München - Vier Jahre nach der wohl bittersten Stunde seiner noch jungen Fußball-Geschichte brennt Saudi-Arabien im arabischen Bruderkampf gegen Tunesien auf Wiedergutmachung.
Wir müssen das WM-Trauma der 0:8-Niederlage gegen Deutschland von 2002 vergessen machen, forderte Trainer-Hoffnungsträger Marcos Parquetá aus Brasilien vor der Auftaktpartie seines Teams in München. Das wird ein Schlüsselspiel für uns.
Spanien und die Ukraine sind für den international noch recht unerfahrenen Trainer die Favoriten in der Gruppe H, doch sein Team sieht der 47-Jährige im Gegensatz zur Schmach von Sapporo nicht als chancenlos an. Wir haben hart an der Physis gearbeitet und wollen die Fehler von damals vermeiden. Der erst im Dezember angetretene und im Wüstenstaat nicht unumstrittene Coach hat mit seinen Brasilianern des Orients aber Größeres im Sinn: Ich will nicht nur Teilnehmer sein, sondern ich will ins Achtelfinale.
Drei WM-Anläufe hat Tunesien bisher unternommen, doch mehr als der historische 3:1-Sieg 1978 gegen Mexiko ist nicht herausgesprungen. 28 Jahre nach dem ersten Erfolg einer afrikanischen Mannschaft bei einem Endrundenturnier nehmen die Nordafrikaner unter Trainer Roger Lemerre einen neuen Anlauf. Vor vier Jahren blamierte sich Lemerre mit dem damaligen Titelverteidiger Frankreich, als die Equipe Tricolore bereits in der Vorrunde scheiterte. Nun will der 64-Jährige den Afrika-Meister von 2004 auf der WM-Bühne nach vorne bringen. Es ist ein Traum dieses Landes, einmal die zweite Runde zu erreichen. Das ist auch mein Traum.
In der Vorbereitung waren die Tunesier, bei denen wohl auch die Nürnberger Bundesliga-Profis Adel Chedli und Jahwar Mnari auflaufen werden, alles andere als vom Glück verfolgt. Bereits zwei Spieler mussten verletzt ausgetauscht werden, zudem wird in der Auftaktpartie gegen Saudi-Arabien der an einer Schienbeinverletzung laborierende Sturm-Hoffnungsträger Silva dos Santos fehlen. Doch trotz aller Probleme setzt Lemerre auf seine Auswahl: Wir haben ein junges Team, das mit viel Leidenschaft spielt.
Manche denken, wir seien das schwächste Team in dieser Gruppe. Aber wir werden sehen, sagte Saudi-Arabiens Stürmer-Star Sami Al- Jaber, der aber auf seine vierte WM-Teilnahme zunächst warten muss. Der 33-Jährige nimmt wegen einer Knieverletzung noch auf der Bank Platz. Vielleicht wird er mein Joker, sagte Parquetá.
Schon einmal konnten die Kicker aus dem Königreich, in dem Fußball bis 1951 verboten war, für eine Sensation sorgen: Bei der WM 1994 in den USA wurden die Saudis überraschend Gruppen-Erster, erst nach der Achtelfinal-Niederlage gegen Schweden mussten sie die Heimreise antreten. 1998 und 2002 war schon in der Vorrunde Endstation, doch dies soll beim vierten WM-Auftritt des dreimaligen Asien-Meisters anders werden: Immerhin hat Verbandspräsident Prinz Sultan bin Fahid 160 000 Dollar pro Spieler ausgelobt, sollten sie die Runde der letzten 16 erreichen.
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