Wangen im Allgäu/Stuttgart - Das Chaos regiert Togos Fußball. Drei Tage vor dem erst Weltmeisterschaftsspiel gegen Südkorea ist unsicher, mit welchem Trainer und vor allem mit welcher Mannschaft die Westafrikaner in Frankfurt am Main auflaufen.
Nachdem der deutsche Trainer Otto Pfister am späten Freitagabend wegen des ungelösten Prämienstreits das Quartier in Wangen im Allgäu verlassen hatte, präsentierte der überfordert wirkende Fußballverband in einer chaotischen Pressekonferenz den bisherigen Co-Trainer Mawuena Kodjovi als vorläufigen Nachfolger des Kölners.
Pfisters Rückkehr wurde von der Teamleitung allerdings ebenso wenig ausgeschlossen wie eine Verpflichtung von Winfried Schäfer. Mich hat keiner gefragt. Helfen würde ich, aber nur unter den Bedingungen, die ich stelle, sagte der frühere Karlsruher Trainer der dpa. Neben unbedingter Disziplin müssten auch alle Störenfriede raus. Schäfer wurde 2002 mit Kamerun Afrika-Meister und betreut derzeit Al Ahli Dubai. Auch ein Boykott der Spieler scheint noch nicht abgewendet zu sein: So soll Emmanuel Adebayor gedroht haben, unter Kodjovi nicht zu spielen.
Zuvor hatte Teammanager Bachirou Salou erklärt, einige Spieler versuchten, den 68-Jährigen Pfister zurückholen. Noch am Morgen sah der ehemalige Bundesliga-Profi eine 50:50-Chance, dass Pfister gegen Südkorea doch auf der Bank sitzt. Doch der gebürtige Kölner signalisierte aus der Schweiz, es habe keinen Zweck zu versuchen, ihn umzustimmen. Eine geplanter Besuch der Spieler bei Pfister wurde daraufhin abgeblasen.
Pfister hatte am späten Freitagabend gemeinsam mit Co-Trainer Piet Hamberg das Teamquartier verlassen. Auslöser war der ungelöste Prämienstreit. Nur das war der Grund. Wenn die Mannschaft mehrere Tage nicht mehr trainiert, ist mir die professionelle Grundlage entzogen. Das zerstört mir einen Lebenstraum, sagte Pfister der dpa.
Verband und Spieler hatten sich bereits auf eine Prämienzahlung geeinigt. Nach dpa-Informationen sollten 50 000 Euro für die erstmalige WM-Qualifikation Togos gezahlt werden, doch der Verband ließ eine zweitägige Zahlungsfrist verstreichen. Beide Seiten fanden keinen Kompromiss, dann ist es eskaliert, sagte Salou.
Pfister schließt derzeit einen Rücktritt vom Rücktritt aus. Ich sehe im Moment keine Chance. Das hat sich ja alles lange abgezeichnet. Ich habe verzweifelt versucht, die Situation in den Griff zu bekommen, sagte der gebürtige Kölner. Seine Spieler machte er für seinen Entschluss nicht verantwortlich. Die Schuld liegt beim togoischen Fußballverband.
Pfister hatte die Mannschaft erst Ende Februar übernommen, nachdem sein Vorgänger Stephen Keshi nach dem desaströsem Auftritt beim Afrika-Cup entlassen worden war. Am Freitag wollten Premierminister Edem Kodjo und Sportminister Ayouta Ouyenga ins Allgäu reisen, um den seit Monaten schwelenden Prämienstreit zu schlichten. Doch ihr Flug nach Friedrichshafen fiel aus und sie wurden nach München umgeleitet. Beide wurden nun am Samstag im Mannschaftsquartier erwartet. Die Spieler hatten seit dem Afrika-Cup im Januar die für die erstmalige WM-Qualifikation Togos versprochene Zahlung eingefordert.
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