Frankfurt/Main - Vorhang auf zur Fußball-Show: Bei der in einer Woche beginnenden Weltmeisterschaft wollen die Jungstars den Millionen in den Stadien und an den Fernsehgeräten ihr Talent vorführen und den gestandenen Stars der Szene den Rang ablaufen.
Wenn Lionel Messi mit dem Ball am Fuß in Atem beraubender Geschwindigkeit die gegnerischen Abwehrreihen auseinandereißt, Robinho und Cristiano Ronaldo mit ihren Übersteigern den Verteidigern Knoten in die Beine drehen oder Lukas Podolski kaltschnäuzig das runde Leder in die Maschen schlenzt, sollen die Fans in Verzückung geraten.
Cristiano hat die Technik eines Südamerikaners, die Größe und die Stärke eines Europäers. Kopfball, Schussstärke, Dribbling, er bringt alles mit. Ich traue ihm zu, einer der Stars der WM zu werden, lobt Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari seinen Schützling, dessen Stern bei der Europameisterschaft 2004 im eigenen Land aufging. Aus der Mannschaft der Portugiesen ist der 21-Jährige nicht mehr wegzudenken. Er hat das alternde Idol Luis Figo in der Populaität längst überholt.
Eine ähnliche, wenn auch noch steilere Karriere hat Ronaldos Teamkollege bei Manchester United, Wayne Rooney, hinter sich. Wie der Portugiese trumpfte Rooney bei der EM 2004 dermaßen auf, dass sich alle einig waren, das neue Jahrhunderttalent gesehen zu haben. Nach vier Toren stoppte erst ein Mittelfußbruch den Instinktfußballer, dem das gleiche Schicksal bei dieser WM droht. Seit dem Foul des für Chelsea London spielenden Portugiesen Paulo Ferreira im Ligaspiel steht eine ganze Nation unter Schock.
Englands Trainer Sven-Göran Eriksson verglich Rooneys Bedeutung mit der Ronaldinhos für Brasilien. Ein Fitnesstest am 7. Juni soll Klarheit geben, ob der Stürmer bei der WM spielen kann. Wenn nicht, steht mit Theo Walcott (17/Arsenal London) bereits das Jahrtausendtalent auf dem Sprung.
Die Hoffnungen der deutschen Fans ruhen auf Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger. Beide deuteten beim Confederations Cup im Sommer 2005 ihr enormes Potenzial an. Der 20-jährige Podolski hat sich bereits einen Stammplatz gesichert, der ein Jahr ältere Schweinsteiger steht nach guten Leistungen in der Vorbereitung auf dem Sprung in die erste Elf. Mein großes Ziel ist es, der Mannschaft zu helfen, mit Toren, Vorlagen, auch defensiv, sagte der Bayern- Profi.
Gleich einer ganzen Garde junger Spieler vertraut der Schweizer Nationaltrainer Jakob Kuhn. Elf Akteure sind jünger als 24 Jahre. Der technisch versierte und wieselflinke Tranquillo Barnetta (21) von Bayer Leverkusen hat sich mit sechs Toren und sieben Vorlagen in der abgelaufenen Saison in der Bundesliga und auch in der Nationalmannschaft etabliert. Zum Stamm gehört auch der gleichaltrige Verteidiger Philippe Senderos (21), der mit Arsenal London bis ins Champions-League-Finale kam. Eine große Zukunft, möglicherweise schon bei der WM, wird zudem Defensivspieler Valon Behrami (21/Lazio Rom) zugetraut. Der gebürtige Kosovo-Albaner wird von zahlreichen Spitzenvereinen umworben. Der David Beckham der Schweiz ist vielseitig einsetzbar und beidfüßig stark.
Die Trümpfe der Titelkandidaten Brasilien und Argentinien sind Robinho (22/Real Madrid) beziehungsweise Teenie-Star Lionel Messi vom FC Barcelona. Der kleine Wirbelwind gilt im Land der Gauchos bereits als der legitime Nachfolger von Diego Maradona. In Barcelona lernt der 18-Jährige von den Besten wie Ronaldinho, Deco oder Samuel Etoo. Bei der U 20-WM vor knapp einem Jahr räumte er mit dem Titel, der Torjägerkrone und der Auszeichnung als bester Spieler alles ab. Vor der WM kommt er ein wenig bescheidener daher. Ich hoffe, Ronaldinho wird der Superstar und wir Champion der WM, sagte Messi.
Dessen bester Kumpel ist der gleichaltrige Cesc Fabregas, auf dessen schmalen Schultern die Hoffnungen der Spanier ruhen. Fabregas Vereinskollege bei Arsenal London, Thierry Henry, adelte den Katalanen jüngst: Es gibt nicht viele Spieler, die in seinem Alter so gut sind wie er. Rooney natürlich, auch Ronaldinho war es, sagte der Franzose. Im Viertelfinale der Champions League gegen Juventus Turin trat der Teenager, der mit 16 Jahren und 47 Tagen sein Debüt in der Premier League feierte, endgültig aus dem Schatten seines Vorbildes Patrick Viera.
Hollands Trainer Marco van Basten setzt neben dem gestandenen Ruud van Nistelrooy auf die jungen Arjen Robben (22/Chelsea London) und Ryan Babel (19/Ajax Amsterdam). Robben hat bereits sein großes Potenzial gezeigt. Er hat eine fabelhafte Karriere vor sich. Er weiß, das ich sehr viel von ihm erwarte, und er wird alle meine Erwartungen erfüllen, erklärte Hollands Idol Johan Cruyff. Die Fans lieben den Stürmer vor allem für seine Schwindel erregenden Flügelläufe. Sein Coach bei Chelsea, Jose Mourinho, lobt Robbens atemberaubende Technik. Einziger Makel ist die Fallsucht des Stürmers. Er wird mal ein großer Fußballer, wenn er das abstellt, hatte sein früherer Trainer Guus Hiddink einst prophezeit.
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