Gelsenkirchen - Stunden nach dem ersten Schock konnte Jan Koller schon wieder lachen. Mehr noch als der souveräne WM- Auftaktsieg seiner Mannschaft gegen die USA (3:0) besserte das Ergebnis der medizinischen Untersuchung die Laune des tschechischen Nationalspielers merklich auf.
Mein erster Gedanke war: All die Mühe nach dem Kreuzbandriss, all die Hoffnungen und Überlegungen waren umsonst, bekannte der Torjäger. Schon am Abend wich die Sorge aber der Zuversicht: Die Freude über den Sieg und das Tor wiegen mehr als der Schmerz. Ich glaube, die WM ist für mich noch nicht zu Ende.
Die noch während der zweiten Spielhälfte vorgenommene Kernspin-Untersuchung nahm Koller die Angst vor einem weiteren schweren Rückschlag. Statt des befürchteten Muskelrisses diagnostizierte Teamarzt Petr Krejci eine Zerrung und verordnete drei Tage Pause. Keine 24 Stunden nach dem schmerzhaften Missgeschick in der 43. Minute des Spiels machte Koller dem Mediziner sogar Hoffnung auf eine Wunderheilung: Jan hat mir gesagt, er habe sich exakt dasselbe schon einmal beim BVB zugezogen und trotzdem eine Woche später wieder auf dem Platz gestanden, sagte Krejci.
Nur gut, dass Tomas Rosicky den Tschechen über das immense Verletzungspech im Offensivbereich hinweg half. Mit einer Gala-Vorstellung und zwei sehenswerten Toren führte der künftige Profi des FC Arsenal den Weltranglisten-Zweiten an der Seite des kongenialen Mitstreiters Pavel Nedved zum Erfolg. Sein derzeit angeschlagener Mannschaftskollege Milan Baros geriet ins Schwärmen: Tomas hat bewiesen, dass er einer der besten Mittelfeldspieler der Welt ist und es verdient, demnächst in einer Weltklasse-Mannschaft zu spielen.
Befreit von der Ungewissheit über seine sportliche Zukunft spielte Rosicky groß auf. Anders als in seiner fünfjährigen Zeit bei Borussia Dortmund, den er für 9,5 Millionen Euro Richtung London verlässt, trat er als eiskalter Vollstrecker in Erscheinung. Der deutsche Nationalkeeper Jens Lehmann, künftiger Vereinskollege bei Arsenal, rieb sich vor dem Fernseher im Berliner WM-Quartier vergnügt die Hände: Schön, dass Tomas in so guter Form ist. Aber er soll sich nun erholen, damit er bei uns demnächst ähnlich auftrumpfen kann.
Bei Koller konnte trotz der erfreulichen Diagnose von Entwarnung keine Rede sein. Noch weiß Trainer Karel Brückner nicht, ob sein Torjäger wieder in das Turnier zurückkehrt. Zumindest die Gruppenspiele gegen Ghana und Italien muss er vorerst ohne Koller planen: Er hat so gekämpft, um es bis zur WM noch zu schaffen. Und nun passiert das, obwohl er wieder in Topform war.
Trotz der Freude über den Traumstart in die schwere Gruppe E bereitet die Pechsträhne in der Offensiv-Abteilung Kopfzerbrechen. Kollers Verletzung schmerzt die ganze Nation, titelte die Zeitung Lidove noviny. Alternativen sind rar: Vladimir Smicer reiste erst gar nicht zur WM an, EM-Torschützenkönig Baros (Bänderdehnung in der Ferse) kann noch immer nicht schmerzfrei trainieren. Ich habe es am Montag ein wenig versucht, aber es gab noch Probleme. Dennoch hoffe ich, es bis zum Ghana-Spiel am Samstag zu schaffen, sagte Baros. Zweifel sind angebracht. Rosicky wird die Sache langsam unheimlich: Smicer fällt vor der WM aus, Baros vor dem ersten Spiel, Koller vor der Halbzeit. Ich hoffe, die Verletzungsserie ist bald mal zu Ende.
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