Barsinghausen - Die Polen schotten sich ab. Je näher der Start der Fußball-WM rückt, desto größer scheinen die Anstrengungen von Trainer Pawel Janas zu werden, die Öffentlichkeit auszuschließen.
Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit und verriegelte Team-Quartiere gibt es natürlich auch bei anderen Teams, doch der eigenwillige Coach will die Geheimniskrämerei offenbar perfektionieren. Tiefpunkt für die Zuschauer war die Absage des vorbereiteten Testspiels gegen eine Regional-Auswahl in Salzgitter - 24 Stunden vorher.
Verdammt, wir stehen ein paar Stunden vor dem Stadion, und die drehen uns eine Nase empörte sich ein polnischer Fan zum Ausschluss der Öffentlichkeit in der Fachzeitschrift Przeglad Sportowy. Der Mannschaftsbus der Polen sei vor dem Training so dicht zu den Umkleidekabinen gefahren, dass nicht einmal die Kinder eine Chance gehabt hätten, die Spieler um Autogramme zu bitten.
15 Minuten vor Beginn des Trainings dürfen Journalisten zuschauen - wie die polnischen Auswahlspieler sich warm machen, laufen und sich dehnen. Wenn das fußball-spezifische Training beginnt, ist Schluss. Das ist bei vielen Mannschaften ähnlich, doch Janas ist beim Blick-Schutz besonders eifrig. Bereits im Trainingslager im schweizerischen Bad Ragaz unternahm er alles, damit seine Mannschaft unbeobachtet üben konnte. Er ließ den Trainingsplatz kurzerhand mit Planen blickdicht verhüllen.
Auch nach dem Umzug ins WM-Quartier in Barsinghausen galt des Trainers Augenmerk dem Schutz vor neugierigen Blicken. Einen Waldweg wollte der öffentlichkeitsscheue Coach sperren lassen, weil Wanderer im Gebirgszug Deister auf einen der Plätze schauen können. Allerdings ist der Weg öffentlich und gehört nicht zum Gelände des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV), in dessen Sporthotel die polnische Delegation ihr Quartier bezogen hat. Die gewünschte Sperrung war nicht möglich.
Nun trainieren die polnischen Kicker meistens im August-Wenzel-Stadion von Barsinghausen, das während der WM unter der Hoheit des Weltverbandes FIFA steht und leichter abgeschirmt werden kann. Dorthin verlegte Janas gegen den Willen von Verbandschef Michal Listkiewicz auch die Partie gegen die Regionalauswahl von Salzgitter, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen zu können. Technische Gründe, lautete die veröffentlichte Begründung des Verbandes.
Geheimniskrämer Janas nahm dafür in Kauf, dass eine Live-Übertragung im polnischen Fernsehen abgesagt werden musste, dass Sponsoren ihr Geld zurückfordern, dass die Fans verärgert sind und dass der polnische Verband blamiert ist. Wagenburg-Mentalität wird dem Coach hinter vorgehaltener Hand vorgeworfen, doch offiziell mag sich niemand äußern. Wir können uns bei den Zuschauern nur entschuldigen, sagte Listkiewicz.
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