Hamburg - Diego Armando Maradona tanzte, ballte die Hand Gottes wie vor 20 Jahren und kämpfte ergriffen mit den Tränen. Mit dem 2:1 (2:0)-Maßeinstand gegen die starke Elfenbeinküste hat Argentinien bereits den Grundstein für das Erreichen des Achtelfinales gelegt.
Wir sind sehr glücklich, dass wir diesen Schritt gemacht haben. Das sind ganz wichtige Punkte, die wir uns hart erarbeitet haben, sagte José Pekerman freudestrahlend nach dem Auftakt-Sieg des zweimaligen Weltmeisters vor den Augen des begeisterten Fußball-Idols Maradona.
Der sonst so reservierte Trainer überraschte, als er nach dem Ende der Pressekonferenz noch einmal das Wort ergriff und sich direkt an Maradona wandte: Ich möchte Diego danke sagen für seine Unterstützung. Vor der Partie war der frühere Mittelfeldstar in die Kabine gekommen und hatte allen Beteiligten Mut gemacht. Ich bin überzeugt, dass Ihr alles geben werdet. Ihr seid echte Phänomene und werdet uns nicht enttäuschen, sagte Maradona laut einer Mitteilung des argentinischen Verbandes AFA. Anschließend fieberte er in ein himmelblau-weißes Nationaltrikot mit der Nummer 10 gehüllt gemeinsam mit seiner Tochter Giannina und Ex-Frau Claudia auf der Tribüne mit.
In den packenden 90 Minuten zuvor hatte Pekermans Mannschaft gegen die taktisch, spielerisch und kämpferisch starken Afrikaner bewiesen, dass sie zurecht als einer der großen Titelfavoriten gehandelt wird. Entsprechend beeindruckt zeigte sich insgesamt von dem Spiel auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der mit seiner Mannschaft auf einen der beiden Rivalen im Viertelfinale treffen könnte. Da ist man auch fasziniert. Ein Klassespiel, das hat einen mitgerissen, meinte er. Kollege Pekerman hat aber auch noch gewaltige Reserven. Die jungen Edel-Kicker Lionel Messi und Carlos Tevez saßen nur auf der Bank.
Argentinien startet mit einem Lächeln, titelte El Tribunio. Ein Fest in hellblau und weiß, schrieb La Nacion auch angesichts der 6000 bis 8000 lautstarken argentinischen Fans. Ich bin sehr bewegt, weil so viele Argentinier hier waren. Ich habe eine besondere Energie auf dem Platz verspürt, meinte Kapitän Juan Pablo Sorin pathetisch.
Für den ersten Jubel der Anhänger sorgte Hernan Crespo (24.) mit seinem 30. Tor im Dress der Albiceleste, ehe Javier Saviola (38.) im mit 50 000 Zuschauern ausverkauften Hamburger Hexenkessel eiskalt nachlegte. Beide Male hatte Spielmacher Juan Roman Riquelme in seinen goldenen Schuhen glänzend aufgelegt. Die Partie gewonnen zu haben, belohnt die Arbeit von vier Jahren, versicherte Chelsea-Stürmer Crespo. Das ist ein Traum, jubelte Sturmpartner Saviola, der wie schon beim legendären 3:1 in der Qualifikation gegen den Erzrivalen Brasilien mit Crespo in der Spitze auftrumpfte. Als ich sah, dass der Ball ins Tor ging, wusste ich gar nicht, was ich machen sollte.
Das wussten seine Mitspieler in der zweiten Halbzeit auch nicht immer. Denn mit ihrer nun lässigen Spielweise bauten sie die Ivorer wieder auf, die nach einer Demonstration afrikanischen Power-Fußballs nach Wiederanpfiff zunächst schon resigniert wirkten. Die Quittung bekamen die Argentinier prompt, ausgestellt von Didier Drogba: Acht Minuten vor dem Ende erzielte er das Anschlusstor und leitete Argentiniens Zitterphase ein. Wir haben eine große Chance verpasst, klagte der Kapitän des WM-Neulings, der nun gegen die Niederlande gewinnen muss. Für unseren Mangel an Erfahrung haben wir teuer bezahlen müssen: Wenn man auf diesem hohen Niveau Fehler begeht, nutzt der Gegner sie immer aus, befand Trainer Henri Michel.
Während die Trauer der Elefanten, wie das Ivorer-Team genannt wird, sich nicht legen wollte, suchten die Fans Trost. Im Ivorischen Dorf auf der Hamburger Trabrennbahn verbrüderten sich die Afrikaner mit 3000 argentinischen Anhängern und feierten bei argentinischer Wurst und Bier bis zum frühen Morgen durch. Unter ihnen: Clothilde und Albert Drogba, die Eltern des Stürmerstars von Chelsea London.
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