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Die Macher der WM: Beckenbauer und Schmidt | 2006-05-04


Frankfurt/Main - Als FIFA-Präsident Joseph S. Blatter vor sechs Jahren die WM-Vergabe an Deutschland verkündete, lagen die Fans hier zu Lande dem Kaiser endgültig zu Füßen.

Hinter den Kulissen hatte Franz Beckenbauer die entscheidenden Stimmen gesammelt und avancierte damit zur zentralen Figur bei der Bewerbung um das Jahrhundertereignis. Seit jenem Sommertag im Jahr 2000 bastelt der mittlerweile 60-Jährige als Präsident des Organisationskomitees (OK) an seinem Lebenswerk - der perfekten Ausrichtung der Fußball- Weltmeisterschaft.

Er hat repräsentiert, aber auch seinen Einfluss geltend macht, wenn es um inhaltliche Fragen der Organisation ging. Die FIFA bestimmt - es ist ihre Weltmeisterschaft. Aber wir haben natürlich auch unsere Vorstellungen und Freiheiten. Das sind Rechte, die wir uns auch ein Stück erstritten haben. Die nächsten Ausrichter werden diese Rechte nicht mehr haben, sagt Beckenbauer. Dazu gehört vor allem das Ticketing, das die FIFA bei der WM 2010 in Südafrika wieder in eigene Regie nimmt. Wir wollten eine gewisse Unabhängigkeit haben, auch von der FIFA, berichtet Beckenbauer im Rückblick.

Beckenbauer ist der Frontmann des OK, in dem 230 Mitarbeiter angestellt sind. Zuletzt hat der Kaiser die Welt sogar drei Mal umrundet, um alle 31 Gastländer persönlich willkommen zu heißen. Immer an seiner Seite war dabei Wolfgang Niersbach, der für die Medien zuständige OK-Vizepräsident. Der ehemalige Pressechef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat seine Aufgaben mit Bravour gemeistert und übernimmt nach der WM das Amt des DFB-Generalsekretärs von Horst R. Schmidt.

Der 64 Jahre alte Aschaffenburger ist eine zentrale Figur im OK. Wenn Beckenbauer das Gesicht der WM 2006 ist, dann ist Schmidt das Hirn. Ohne ihn ginge das alles gar nicht, sagt Beckenbauer über seinen ersten Stellvertreter. Der hat nicht nur das Verkaufssystem für die 3,07 Millionen Eintrittskarten ausgeklügelt, sondern gilt auch als exzellenter Fachmann in Fragen Finanzen, Sicherheit und vor allem Stadien. Dabei kommt ihm seine Erfahrung zu Gute, die er jahrelang als Mitglied in den WM-Kommissionen der FIFA sammelte.

Schmidt, dessen Arbeitstage in der Frankfurter OK-Zentrale um acht Uhr beginnen und nicht selten erst um Mitternacht enden, ist ein eher zurückhaltender Mensch. Er arbeitet gern im Hintergrund, wo er die Fäden aber fest in der Hand hält. Er ist stolz darauf, dass das OK den vor drei Jahren erstellten Etatansatz von 430 Millionen Euro ohne öffentliche Mittel eingehalten hat. Und die zwölf Stadien, in denen die 64 WM-Spiele ausgetragen werden, bezeichnet er fast schon euphorisch als die besten, die es weltweit gibt.

Kopfschmerzen bereitet hat Schmidt dagegen das Ticketing, bei dem das von ihm entworfene System an Grenzen gestoßen sei. Die Kritik von FIFA-Präsident Blatter hat er daher nicht so gerne hingenommen. Das hat mich berührt, gibt Schmidt zu. Er hat den eingeschlagenen Weg dennoch konsequent weiter beschritten und glaubt an ein großartiges Turnier. Der Druck liegt ziemlich schwer auf den Schultern. Aber alles ist auf einem guten Weg, sagt Schmidt.


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