Hamburg - Argentinien vor Maradonas Augen im Stile eines Titelkandidaten, die Niederlande dank Arjen Robben mit erfolgreichem WM-Comeback, England dagegen fast von der Hitze ausgeknockt: Drei der Turnier-Favoriten sind unterschiedlich in die 18. Fußball-WM gestartet.
Während Geheimtipp Schweden im ersten Spiel von Underdog Trinidad und Tobago düpiert wurde und nach dem 0:0 um den Einzug ins Achtelfinale fürchten muss, verließen die anderen Top-Teams als Sieger den Platz. Auch die hoch eingeschätzten Mexikaner kamen mit 3:1 gegen Außenseiter Iran zum erwarteten Erfolg. Portugal bekleckerte sich beim 1:0 gegen WM-Debütant Angola nicht mir Ruhm.
Nach dem 2:1-Auftakt des zweimaligen Weltmeisters Argentinien gegen die starke Elfenbeinküste kämpfte Diego Armando Maradona auf der Tribüne mit den Tränen. Wir sind sehr glücklich, dass wir diesen Schritt gemacht haben. Das sind ganz wichtige Punkte, freute sich Trainer José Pekerman über den ersten Schritt auf dem Weg in die nächste Runde. In packenden 90 Minuten hatte sein Team bewiesen, warum es als einer der großen Titelaspiranten gehandelt wird.
Hernan Crespo (24.) und Javier Saviola (38.) buchten jeweils auf Zuspiel des überragenden Juan Riquelme die ersten drei Punkte für die Albiceleste. Nach einer Demonstration afrikanischen Power-Fußballs kam die Elfenbeinküste acht Minuten vor Schluss durch Didier Drogba nur noch zum Anschlusstor. Wir haben eine große Chance verpasst, klagte der Kapitän des WM-Neulings. Im Spiel gegen die Niederlande müssen die Elefanten nun unbedingt gewinnen, um in der Gruppe C im Rennen zu bleiben.
Was Riquelme für Argentinien, ist Robben für Oranje. Mit seinem Siegtor im Top-Spiel gegen Serbien-Montenegro (18.) bescherte der überragende Angreifer des FC Chelsea den Niederländern in Leipzig nach acht Jahren eine erfolgreiche Rückkehr auf die WM-Bühne und wies Marco van Bastens Elftal den Weg in die K.o.-Runde. In der vom Pfälzer Markus Merk fehlerfrei geleiteten Partie überstand der ohne den Hamburger Rafael van der Vaart spielende Favorit auch eine kurze Schwächephase in der zweiten Halbzeit unbeschadet.
Für ihren Stotterstart beim 1:0 gegen Paraguay in Frankfurt machten die Engländer die hohen Temperaturen verantwortlich. Hauptsache gewonnen, aber wir haben sehr gelitten. Die Hitze hat uns ausgeknockt, gestand Trainer Sven-Göran Eriksson nach dem erfolgreichen, aber wenig überzeugenden Beginn seiner letzten Mission. David Beckham schien nach dem glanzlosen 1:0 gegen Paraguay sein Versprechen, den zweiten Titel nach 1966 auf die Insel zu holen, schon zu bereuen. Wenn wir den Titel holen wollen, müssen wir uns gewaltig steigern, sagte der Kapitän nach seinem 90. Länderspiel.
Zum ersten Turniersieg kam England, ohne dafür ein Tor schießen zu müssen. Paraguays Kapitän Carlos Gamarra (3.) köpfte einen Beckham-Freistoß ins eigene Tor und ersparte den Löwen damit einen Fehlstart wie bei der letzten WM (1:1 gegen Schweden).
In Dortmund feierten die krassen Außenseiter aus Trinidad und Tobago den Punktgewinn gegen Schweden fast wie einen WM-Sieg. Selbst der erste Platzverweis der WM für Abwehrspieler Avery John konnte seine Profis aus zumeist unteren Ligen in England und Schottland nicht schrecken. Stürmer Dwight Yorke geriet ins Schwärmen: Das ist ein historischer Tag. Die Skandinavier schlichen nach dem siebten sieglosen WM-Start mit hängenden Köpfen vom Rasen. Das darf doch nicht wahr sein. 0:0 gegen ein Land, das weniger Einwohner hat als Stockholm, stöhnte der Kommentator der schwedischen Zeitung Expressen und schrieb von einer furchtbaren Enttäuschung.
Mexikos Matchwinner gegen die Iraner war Omar Bravo (28., 76.), der in Nürnberg zwei Mal traf. Den dritten Treffer steuerte der eingebürgerte Brasilianer Zinha (79.) bei. Yahya Golmohammadi (36.) hatte zwischenzeitlich die Hoffnung auf eine Überraschung genährt. Mexiko startete in der Gruppe D überraschend besser als Portugal, das am Abend in Köln gegen seine frühere Kolonie Angola nicht über ein 1:0 hinauskam. Pauleta (4.) hatte den EM-Finalisten von 2004 früh in Führung gebracht, danach stemmten sich die Afrikaner erfolgreich gegen die Angriffe der Portugiesen, die nun seit 15 Spielen ungeschlagen sind.
In der deutschen Gruppe A feierte Ecuador einen unerwarteten 2:0- Erfolg über Polen und liegt auf Platz zwei hinter Deutschland, das auch ohne Michael Ballack das Eröffnungsspiel in München 4:2 gegen Costa Rica gewann. Im zweiten Spiel in Dortmund gegen Polen soll der Kapitän der DFB-Auswahl wieder zur Verfügung stehen, sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann im Berliner Nationalmannschafts-Quartier.
Ein weiterer deutscher Trainer könnte noch auf den WM-Zug aufspringen. Winfried Schäfer ist bei WM-Neuling Togo als Nachfolger des zurückgetretenen Otto Pfister im Gespräch.
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