Stuttgart - Der selbst ernannte Mitfavorit Frankreich ist zum WM-Auftakt mit einem blauen Auge davon gekommen. Beim enttäuschenden 0:0 gegen die Schweiz vermied die Equipe Tricolore nur mit Mühe einen Fehlstart wie beim peinlichen und torlosen Vorrunden-Aus 2002.
Allerdings müssen die Franzosen weiterhin auf den ersten Treffer bei einer WM seit dem gewonnenen Finale 1998 gegen Brasilien warten. Mit der Schweiz wird es langsam zur Gewohnheit, meinte Frankreichs Trainer Raymond Domenech und spielte auf die beiden Remis in der Qualifikation zwischen den beiden Teams an. Es war die Art von Spiel, wie wir es erwartet haben. Ich habe schon viel schlechtere Spiele zwischen uns und der Schweiz gesehen.
Auch sein Kollege Köbi Kuhn gab sich zufrieden. Das Unentschieden geht in Ordnung, denn auch die Franzosen hatten ihre Chance, sagte er. Es nützt nichts zu sagen, ob wie einen Punkt gewonnen oder zwei Punkte verloren haben.
Trotz ihrer mäßigen Vorstellung im Topspiel der Gruppe G in Stuttgart konnten beide Mannschaften mit dem Remis leben, da die anderen beiden Gruppengegner Südkorea und Togo als klare Außenseiter gelten. Ich hätte lieber drei Punkte geholt. Aber wir haben in den nächsten beiden Spielen noch die Chance auf das Weiterkommen, glaubt Domenech.
Frankreich muss am 18. Juni in Leipzig gegen die Asiaten spielen, die Schweiz kann tags darauf in Dortmund gegen Togo einen entscheidenden Schritt Richtung nächster Runde machen. Gegen Togo müssen wir auf Sieg spielen, kündigte Kuhn an. Südkorea und Toga hatten sich mit 2:1 getrennt.
Frankreichs Trainer Domenech sorgte zum WM-Auftakt für eine Überraschung und brachte den 23-jährigen Franck Ribery erstmals von Beginn an. Er gab damit dem Druck der Öffentlichkeit nach, die das Talent von Olympique Marseille nach dessen starken Leistungen in der Vorbereitung gefordert hatten. Ribery bemühte sich neben Zinedine Zidane, im Mittelfeld das Spiel zu lenken, und stellte dabei sein großes Idol in den Schatten. Während der 33 Jahre alte Kapitän nur selten mit Pässen glänzte, trieb der Jungstar ungeachtet der Temperatur von 31 Grad seine älteren Mannschafts-Kollegen ständig an.
Beinahe die gesamte erste Halbzeit kontrollierten die Franzosen vor 52 000 Zuschauern im ausverkauften Stuttgarter WM-Stadion die Partie, ohne allerdings gegen die defensivstarken Schweizer zu klaren Tormöglichkeiten zu kommen. Thierry Henry von Arsenal London als alleinige Sturmspitze rieb sich gegen Patrick Müller und seinen Clubkollegen Philippe Senderos auf. Uns hat es an Durchsetzungsvermögen gefehlt, kritisierte Domenech.
Außer von Ribery und Zidane erhielt Henry nur wenig Unterstützung. Einziger Aufreger aus Sicht der Franzosen war vor der Pause ein unabsichtliches Handspiel von Müller im Schweizer Strafraum nach einem Schuss von Henry (38.) auf Zuspiel von Ribery.
Die beste Chance in Hälfte eins hatten die Eidgenossen, die mit sechs Bundesliga-Legionären antraten. Nach einem Freistoß des Leverkuseners Tranquillo Barnetta (24.) verpassten Senderos und Alexander Frei den Ball, der schließlich am Pfosten landete.
Auch nach dem Wechsel ließen die Schweizer die Franzosen zunächst kommen. Doch nach 20 Minuten in der zweiten Halbzeit wurden die Eidgenossen mutiger und hatten die größte Chance des Spiels: Der für Marco Streller eingewechselte Daniel Gygax scheiterte mit einem Kopfball aus kurzer Entfernung an Torwart Fabien Barthez.
Beide Trainer beschwerten sich nach der Partie über den Rasen. Die Bedingungen waren schlecht. Der Rasen hat unsere Spieler gestoppt, kritisierte Domenech. Sein Schweizer Kollege Kuhn sagte: Der Rasen war bei der großen Hitze sehr stumpf. Da passieren Dinge, die großen Spielern eigentlich nicht passieren.
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