Berlin - Vor der Weltmeisterschaft hatte ich den Eindruck, Brasilien und England verfügten über die besten Mittelfeldblöcke. Nun haben wir alle 32 Mannschaften gesehen und unsere Mannschaft bereits zwei Mal.
Danach ist deutlich: Das deutsche Mittelfeld spielt auf vergleichbar hohem Niveau. Denn Schneider ist wieder spritzig, Schweinsteiger glänzt mit Dribblings, Frings arbeitet unheimlich energisch und kreativ dazu, und Ballack ist immer torgefährlich.
Lange meinte die ganze Republik, wir hätten nur mit einem Ballack in Topform eine Chance. Nun präsentiert sich die Mannschaft weit weniger Ballack-abhängig als im Confed-Cup vor einem Jahr. Dadurch ist sie viel unberechenbarer. Und die anfangs kränkelnde Abwehr ließ gegen Polen kaum eine Chance zu. Die drei gescholtenen Spieler haben Klinsmanns Vertrauen, dieselbe Abwehr erneut spielen zu lassen, mit einer sauberen Leistung zurückgezahlt. Sie werden in die kommenden Spiele mit mehr Selbstvertrauen gehen können.
Die Stabilität der Abwehr ist natürlich eine Folge der energischen Arbeit im Mittelfeld. Dabei treibt Fußball-Deutschland seine Mannschaft so frenetisch an, wie man es noch nicht gekannt hat: kein Pfiff, nur Unterstützung. Und die Spieler nehmen es dankbar an. Wenn das Team weiter von dieser außergewöhnlichen Euphorie im Land getragen wird, kann sie Sensationelles schaffen. Das Spiel gegen Polen war das Beste, was ich seit langer, langer Zeit gesehen habe. Es fiel zwar nur ein spätes Tor, doch beim Umsetzen von Chancen zu Toren spielt immer Glück eine Rolle. Aber so viele Chancen wie gegen die nicht schlechten Polen muss man sich erst einmal erarbeiten. Das ist schon Qualität.
Das Fazit nach zwei Spielen lautete: Von Tempo und Taktik, von Einsatz und Wille spielt Deutschland auf allerhöchstem Weltniveau. Wir müssen wirklich vor niemandem mehr Angst haben, weil die Mannschaft ihre Klasse bei höchstem Tempo auch 93 Minuten lang gehalten hat. Nun braucht die Nationalelf als Krönung nur noch einen Sieg im dritten Gruppenspiel gegen Ecuador um so im Achtelfinale den Engländern aus dem Weg gehen zu können?
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