Berlin - Ein friedlich-fröhlicher WM-Auftakt: Mehr als eine Million Fans haben auf den Boulevards und Plätzen der Städte einen ungetrübten Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland gefeiert.
Ein wunderbarer Fußballtag in Deutschland, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), einen Traumstart unter Sicherheitsaspekten verzeichnete Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU). Die wenigen Störer standen als Minderheit klar im Abseits und wurden zum Beispiel von der Polizei in Berlin schnell zurückgedrängt.
Wie Polizei und Feuerwehr zog auch der geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, eine rundum positive Bilanz: Die Fan-Feste zeigten die Lebenswirklichkeit in Deutschland. Die Leute wollen Optimismus, und der Fußball bietet ihnen eine Plattform, sagte Zwanziger der dpa. Das deutsche Organisationskomitee und der Weltfußballverband FIFA bewerteten den WM-Anpfiff ebenfalls als positiven Start. FIFA-Mediendirektor Markus Siegler sagte: Es ist alles glatt gelaufen.
Die Sause ging am Tag nach der Eröffnung bei strahlendem Sonnenschein über dem ganzen Land in bester Stimmung weiter. Einen Tag vor dem Leipziger Spiel zwischen den Niederlanden und Serbien-Montenegro tanzten die Fan-Gruppen beider Länder Arm in Arm nahe der Nikoleikirche. Schon mehr als drei Stunden vor dem Spiel England-Paraguay zog es Tausende Briten zum Fan-Fest am Main. Viele hatten sich in englische Flaggen gehüllt und stimmten ihre Schlachtgesänge an.
Auch auf der mit über 2,5 Kilometer größten Fan-Meile im ganzen WM-Land versammelten sich am Brandenburger Tor in Berlin wieder Zehntausende. Die Meile ist schon wieder gut gefüllt, die Stimmung ist friedlich, das Bier fließt, sagte eine Senatssprecherin. Ähnlich sonnig und heiter ging es auch auf Mallorca zu. Bei nur etwa 20 Grad jubelten beim Deutschland-Spiel gegen Costa Rica allein im größten Biergarten der spanischen Ferieninsel in sArenal 6000 deutsche Urlauber.
Ganz Dortmund war in gelb-blau getaucht. Vor dem WM-Start der Schweden am Samstag gegen Trinidad und Tobago zogen Tausende Skandinavier singend und mit Sverige, Sverige-Rufen durch Innenstadt und Biergärten. In Hamburg ließen sich die Fans vor dem Match Argentinien-Elfenbeinküste am späten Abend noch etwas Zeit.
Ein Signal gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass setzten etwa 5000 Menschen in Gelsenkirchen mit ihrem Protestzug gegen eine NPD-Demonstration mit rund 200 Teilnehmern.
Vom stundenlangen Feiern auf den WM-Partymeilen hatten die Fans nach dem 4:2 der Gastgeber gegen Costa Rica in München und dem 2:0 von Ecuador über Polen in Gelsenkirchen noch lange nicht genug. Bis weit nach Mitternacht bevölkerten sie in Auto-Corsos die Bummelmeilen der Stadtzentren, feierten mit Hupkonzerten, Tröten und Trompeten und ließen ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer wehen. Der Kurfürstendamm in Berlin musste zeitweise gesperrt werden. Auch in München am Siegestor gab es laut Polizei kein Durchkommen mehr.
Besonders in Berlin auf der Straße des 17. Juni und am Brandenburger Tor, wohin mehr als 300 000 Menschen geströmt waren, erinnerten sich viele an die großen historischen Momente. Seit dem Mauerfall war hier nicht mehr so viel Schwarz-Rot-Gold, sagten viele.
Dennoch war die erste große WM-Party vor allem ein buntes internationales Fest. In Frankfurt/Main mischten sich schon immer mehr Engländer mitfeiernd unter das Volk. Auch in Gelsenkirchen gab es vor dem 0:2 der Polen gegen Ecuador viel Verständigung und gemeinsame Gesänge. Tausende polnische Fans traten noch in der Nacht zwar bitter enttäuscht, aber ohne Reibereien die Rückfahrt in ihre Heimat an.
Nur etwa 20 Festnahmen gab es in Frankfurt, 19 in Berlin. Völlig normal für diese Dimensionen, sagten Polizeisprecher. Insgesamt vermeldete die Polizei jedoch nur positive Bilanzen. Gemessen an der Größe der Veranstaltungen war es sogar extrem ruhig, sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion in Stuttgart. Fröhlicher Ausnahmezustand, nannte das die Polizei in Hannover. Etwas mehr Festnahmen, nämlich 67, gab es in München.
DFB-Chef Zwanziger fasste die Lage in Deutschland so zusammen: Die ganz große Mehrheit wollte einfach nur mitsehen, mitfeiern und mitsingen.
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