkt nach Saisonende zum Regenerationstrainingslager nach Sardinien aufgebrochen. Dass die Spieler größtenteils Frau und Familie dabei haben, gibt eine lockere Atmosphäre und tut den Spielern gut, begründete Klinsmann-Assistent Joachim Löw. Jetzt wohnen die Frauen zwar in eigenen Hotels oder Appartements, sie können aber viele Stunden Freizeit mit ihren Männern verbringen.
Anders als die Glamour-Girls der englischen Nationalmannschaft liefern die deutsche Spielerfrauen keinerlei Sensations-Schlagzeilen. Auf der Ehrentribüne sitzen nur die engsten Vertrauten, die Kinder jubeln mit Omas, Opas oder Tanten von anderen Stadionplätzen den Papas zu. Bislang verlief der Einsatz von Deutschlands Frauen-Power überaus erfolgreich. Klinsmann selbst verzichtet übrigens weitestgehend auf Familien-Kontakte. Ehefrau Debbie wohnt mit den beiden Kindern in Stuttgart und fliegt nur zu den Spielen ein, Jürgen Klinsmann trifft sie nur eine halbe Stunde nach Spielschluss im Kabinen-Gang.
Dass Damen-Besuch auch für reichlich Unruhe sorgen kann, erlebte Klinsmann selbst als Spieler. Bundestrainer Berti Vogts hatte bei der WM 1994 zu einem Abendessen geladen; Martina Effenberg, Angela Häßler und Bianca Illgner nahmen sich wichtiger als einige Spieler sich selbst und sorgten für großen Ärger. Vogts sah später sogar in der Cliquen-Wirtschaft einen entscheidenden Grund am frühen WM-Aus.
Für Frings ist bei dieser WM die Fan-Familie nicht nur zur Unterstützung wichtig, Ehefrau Petra übernahm sogar einen wichtigen Kurier-Dienst. Torsten Frings hatte den Ball, mit dem ihm gegen Costa Rica ein Traumtor gelang, aus dem Stadion geschmuggelt. Petra brachte ihn nach Bremen. Irgendwann, wenn meine Kinder einen Ball brauchen, um im Garten zu spielen, hole ich ihn raus, berichtete er.
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