Leipzig - Gesundheitlich gezeichnet, aber stark genug für die Erfüllung seines Traums: Mit dem WM-Achtelfinale zwischen Argentinien und Mexiko schließt sich für Egidius Braun ein Kreis, wenn er ausgerechnet in Leipzig seine heimliche Liebe Mexiko live erlebt.
Die Reise-Strapazen nimmt der 81-Jährige dafür gern in Kauf. Diese Begegnung ist etwas ganz Besonderes für mich. Mein Herz hängt an Leipzig und vor allem an Mexiko, sagte der Ehrenpräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der dpa.
Leipzig verdankt ihm die WM, er wiederum verdankt Leipzig sein Leben. Nachdem er fünf Tage vor der WM-Vergabe am 6. Juli 2000 beim Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Luxemburg einen Schwächeanfall erlitten hatte, bekam er wenige Tage später in der Leipziger Herzklinik bei einer komplizierten Operation fünf Bypässe gelegt. Ein dabei erlittener Schlaganfall raubte ihm die Sprache. Beim mühseligen Weg zurück ins tägliche Leben half vor allem seine Frau Marianne, mit der er seit mehr als 50 Jahren verheiratet ist. Ich liebe sie, sie gibt mir so viel Kraft. Daher freue ich mich zusammen mit ihr auf das Wiedersehen mit Leipzig und den großartigen Menschen dort, sagte Braun mit gebrochener Stimme.
Ein begeisternder Empfang in Sachsen ist ihm garantiert. Ministerpräsident Georg Milbradt lädt ebenso wie Stadtoberhaupt Burkhard Jung mit 200 Gästen zur Dankeschön-Party. Zudem freut sich der WM-Weichensteller Braun auf ein Wiedersehen mit Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee: Damals war er noch ein kleiner Mann, scherzte Braun, der zugleich ein kleines Geheimnis um den DFB-Gründungsort lüftete: Die Geburtsstunde der WM-Idee stammt schon aus dem Jahr 1990. Bundeskanzler Helmut Kohl machte sich damals für Leipzig stark. Erst zehn Jahre später, bei der 100-Jahr-Feier des DFB in der Messestadt, wurde die Idee neu entfacht. Dann haben Oberbürgermeister Tiefensee und auch Sachsens Fußball-Präsident Klaus Reichenbach ungemein hart für die Sache gearbeitet, erinnerte sich Braun, dessen Namen die Leipziger Sportschule in Abtnaundorf trägt.
Herr Braun hat für sich die Wiedervereinigung so buchstabiert, dass die Fußball-WM in ganz Deutschland, in Ost und West, stattfindet. Ihm haben wir alles zu verdanken, sagte Tiefensee. Nach dem geplatzten Traum von Olympia 2012 bekam die Stadt an der Pleiße neben der WM-Endrunden-Auslosung noch fünf WM-Spiele zugesprochen.
Besondere Zuneigung hat der Fußball-Funktionär mit der sozialen Ader für Mexiko. Mit dem mittelamerikanischen Land verbindet ihn mehr als nur der Fußball: die Unterhaltung des Waisenhauses Casa de Cuna, das Mutter-Kind-Heim der Vicentinas und die Förderung des Straßenkinderprojektes in Querétaro gehören zu den langjährigen Aktivitäten Pater Brauns. Zudem sorgte der passionierte Orgelspieler als Delegationsleiter des deutschen Teams bei der WM 1986 in Mexiko am Flügel immer wieder für Stimmung.
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