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Notizen von der Fußball-WM | 2006-06-10


RASENKAUF: Fußball-Idol Uwe Seeler (69) wirbt schon zu Beginn der Fußball-WM für die maßgerechte Zerlegung des Endspielrasens von Berlin.

Der Ehrenspielführer der deutschen Nationalelf will damit Geld in die Kasse seiner Uwe-Seeler-Stiftung für unverschuldet in Not geratene Menschen und behinderte Kinder bringen. In 60 000 Teile von je 20 mal 30 Zentimetern soll der Endspiel-Untergrund zerlegt und naturbelassen oder in Acryl gegossen verkauft werden. Kosten: 75 Euro pro Stück. Das Versandhaus Quelle hat die Rechte am Rasen erworben, 10 000 Bestellungen liegen bereits vor. Vom Erlös von maximal 4,5 Millionen Euro gehen 100 000 Euro an Seelers Stiftung.

DEIN FREUND UND FUßBALLHELFER: Die Autobahnpolizei in Nordrhein- Westfalen hat 14 Fans aus Trinidad und Tobago vor einem fußballerischen Supergau bewahrt: Vor dem Auftaktspiel gegen Schweden machte am frühen Samstagmorgen der Fan-Bus auf der Autobahn schlapp und blieb liegen. Die Beamten brachten den in England gemieteten Kleinbus mit ihrem größeren Einsatzfahrzeug kurzerhand im Schlepptau zu einer nahe gelegenen Tankstelle. Dort konnte der Bus für die Fans aus der Karibik wieder flott gemacht werden.

KALT ERWISCHT: Für Jesús Gonzalez (39) war die WM beendet, ehe das Turnier begonnen hatte. Der Mexikaner wurde auf dem Flughafen Mexiko-Stadt festgenommen - mit 135 WM-Tickets und 155 000 Euro Bargeld im Gepäck. Er wollte der Polizei weder Herkunft noch Verwendung der Eintrittskarten und des Geldes erklären. Nach den mexikanischen Gesetzen dürften höchsten 10 000 Dollar in bar ausgeführt werden.

NIE AUFGEBEN: Bürgermeister Leonhard Helm aus dem WM-Domizil der Brasilianer in Königstein im Taunus verblüfft mit unerschütterlicher Beharrlichkeit Journalisten aus aller Welt. Der CDU-Politiker hält jeden Tag um 14.00 Uhr eine Pressekonferenz im Haus der Begegnung ab, das die Gemeinde als Medienzentrum zur Verfügung gestellt hat. Da die neuesten Meldungen über Ronaldinho, Ronaldo und Co. eine gewisse Priorität haben, hört kaum jemand hin. Nicht einmal, als das Stadtoberhaupt warnte, dass falsch geparkte Autos der Journalisten vor der Halle abgeschleppt würden.

SEELSORGE: Bischof Tadeusz Pieronek, Direktor der Päpstlichen Theologischen Akademie in Krakau, hat wohl schon vorab von ganz oben über die Auftaktniederlage von Polens WM-Elf gegen Ecuador (0:2) erfahren. Jedenfalls warnte er in einem Interview: Man sollte nicht ein verlorenes Spiel als nationale Katastrophe betrachten. Für alle Fälle meint der Theologe: Oder ein gewonnenes als Überlegenheit gegenüber einem anderen Land. Der gegnerischen Mannschaft eine Niederlage zu wünschen, sei aber keine Sünde. Zu den Prioritäten seines Chefs meint Pieronek: Ich würde mich wundern, wenn Papst Benedikt XVI. nicht für die Deutschen hofft.

LUFTUNTERSTÜTZUNG: Mit einer riesigen England-Fahne an zwei Hubschraubern hat ein unbekanntes Unternehmen in Frankfurt die Stimmung bei englischen Fußballfans vor dem Spiel gegen Paraguay gehoben. Come on England stand auf dem rot-weißen Banner zu lesen, das die Hubschrauber über die Stadt schleppten. Den Auftraggeber wollte das Unternehmen Heli Transair, deren Hubschrauber über der Mainmetropole knatterten, nicht preisgeben.

WETTTEUFEL: Abwehrspieler Sammy Kuffour aus Ghana will seinen Clubkollegen vom AS Rom am Montag im WM-Auftaktspiel gegen Italien nicht nur drei Punkte, sondern auch eine Menge Geld abnehmen. Der 29-Jährige, der bis zum vorigen Jahr beim FC Bayern München unter Vertrag war, hat gegen einige seiner Vereinskameraden um Italiens Mittelfeld-Star Francesco Totti auf einen Sieg seiner Nationalmannschaft gewettet. Nach der Partie werde ich mir mein Geld abholen, verkündete Kuffour am Samstag. Seinen Wettgewinn will er dann für SOS-Kinderdörfer spenden.

SPRACHHILFE: Die WM-Schiedsrichter brauchen bei ihrem Aufenthalt im Kempinski Hotel Gravenbruch bei Frankfurt keine Sprachverwirrung zu fürchten. Jeder Unparteiische erhielt ein kleines sechssprachiges Fußballwörterbuch. Darin findet sich etwa das englische Wort für Schwalbe (dive) oder auch der italienische Ausdruck für Freistoß (calcio di punizione). Deutschen Fans wird von den Volkshochschulen der zwölf WM-Städte mit den wichtigsten Fußball-Ausdrücken in den Sprachen der bei der WM vertretenen Mannschaften sprachlich weitergeholfen. Wendungen wie Spiel doch ab! oder Traumtor! finden sich in 15 Sprachen, darunter Arabisch, Japanisch und Tschechisch.

SPALIERE: Bad Nauheim will die Nationalmannschaft von Saudi-Arabien an diesem Montag mit Erfolgsketten zu den Vorrundenspielen in München, Hamburg und Kaiserslautern verabschieden. Es wäre daher eine sehr schöne Geste, wenn wir auf der Straße Spalier stehen würden, sagte Sportdezernent Konrad Dörner am Wochenende. Es seien bereits Poster vorbereitet, auf denen in Deutsch, Englisch und Arabisch Viel Erfolg stehe.

WM-ENERGIE: In den Fanblocks der WM-Stadien wird enorm Energie verbraucht: 0,36 Kilowattstunden Energie kostet jeder Fan im WM-Stadion Gelsenkirchen pro Spiel. Der Stromversorger RWE hat dies zum Auftaktspiel Ecuador-Polen (2:0) ausrechnen lassen. Einer der größten Stromverbraucher sei neben der Flutlichtanlage auch die Kühlung der über neun Kilometer langen Bierleitung, hieß es. Der Fußballer auf dem Platz ist aber mehr gefordert: Er verbrennt pro Spiel im Schnitt 1,7 Kilowattstunden.

ÜBERGEWICHT: 80 Kilo wiegt eine riesige Fahne, die ein Fanclub aus Argentinien mit zur WM gebracht hat. Die achtköpfige Gruppe, die zu einer Hälfte in der Schweiz, zur anderen im argentinischen Puerto Esperanza lebt, rollt das gewaltige Tuch allerorten aus, wo die Mannschaft des zweimaligen Weltmeisters auftaucht. Allerdings bedarf es angesichts einer Größe von 50 x 22 Metern einer gewissen Vorbereitungszeit, bis die Landesfarben himmelblau und weiß in voller Pracht faltenfrei ausliegen. Mit ins Stadion dürfen die Anhänger der Albiceleste ihren ganzen Stolz jedoch nicht nehmen - dort sind nur Transparente in der Größe von drei mal einem Meter erlaubt.


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