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Ahmadinedschads WM-Besuch unwahrscheinlich | 2006-06-11


Teheran - Ein Besuch des umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bei der Fußball-WM in Deutschland ist nach jüngsten offiziellen Äußerungen aus Teheran eher unwahrscheinlich.

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hamid-Resa Assefi, sagte, das mögliche Erreichen des Achtelfinales sei zu wenig für eine Reise des Präsidenten nach Deutschland.

Ahmadinedschad, der wegen seiner antiisraelischen Politik und des iranischen Atomprogramms hoch umstritten ist, hatte vergangene Woche angekündigt, dass er zur WM fahren würde, falls die iranische Nationalmannschaft die Vorrunde überstehen sollte. Derzeit steht eine Reise nicht zur Debatte. Wir müssen abwarten und schauen, wie weit unser Team kommt - falls ins Finale, dann würde alles anders aussehen, sagte Assefi jetzt in Teheran.

Unterdessen haben mehr als 1000 Demonstranten vor dem WM-Spiel Iran-Mexiko in Nürnberg gegen die Politik des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad protestiert.

Mehrere Redner forderten ein Einreiseverbot für den iranischen Staatschef. Sie erklärten, für Holocaust-Leugner gebe es keinen Platz in Deutschland. Der Deutschlandbesuch von Ahmadinedschads Stellvertreter, Mohammed Aliabadi, anlässlich der Fußball-WM sei eine Schande für Deutschland. Die Polizei sprach von 1200 Teinehmern, darunter viele deutsche Juden.

Die Demonstranten hatten den Kundgebungsplatz in der Nürnberger Altstadt in ein Meer aus weiß-blauen israelischen Fahnen getaucht. Auf Transparenten hieß es unter anderem Die Rote Karte für Ahmadinedschad und Viva Israel - Es lebe die Freiheit. Der Protest verlief friedlich. Zu der Kundgebung hatten zahlreiche jüdische Organisationen aufgerufen.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU), derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern, warb bei der Kundgebung für ein entschlossenes Vorgehen gegen Antisemitismus. Führen wir in aller Deutlichkeit vor Augen, dass Bayern und Deutschland ebenso wie die gesamte westliche Welt fest an der Seite des Staates Israel und der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger stehen, sagte Beckstein. Dabei betonte er, der Protest richte sich nicht gegen das iranische Volk, sondern allein gegen die unerträglichen verbalen Attacken von Ahmadinedschad.

Ich sage es mit aller Deutlichkeit: Ahmadinedschad ist bei uns nicht willkommen. Allein sein Diplomatenpass wird ihn vor einer sofortigen Festnahme schützen, sagte Beckstein. Mit seinem Leugnen des Holocausts und des Existenzrechts Israels stelle sich der iranische Präsident außerhalb der zivilisierten Welt. So sehr wir die iranischen Besucher und ihre Nationalelf willkommen heißen, so sehr müssen wir umgekehrt auch sagen, wie sehr wir Ahmadinedschad verachten, unterstrich der CSU-Politiker.

Der Vorsitzende der Vereinigten Israel Aktion, Michel Friedman, sprach sich energisch für ein Einreiseverbot für Ahmadinedschad aus. Komme es dennoch zum Besuch, dürfe mit ihm nicht anders verfahren werden als mit einem Neonnazi, der die Vernichtung von Millionen von Juden während der Nazi-Zeit leugne. Wir haben gelernt: Wehret den Anfängen, und Ahmadinedschad ist weit über die Anfänge hinausgangen. Deshalb dürfen wir dem Hitler des 21. Jahrhunderts nicht mit einem diplomatischen Schmusekurs begegnen, forderte Friedman.


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