Berlin - Die Bundesregierung hat wenige Tage vor Beginn der Fußball-WM vor Angst und Hysterie wegen möglicher Gefahren von Terrorismus, Hooligan-Gewalt und Rechtsextremismus gewarnt.
Führende Mitglieder des Kabinetts forderten dazu auf, die sportliche Herausforderung der Weltmeisterschaft für Deutschland im Auge zu behalten. Dem WM-Organisationskomitee lagen bisher keine Hinweise auf eine besondere Gefährdung der 48 Vorrunden-Spiele vor. Das Turnier beginnt am 9. Juni mit der Begegnung Deutschland gegen Costa Rica.
Nach jüngsten Umfragen sind die meisten Bundesbürger besorgt, dass es zu Ausschreitungen von Hooligans und zu rechtsextremistischen Aufmärschen kommen könnte. Zugleich ist die Mehrheit der Deutschen aber der Meinung, dass genug unternommen wird, um jede Form von Ausschreitungen während der WM zu verhindern.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, die Terror-Gefahr sei, wie sie immer ist, aber sie ist nicht wirklich größer als beim Weltjugendtag der Katholiken vergangenes Jahr. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) unterstrich, die übergroße Mehrheit der Fans - egal woher - komme nicht, um Krawalle zu machen.
Der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, sprach von einem Sicherheitskonzept, das Antworten auf fast jede denkbare Lage ermögliche. Aber es gibt in keinem Lebensbereich absolute Sicherheit. OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt sprach von einer wirklich guten Nachricht, dass keine der ersten 48 Partien mit einem hohen Risiko eingestuft wurden.
Zur Gefahr, dass Neonazis die Fußball-WM zu einem Propaganda- Schauplatz machen könnten, sagte Schäuble der Süddeutschen Zeitung: Die Neonazis sind eine kleine Minderheit, eine erbärmliche noch dazu. Die werden nicht die Chance haben, das Gesicht dieser Weltmeisterschaft zu prägen. Steinmeier betonte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: Ein echter Fußball-Fan kann kein Rassist sein. Zwanziger sagte dem Deutschlandfunk, die Deutschen müssten sich bekennen, wenn Minderheiten glaubten, diese Plattform WM nutzen zu können, um dümmliche Botschaften in die Welt zu tragen.
Zu möglichen Terroranschlägen während der WM sagte Schäuble, er glaube nicht, dass irgendjemand versuchen wird, wie 1972 (bei den Olympischen Spielen in München) eine Mannschaft anzugreifen und zu entführen. Allerdings umfasse die WM nicht nur eine Stadt, sondern das ganze Land mit vielen Großleinwänden, vor denen sich Hunderttausende versammeln werden. Schäuble sagte: Wenn Anschläge passieren, dann werden sich die nicht gegen Mannschaften oder Spieler richten, sondern vermutlich gegen solche Menschenmassen.
Schäuble wandte sich gegen sicherheitskritische Stimmen, die von WM-Spielen im Hochsicherheitstrakt sprechen: Ich habe nicht den Eindruck, dass wir bei dieser WM einen Overkill in Sachen Sicherheit haben. Dagegen kritisierte der FDP-Politiker Burkhard Hirsch die Sicherheitsmaßnahmen für die WM als übertrieben. Der tageszeitung sagte der ehemalige Innenminister von Nordrhein-Westfalen: Man hat den Eindruck, dass die WM genutzt wird, um unter Beschwörung der Sicherheit nun alles Mögliche zu etablieren, was die Gesellschaft unter normalen Umständen nie akzeptieren würde. Hirsch verwies unter anderem auf umfangreiche Grenz- und Personenkontrollen, Videoüberwachungen und Speicherung von DNA-Daten.
Nach repräsentativen Umfragen des Instituts OmniQuest unter 1000 Deutschen im Alter ab 14 Jahren befürchten über 70 Prozent, dass rechtsextremistische Gruppierungen die WM für Aktionen nutzen könnten. Fast 80 Prozent befürchten Hooligan-Krawalle. 57 Prozent sind der Meinung, dass ausländische Fußball-Fans gefährdet sind.
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