Berlin - Ecuador lässt Thermokleidung aus der Heimat einfliegen, Togo trainiert bei Schnee und Graupel, Paraguays Spieler klagen - nur die Brasilianer bleiben cool: Das herbstlich nass-kalte Wetter in Deutschland hat bei einigen WM-Teilnehmern sogar Erkältungswellen ausgelöst.
Mit dem Beginn des meteorologischen Sommers am 1. Juni hat der ungewöhnliche Kälteeinbruch vor allem dem Aufgebot von Ecuador eine Serie von Infekten beschert. Betroffen sind im Quartier in Bad Kissingen nicht nur Trainer Luis Suárez, fast alle Spieler schnupfen oder hüsteln. Es ist kälter, als ich erwartet habe, aber das Wetter erinnert mich an Quito, sagte Stammtorhüter Edwin Villafuerte.
Vor Kälte bibbern auch die Kicker Paraguays. Die Mannschaft hat mich schon gefragt, ob das hier immer so ist, berichtete Roque Santa Cruz vom Rekordmeister Bayern München in der Unterkunft Oberhaching. Schon im österreichischen Flachau waren die Südamerikaner von Dauerregen und Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt beeinträchtigt worden.
Am härtesten trafen die Wetterunbilden das Team Togos, das kurz nach ihrem Eintreffen in Wangen im Allgäu gleich von einem Wintereinbruch überrascht wurde. Wegen heftiger Schnee- und Graupelschauer musste die Mannschaft auf Kunstrasen trainieren, da der Rasenplatz sonst ruiniert worden wäre. Wir haben erwartet, dass es hier zu dieser Jahreszeit warm sein wird. Aber seit wir hier sind, gab es nur kalte Tage. Ich hasse diese Kälte, ich spiele lieber bei tropischem Klima, räumte auch Angolas Abwehrspieler Luis Delgado Anpassungs-Probleme in Celle ein.
Unerschüttert vom misslichen Wetter zeigten sich hingegen die Ballzauberer aus Brasilien bei ihrer Ankunft in Frankfurt am Main. Weltmeister Ronaldo stieg in knielangen Trainingshosen aus dem Flieger, während die wartenden Medienvertreter im kalten Wind auf dem Rollfeld bibberten. Bereits das Trainingslagers in Weggis am Vierwaldstättersee hatten Temperaturen von deutlich unter 10 Grad und Regen die WM-Vorbereitungen des Top-Favoriten begleitet. Auf den umliegenden Bergen konnten die Brasilianer beobachten, wie die Schneegrenze immer tiefer sank. Die Bedingungen waren ausgezeichnet. Nur das Wetter konnten wir nicht kontrollieren, sagte Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira.
Während viele in Deutschland solch einen verregneten WM-Auftakt wie 1974 zwischen Brasilien und Jugoslawien im Frankfurter Waldstadion fürchten, gibt der Wetterdienst vorsichtig Entwarnung. Es wird freundlich, die Temperaturen liegen bei 21, 22 Grad, eine gewisse Schauerneigung ist aber nicht auszuschließen, sagte Meteorologe Thomas Ruppert und wagte einen ersten, noch unsicheren Ausblick auf das Wetter vom 9. Juni.
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