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Kleiner Mann ganz groß: Maradona adelt Lahm | 2006-06-10


Berlin/München - Der Kleinste im deutschen Team war der Größte - und die mit Abstand höchste Anerkennung zollte ausgerechnet einer der Allergrößten: Das war eine Weltklasse-Leistung von Philipp Lahm, sagte Argentiniens Fußball-Legende Diego Maradona.

In dieser Form kann er einer der Top-Spieler der WM werden. Wow, das saß! Doch der nur 1,70 Meter große Lahm empfand die Lobpreisung des ehemaligen südamerikanischen Weltstars keineswegs als Bürde für die weiteren Turnierspiele. Es ist ein dickes und sehr großes Lob. Maradona ist ja nicht irgendwer, sondern er war einer der größten Fußballer, die es gab. Aber Druck gebe ich mir immer noch selbst am meisten, erklärte Lahm am Tag nach seiner Galavorstellung.

Beim WM-Debüt in seinem Heimat-Stadion schien der 22 Jahre junge Münchner überhaupt keinen Druck zu verspüren. Mit dem Tor meines Lebens eröffnete Lahm vielmehr das 4:2-Torfestival gegen Costa Rica. Als Zugabe bereitete er das 3:1 von Miroslav Klose vor und darüber hinaus erfüllte er auch noch als einziger seine Aufgaben in der deutschen Wackel-Abwehr tadellos. So ein Spiel vor meiner Haustür, was Schöneres kann man sich nicht vorstellen, kommentierte Lahm.

Erst Recht, wenn man bedenkt, dass dies alles nur 23 Tage nach seiner Ellbogen-Operation geschah. Behindert in seinem Tatendrang fühlte er sich weder von der Blessur noch von der beweglichen Schiene an seinem linken Arm. Nach einem Sturz musste er aber kurz behandelt werden. Da merkt man die Muskulatur, die hinterher steinhart war.

Im Wettstreit um das Tor des Tages stach Lahm mit seinem raffinierten Schlenzer in den Winkel sogar Torsten Frings aus, der mit voller Wucht das 4:2 erzielt hatte. Das war ein Glückstor, gab der Bremer zu. Der Ball ist mir ein bisschen abgerutscht. Die Glücks-Kugel wollte Frings, der sich in Abwesenheit von Michael Ballack zum Chef im Mittelfeld aufschwang, unbedingt als Erinnerungsstück behalten. Denn erstmals bei einer WM-Endrunde sind die Spielbälle mit Datum, Ort und Ansetzung der jeweiligen Partie versehen, was sie einzigartig und damit besonders wertvoll macht.

Listig verzichtete Frings nach Spielende auf den Trikottausch mit einem Gegenspieler aus Costa Rica und entführte das Spielgerät mit Namen Teamgeist unter seinem Deutschland-Dress in die Kabine. Ich hatte schon ein Problem mit der FIFA, den Ball mitzunehmen, verriet Frings und ergänzte schelmisch: Ob es mir gelungen ist, bleibt mein Geheimnis.


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