Leipzig - Trotz der Galavorstellung von Arjen Robben steht der viel beschworene neue Teamgeist der Niederländer auf dem Prüfstand.
Robin van Persie versetzte mit Egoismus-Vorwürfen gegen Mitspieler Robben der Euphorie um den Siegtorschützen zum 1:0-Erfolg der Oranjes
Ich habe großen Respekt vor Robben. Aber wir wollen bei diesem Turnier noch sechs Spiele gewinnen. Das kann er nicht allein, schimpfte van Persie und legte nach: Manchmal trifft er eine Entscheidung, die gut für ihn ist, aber nicht für das Team. Aber wir müssen begreifen, dass wir zusammen spielen, sagte der Flügelstürmer vom FC Arsenal.
Erschrocken über die Resonanz in den Medien, relativierte der 22-Jährige am Tag darauf beim Training in Freiburg seine Aussagen. Es war eine Reaktion im Sinne des Teams. Ich wollte ihn nicht angreifen. Wer das nicht kapiert, der ist böswillig, sagte van Persie. Auch Robben wollte von einem Streit nichts wissen: Es gibt keinen Krach. Van Persie wollte mir nichts Böses.
Van Persies Kritik stand im krassen Widerspruch zur allgemeinen Bewunderung für Robbens Leistung. Der 22 Jahre alte Wirbelwind vom englischen Meister FC Chelsea erzielte nach van Persies Vorarbeit nicht nur das goldene Tor (18.), sondern war 90 Minuten Dreh- und Angelpunkt der Elftal. Mit seinen Tempodribblings versetzte er die hoch gelobte Abwehr des Gegners im Alleingang in Angst und Schrecken.
Er hat eine tolle Partie gemacht und ist einer unserer Besten. Ich bin froh, dass er für uns spielt, lobte Bondscoach Marco van Basten. Und HSV-Abwehrspieler Khalid Boulahrouz schwärmte: Robben ist ein Weltklasse-Spieler. Doch auch van Basten erkannte, dass das Spiel seiner Elf zu linkslastig war. Es lief viel über Robben, weil er gut in Form war, aber das ging zu Lasten von van Persie. Er bekam zu wenig Bälle. Diese Unausgewogenheit müssen wir korrigieren, sagte der Bondscoach.
Der 41-Jährige wird es nicht zulassen, dass interne Streitigkeiten und Grüppchenbildungen wie in früheren Zeiten den Erfolg gefährden. Gleichwohl sah die niederländische Presse in der One-Man-Show von Robben den Grund für das gelungene Comeback auf der WM-Bühne nach acht Jahren: In einer Mannschaft, in der Teamdenken zur Pflicht erhoben wurde, krönte der Dribbelkünstler die Zuarbeit von zehn anderen mit dem ersten WM-Sieg, schrieb die Zeitung Volkskrant.
Robben freute sich über die Komplimente, stellt aber selbst den Teamgedanken in den Vordergrund. Natürlich brauche ich meine Freiheiten. Aber ich spiele für das Team. Schließlich wollen wir die WM gewinnen, betonte der 22-Jährige.
Katzenjammer herrschte im Lager von Serbien und Montenegro. Die erste Niederlage nach 14 Spielen löste bei den Defensivkünstlern vom Balkan einen heftigen Disput aus. Wir waren zu defensiv ausgerichtet. Hätten wir die Holländer attackiert, hätten wir sie schlagen können, schimpfte der in der 43. Minute für den überforderten Robben-Gegenspieler Nenad Djordjevic eingewechselte Ognjen Koroman. So habe man gegen Argentinien am Freitag keine Chance. Die Niederlage sei Petkovics Schuld, sagte Koroman der Boulevardzeitung Press und kalkulierte sogar seine Suspendierung ein. Vielleicht schickt er mich nach Hause wegen dieser Äußerung.
Diese Befürchtung räumte Petkovic aus: Ich verbiete niemandem, Kritik zu äußern. Der Trainer verteidigte seine Startformation: Wir haben nicht zu defensiv gespielt. Ich stehe hinter dem taktischen Konzept und meinen Spielern. Petkovic glaubt, das Blatt in den beiden Gruppenspielen gegen Argentinien und die Elfenbeinküste noch wenden zu können. Ich bedauere, dass wir auf diese Weise verloren haben. Wir können mehr und werden versuchen, noch den zweiten Platz zu erobern.
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