Sport News :: Fussball News

SPORT NEWS:

SPORTWETTEN:

POKER

ARCHIV:

LINK EXCHANGE:

Keine WM-Ruhe in Brasilien - Ronaldinho besorgt | 2006-06-12


Rio de Janeiro - Wenn der Fußball-Weltmeister aufspielt, liegt ganz Brasilien lahm. Richter, Politiker, U-Bahn-Fahrer, Bauern und Lehrer lassen alles stehen und liegen, um vor den Fernsehgeräten die Seleçao anzufeuern.

Das Verbrechen ruht allerdings nicht. Allein in Rio de Janeiro wurden an diesem Wochenende wieder viele Menschen ermordet. Zu den Opfern gehörte der 59-jährige Rechtsanwalt Dorneles do Nascimento, der an einer von Autoräubern errichteten Straßensperre nicht halten wollte und erschossen wurde.

Erst vor einer Woche war der bekannte Musiker Rodrigo Netto getötet worden. Uns fehlt nicht nur der sechste WM-Titel, sondern auch der Frieden für die Zukunft unseres geliebten Vaterlandes, schrieb die Zeitung O Globo. Selbst die WM, die das Land in ein grün-gelbes Fußball- und Patriotismus-Fieber stürzt, vermag keine Ruhe zu schaffen.

Das Land des unbeschwerten Samba- und Strandlebens, des friedlichen Zusammenlebens aller Rassen und Klassen - es bleibt auch in diesen Tagen ein Mythos. Da erfriert sogar das weltberühmte Lächeln von Fußballstar Ronaldinho. Ich träume davon, irgendwann einmal nach Brasilien zurückzukehren, sagte der in Barcelona lebende Spieler in einem Interview. Aber die Gewalt dort stimmt mich besorgt und traurig.

Noch deutlichere Worte fand der Journalist Clovis Rossi von der Zeitung Folha de Sao Paulo. In einem Leitartikel verglich er die Lage mit der Situation in Sarajevo während des Krieges in Ex- Jugoslawien und mit dem heutigen Bagdad. 17 Kinder waren in ihrer Schule in Rio bei einer Schießerei zwischen Polizisten und Drogenhändlern verletzt worden. In Brasilien, Rio oder Sao Paulo ist die Barbarei normal. So alltäglich wie der Sonnenaufgang. Nur sagt niemand mehr etwas, niemand klagt oder schreit.

In der Wirtschaftsmetropole Sao Paulo wurden jüngst innerhalb von 48 Stunden rund 200 Menschen bei Anschlägen der Drogenmafia auf Sicherheitsbeamte und bei Vergeltungsaktionen der Polizei getötet. Auch in der Hauptstadt Brasilia gab es filmreife Gewaltszenen. Hunderte landloser Bauern stürmten mit Sensen und Stöcken das Parlament und verwüsteten das Gebäude. Derweil äußert sich Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva zu Brasiliens WM-Chancen und fragt, ob Sturmstar Ronaldo nicht zu dick sei.

Der ballvernarrte Musiker und Poet Chico Buarque sieht in der Armut einen Grund für Brasiliens Stärke auf dem Fußballfeld. Bei uns laufen die Kinder auf der Straße hinter einem Ball her, statt die Schulbank zu drücken, sagt Buarque, der zu den bekannten Intellektuellen des Landes gehört. Nach amtlicher Statistik leben 22 Prozent der 180 Millionen Brasilianer unterhalb der Armutsgrenze. Die Ausbeutung von Kindern als Prostituierte oder billige Arbeitskräfte ist noch immer häufig.

Es ist für uns toll, dass wir den Menschen daheim mit Siegen eine so große Freude bereiten können. Die Lösung für die Probleme sind wir aber nicht, sagte Mittelfeldmann Juninho im Interview mit O Globo. Bildung sei alles, meint der Spieler des französischen Meisters Olympique Lyon.

Ein WM-Titel ist für Brasilien ein Ausgleich, nahezu eine Revanche gegen die reiche Welt, schreibt der Ex-Spieler und bekannte Fußball-Kommentator Tostao. Bei einer WM steht das Leben in Brasilien still. Alle sind stolz, Teil einer Nation zu sein. Selbst die Korrupten, die öffentliche Gelder unterschlagen, bekleiden sich mit der Fahne und weinen aus Liebe zum Vaterland, so der Weltmeister von 1970.


Klinsmann: Job-Entscheidung bis Mitte Juni
Bochumer Grote für U 21-Team nachnominiert
Münster lässt beim 2:3 am Millerntor Federn
Ebert abgereist - U 21 mit 17 Spielern in Schweden
Bayer: Sprink scheidet aus - Faßbender kommt
Kern wechselt zu Jahn Regensburg
Fußball Extra
Lehmann stichelt, Kahn sauer, Rensing glänzt
Keine Brüche bei Mertesacker und Almeida
Schweden hilft Deutschland gegen Menschenhandel

1078 | 1269 | 1297 | 1250 | 1345 | 13562 | 13866 | 13783 | 13072 | 13434 |