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Zur WM wird Denglish gesprochen | 2006-06-11


Berlin - Fußball gucken auf Großbildleinwand heißt Public Viewing, Flagge hissen City Dressing. Der Bereich für die Reichen nennt sich Hospitality Zone, freiwillige Helfer sind Volunteers und der Hamburger Hauptbahnhof ist seit neuestem die FIFA Railway Station Hämbörg.

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist, um im Marketingdeutsch zu bleiben, ein Event. Mancher Deutsche hat das Großereignis auch zum Anlass genommen, sein Englisch aufzupolieren, darunter die Polizisten in Leipzig oder rund 1000 Mitarbeiter der Deutschen Bahn.

Zur WM kursieren viele Anglizismen aus der globalen Marketingsprache. Auf der offiziellen FIFA-Internetseite wird für das kommerzielle Incentive-Programm Hospitality geworben. Die Zielgruppe wird vermutlich verstehen, dass damit noble WM-Angebote für Firmen gemeint sind. Beim Kartenverkauf (Ticketing) heißt es First come, first served, der Wiederverkauf läuft unter Resale beim Customer Self Service. Der bayerische Kabarettist Gerhard Polt hätte seine Freude daran, schließlich hat er einmal über Freizeitaktivitäten wie freshair snapping, mushroom searching und televisioning sinniert.

Der Deutsche Philologenverband sieht die Anglizismen gelassen. Man habe schon aufgehört, sich darüber aufzuregen, sagt der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Nach der WM werde wieder das Normalmaß einkehren.

Für Walter Krämer, den Vorsitzenden des Vereins Deutsche Sprache, sind die englischen Ausdrücke dagegen ein rotes Tuch. Die allermeisten Teilnehmer sprechen kein Englisch, kritisiert er mit Blick auf WM-Schwergewichte wie Argentinien und Brasilien. Public Viewing! Die Franzosen finden das peinlich und sehen uns als Arschkriecher der USA und Englands, ereifert sich Krämer. Für ihn haben die Anglizismen zur WM ein Übermaß erreicht. Ich bin nicht der einzige, dem das aufstößt.

Die in Berlin lebende amerikanische Kabarettistin Gayle Tufts hat sich schon über die Durchsagen bei der Bahn gewundert. Erst ein endloser Satz zu den Stopps und den Umsteigemöglichkeiten, dann kommt auf Englisch nur ganz knapp Thank You for riding Deutsche Bahn. Das klingt gut, aber so wahnsinnig effektiv ist es nicht. Zur WM wittert Tufts, die mit der Sprachmischung Denglish ihr Publikum unterhält, ein großes Sprachchaos. Marketing-Ausdrücke wie Public Viewing oder City Dressing findet sie eher belustigend als informativ. City Dressing - das klingt wie eine Salatsoße.


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