Dortmund - Fußball-Fest mit Schönheitsfehlern: Die Ausschreitungen von Hooligans am Rande des Spiels Deutschland gegen Polen haben für erste unrühmliche Bilder von der Weltmeisterschaft in Deutschland gesorgt.
Zwar war die Zahl der Chaoten in der Schar von 100 000 Fans eine verschwindend geringe Minderheit, und die Situation geriet dank eines Großaufgebots der Polizei auch nicht außer Kontrolle. Doch vom Aggressions-Potenzial der Hooligans war selbst der Dortmunder Polizeipräsident Hans Schulze überrascht: Es war eine aufgeladene Situation in der Stadt.
Die rauschenden Feiern vor und während des Spiels blieben davon weitgehend unbehelligt, denn der Spuk auf einem Platz in der Dortmunder Innenstadt und einigen Nebenstraßen war schnell vorbei und wurde wenige hundert Meter weiter kaum noch registriert. Als die Polizei rund 100 deutsche Hooligans ausfindig machte und sie umringte, brachen einige aus. Dann warfen umherstehende betrunkene Fans aus dem deutschen Lager Glasflaschen, Stühle und Knallkörper auf die Einsatzkräfte. Die Polizei sprach von einem Solidarisierungseffekt, den es vorher so noch nicht gab.
Während fast in ganz Dortmund entspannte Heiterkeit herrschte - Deutsche und Polen plauderten, flirteten, tranken Bier und machten gemeinsame Erinnerungsfotos -, lieferten sich mehrere Hooligan- Gruppen ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Beamten. Am Ende waren es 431 so genannte Fans, die festgesetzt wurden, davon 278 Deutsche. Insgesamt erlitten 32 Störer leichte Blessuren. Ein Polizist wurde von einem Hooligan leicht verletzt, konnte seinen Dienst aber fortsetzen.
In Dortmund wurden insgesamt 96 Krawallmacher wegen verschiedener Straftaten wie Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung oder Verstößen gegen das Ausländergesetz festgenommen. Die meisten von ihnen stammen den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge aus Dortmund und Umgebung. Viele seien der Polizei schon länger bekannt, deshalb sei gegen sie auch kein Schnellverfahren nötig gewesen.
Lob für das Vorgehen der Polizei kam von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und seinem NRW-Amtskollegen Ingo Wolf (FDP) sowie von der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die den Beamten einhellig ein umsichtiges Handeln bescheinigten.
Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) würdigte vor allem den Einsatz polnischer Verbindungsbeamten. Dank ihrer Hilfe sei es gelungen, einzelne Hooligans gezielt aus großen Gruppen von Fans herauszupicken. Das Ausmaß der Ausschreitungen in Dortmund war auch nach Einschätzung eines ZIS-Sprechers begrenzt. Das war keine übermäßige Sache.
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