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Spanier streiten über ihren Star Raúl | 2006-06-06


Madrid - Raúl war einst das Wunderkind des spanischen Fußballs. Heute ist der 28 Jahre alte Stürmerstar von Real Madrid zu einem Problemfall geworden. Der Kapitän der Königlichen und der Nationalelf gilt nicht mehr als ein Heiligtum, sondern wird offen in Frage gestellt.

Gehört Raúl bei der WM noch in die Selección? An dieser Frage scheiden sich in Spanien die Geister. Die Fans sind in zwei Lager gespalten. Nach einer Umfrage des Sportblatts Marca sähen 50,1 Prozent den Kapitän lieber auf der Ersatzbank. Dagegen meinen 49,9 Prozent, dass er in die Stammelf gehört.

Raúl González Bravo, wie er mit vollständigem Namen heißt, ist so etwas wie eine lebende Legende des spanischen Fußballs. Schon mit 25 Jahren hatte er so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Mit Real wurde er vier Mal spanischer Meister und drei Mal Champions-League-Sieger. In der Nationalelf ist er mit 43 Treffern in 94 Länderspielen mit Abstand der erfolgreichste Schütze. Seit gut zwei Jahren jedoch steckt er in einer Schaffenskrise. Er wirkt ausgebrannt, obwohl er im besten Fußballeralter ist.

Über sieben Monate schoss er kein einziges Tor - weder für Real noch für die Nationalelf. Spanien stand vor der Frage: Was soll man mit einem Torjäger anfangen, der nicht mehr trifft? Vieles deutete darauf hin, dass ausgerechnet der renommierteste spanische Kicker bei der WM ins zweite Glied zurückversetzt werden würde.

Aber dann brach der Bann. Im Testspiel gegen Ägypten erzielte Raúl beim 2:0-Sieg der Spanier wieder ein Tor - das erste nach 218 Tagen. Plötzlich stiegen seine Chancen auf einen Stammplatz. Nach dem ersten Treffer werden weitere folgen, ist sich der Stürmer sicher. Sein Optimismus kennt keine Grenzen mehr: Wer will, kann auf mich als Torschützenkönig der WM setzen. Warum auch nicht?

Nationaltrainer Luis Aragonés lobt den Kapitän in höchsten Tönen: Seine Spielweise erinnert an die von Ferenc Puskas. Raúl lupft den Ball wie kein Zweiter. Er ist ein Meister des Zuspiels und des Doppelpasses. Raúls Stärken hatten immer in seinem Torinstinkt und seiner Schlitzohrigkeit gelegen. Er war nie besonders schussstark und auch kein Kopfballspezialist. Sein Ex-Trainer Jorge Valdano verglich ihn einmal mit dem Comic-Helden Lucky Luke, der den Colt schneller zieht als sein Schatten. Raúl läuft sich so geschickt frei, dass er sogar seinem Schatten entwischt.

Dennoch sind Zweifel geblieben. Weil der Stürmer nicht mehr ganz so flink ist wie früher, zog Aragonés ihn in die zweite Reihe hinter die Angriffsspitzen zurück. Der Madrilene soll quasi den letzten Pass spielen. Kritiker wenden jedoch ein, dass Spanien mit Xavi oder Andres Iniesta (beide vom FC Barcelona) bessere Zuspieler in seinen Reihen hat. Im Testspiel gegen Ägypten spielte Raúl keinen einzigen Pass, wandte die Zeitung El País ein. Und sein Treffer, mäkelte das Sportblatt As, sei eigentlich nur ein Törchen gewesen, nämlich ein banales Abstaubertor.


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