Berlin - Jürgen Klinsmann hat als Bundestrainer in Sachen Fußball die Staatsgewalt - und Christoph Metzelder ist bei der WM so etwas wie sein Regierungssprecher.
Wie kein anderer im deutschen Kader vertritt der Innenverteidiger die Philosophie des deutschen Fußball-Kanzlers gegenüber der Öffentlichkeit. Wir pflegen einen Stil, den man von einer deutschen Nationalmannschaft nicht kennt: nämlich einen begeisternden Offensivfußball. Das ist ein guter Schritt nach vorne für die Zuschauer und Experten, verkündete der Fußball-Intellektuelle den Hurra-Stil seines Trainers fast besser als dieser selbst.
Es war keine Überraschung, dass ausgerechnet Metzelder den Ober-Patrioten im schwarz-rot-goldenen DFB-Team gab. Demonstrativ forderte er das Dortmunder Publikum auf, den Schulterschluss der Mannschaft beim Abspielen der Nationalhymne nachzuahmen, gemäß der Kampagne: Wir sind Deutschland! Ich hoffe, dass die Zuschauer dem folgen. Das war eine tolle Aktion, um zu zeigen: Wir wollen ein großes Turnier spielen und spielen für Deutschland, erläuterte der Klinsmann-Sprecher die neue Demonstration des Teamgeistes beim Eröffnungsspiel gegen Costa Rica.
Bei Borussia Dortmund war der Abwehrspieler zuletzt nur noch Ersatzspieler, bei Klinsmann kehrt er gegen Polen als Stammkraft und Führungsspieler in sein Heimstadion zurück. Längst ist klar warum: Metzelder ist ein verlängerter Arm des Bundestrainers, sowohl als Sprachrohr in der Öffentlichkeit, als auch auf dem Platz als Chef der Wackel-Abwehr.
Ähnlich wie Klinsmann immer wieder den Teamgeist beschwört, will sich aber auch Metzelder nicht als einzigen Kommando-Geber in der Defensive sehen. Das funktioniert nur, wenn alle vier Abwehrspieler und der Torwart und die defensiven Mittelfeldspieler unentwegt kommunizieren, betonte der 25-Jährige.
Klinsmann baut auf Metzleders WM-Erfahrung, der als einziger Abwehrmann schon vor vier Jahren in Asien dabei gewesen war. Ich habe die Spiele damals selbst nicht so überschwänglich gesehen, erinnerte sich Abiturient Metzelder. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großes Maß an Selbstreflexion habe. Nicht zuletzt deshalb ist er der Prototyp des von Klinsmann geforderten eigenverantwortlichen Fußballers.
Von seinem Boss bekam er auch sehr zeitig das Signal für die WM- Nominierung. Nach dem Italien-Länderspiel habe ihm Klinsmann gesagt, dass er bei der WM im Kader sein werde, verriet der Sprachkünstler, der über seine persönliche Zukunft erst nach der WM entscheiden will. Werder Bremen soll nicht mehr interessiert sein.
Sein Weg zur WM war nach zwei Achillessehnen-Operationen sehr beschwerlich, immer noch sucht er nach der Topf-Form von 2002. Die eigenen Unsicherheiten aus der Partie gegen Costa Rica sollen aber schon gegen Polen abgestellt werden. Da werden wir von Anfang an beschäftigt und finden viel leichter unseren Rhythmus, versprach er.
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