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Iranische Opposition könnte WM für Protest nutzen | 2006-05-04


Friedrichshafen/Berlin - Der politische Feind USA war besiegt - bei der Fußballweltmeisterschaft in Frankreich. Mit 2:1 endete am 21. Juni 1998 im Lyoner Stade Galland die Partie des Irans gegen die US-Nationalelf. Doch am Rande gab es auch Verlierer.

Sieben Exil-Iraner wurden festgenommen, weil sie im Stadion Transparente mit Bildern von Oppositionsführern ausgerollt hatten.

Auf ähnliche Demonstrationen ist die Polizei auch bei der bevorstehenden Fußball-WM in Deutschland vorbereitet. Wir müssen davon ausgehen, dass es zu Protestaktionen iranischer Oppositioneller kommen wird, sagte Baden-Württembergs Polizeipräsident Erwin Hetger kürzlich bei der Vorstellung des WM-Sicherheitskonzepts für die iranische Nationalmannschaft in Friedrichshafen am Bodensee. Dort schlägt das iranische Team vom 5. Juni an sein WM-Quartier auf.

Zu möglichen Protesten sagte Hetger. Ich gehe davon aus, dass diese Aktionen gewaltfrei verlaufen. Er wollte aber nicht ausschließen, dass Strömungen innerhalb von Organisationen wie der Volksmudschaheddin eine gewalttätige Aktion ins Auge fassen. Konkrete Hinweise gebe es jedoch nicht. Sollte es spektakuläre Aktionen gegen das Regime in Teheran geben, seien diese eher bei den Spielen der Iraner zu erwarten als am Quartiersort. In der Vorrunde spielt der Iran in Nürnberg, Leipzig und Frankfurt/Main.

Nach Angaben des bayerischen Innenministers Günther Beckstein (CSU) hat der Iran Sorge vor Anschlägen auf seine Fußball-Mannschaft. Darauf wurde Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble von seinem iranischen Amtskollegen ausdrücklich hingewiesen, sagte Beckstein der Tageszeitung Die Welt. Die Volksmudschahedin stünden auf der EU-Terrorliste. Ein nicht von vorneherein auszuschließendes Szenario ist, dass unter Umständen iranische Stellen etwas anstellen, um es den Volksmudschahedin in die Schuhe zu schieben und sie international zu diskreditieren, sagte Beckstein.

Polizeipräsident Hetger erklärte die erhöhte Aufmerksamkeit für die iranischen Fußballer auch mit der politischen Debatte. Die besondere Brisanz ergibt sich aus der politischen Großwetterlage. Außerdem verspürten die iranischen Kicker selbst ein großes Sicherheitsbedürfnis. Der Streit über das iranische Atomprogramm und die provozierenden Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gegen Israel bestimmen seit Monaten die Schlagzeilen.

Das Bundesinnenministerium verweist darauf, dass iranische Oppositionsgruppen in Deutschland bisher nicht militant auftraten. Von den 62 000 Exil-Iranern in der Bundesrepublik rechnen die Verfassungsschutzbehörden etwa 1 150 extremistischen Gruppen zu.

Der iranische Innenminister Mustafa Purmohammadi vertraut aber darauf, dass die Deutschen alles tun, um Gefahren abzuwenden. Auch Aktionen iranischer Oppositioneller sollten unterbunden werden, vereinbarte der Minister im April in Teheran mit Innenstaatssekretär August Hanning. Zuvor hatte bereits Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble seinem iranischen Amtskollegen versprochen, man werde ein besonders waches Auge auf die iranische Delegation haben.

Auch mit Demonstranten aus dem rechten Spektrum könnten es die Sicherheitskräfte zu tun bekommen. Die Schmähungen des iranischen Präsidenten gegen Israel brachten Ahmadinedschad Sympathien der deutschen Rechtsradikalen-Szene. Provokative Solidaritätsaktionen von Rechtsextremisten wären für Hetger keine Überraschung.

Das internationale politische Abseits machte der iranischen Mannschaft auch die Vorbereitung auf die WM nicht ganz leicht. Mehrere Länder sagten Vorbereitungsspiele ab. Weitere Testbegegnungen sollen aber nun stattfinden, am 28. Mai gegen Kroatien und am 31. Mai gegen Bosnien. In der ersten Maihälfte wollen die Iraner in der Schweiz trainieren, der Ort wurde aber nicht bekannt. Bevor die Spieler dann am Bodensee eintreffen, wollen sie noch die heilige iranische Stadt Maschad besuchen, um göttlichen Segen zu erbitten.


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