Berlin - Vorsicht ist vor allem nachts geboten - Diese Empfehlung gehört zu den Ratschlägen für dunkelhäutige Gäste der Fußball-Weltmeisterschaft, die in fünf Sprachen auf der Internetseite www.prevent-racist-attack.org stehen.
Kurz vor Beginn des Mega-Events unter dem Motto Zu Gast bei Freunden mit Millionen Besuchern aus der ganzen Welt warnen hier zwei Vereine - die Internationale Liga für Menschenrechte und der Afrika-Rat - vor rassistischen Überfällen. Wir raten daher zu besonderer Vorsicht beim Aufenthalt in Ostdeutschland und in Teilen Ostberlins, heißt es in den zweiseitigen Vorsichtsmaßnahmen, die aber gleichzeitig die afrikanischen Brüder und Schwestern zur WM willkommen heißt.
Die Debatte um rassistische Übergriffe hatte Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye vor wenigen Wochen ausgelöst, als er dunkelhäutige WM-Touristen vor rechtsextremen Schlägern in Ostdeutschland warnte und dafür anfangs auch herbe Kritik einsteckte. Auch durch den Überfall auf den türkischstämmigen Linkspartei-Politiker Giyasettin Sayan in Berlin-Lichtenberg wurde die Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit und Extremismus in Deutschland angeheizt. Heye hat sehr mutig Gesicht gezeigt - Verschweigen ist Schande, sagte Yonas Endrias von der Menschenrechts-Liga.
Nach wie vor sei in Ostdeutschland und im Ostteil Berlins die Gefahr für andersfarbige Menschen größer, Opfer von Gewalt zu werden als im Westen, sagte Judy Gummich vom Afrika-Rat, der 25 afrikanische Vereine in Berlin und Brandenburg vertritt. Das ist Realität. Die beiden Vereine wollten aber keine konkreten No-Go-Areas, die Ausländer meiden sollten, nennen. Auf die Website wurden aber Angaben des Verfassungsschutzes zum Beispiel zu Tatorten rechter Gewalt in Berlin gestellt.
Armut oder Arbeitslosigkeit als Ursache für Gewaltbereitschaft im Osten wollte Endrias allein nicht gelten lassen. Rassismus ist ein gesellschaftliches Problem, sagte der Politologe, der aus Eritrea stammt und seit mehr als 25 Jahren in Deutschland lebt. Er hoffe trotzdem auf Spiele der Völkerverständigung und viel Spaß. Kritisiert wurden aber der Welt-Fußballverband FIFA, der Deutsche Fußball-Bund und die Bundesregierung, die trotz millionenschwerer WM- Kampagnen keine Hilfsangebote für potenzielle Opfer rassistischer Gewalt vorbereitet hätten. Dagegen wollen mehrere nichtstaatliche Beratungsstellen ab Donnerstag eine Notruf-Hotline für Opfer rassistischer Gewalt schalten.
Beklagt wurden vor allem alltäglicher Rassismus und zunehmende Verharmlosung. Es ist fast normal, als Nigger beschimpft zu werden, sagte Gummich, die sich als schwarze Deutsche mit afrikanischem Background bezeichnet. Die in der Hauptstadt offiziell registrierten 18 rassistischen Überfälle im Vorjahr seien nur die Spitze des Eisbergs. Ob die faktischen No-Go-Areas nicht den Neonazis und ihrem Ziel so genannter national befreiter Zonen in die Hände spielten?
Was sollen wir machen, sich in Gefahr begeben und den Kopf hinhalten?, fragte Yonas Endrias ziemlich ratlos. In Gruppen auftreten, etwas Unerwartetes in gefährlichen Situationen tun, bei Menschenansammlungen direkt um Hilfe bitten, wird empfohlen.
Dagegen wies ein Teil des Vorstandes vom Afrika-Rat wies die Gefahrenwarnung für Menschen dunkler Hautfarbe bei der WM zurück. Gummich und Endrias seien nicht autorisiert gewesen und hätten Einzelmeinungen vertreten, teilte Vorstandsmitglied Moctar Kamara mit. Die Warnungwiderspreche den konstruktiven Gesprächen mit Polizei und Politikern und sei nicht die Position des Afrika-Rates. Gummich solle ausgeschlossen werden, forderte Kamara.
Gummich bekräftigte dagegen ihre Position. Ich stehe inhaltlich zu dem, was gesagt wurde, sagte die Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit im Afrika-Rat der dpa. Sie sei sehr wohl autorisiert gewesen. Die Website solle im Netz bleiben.
FC Bayern bestreitet Blitz-Turnier in SalzburgDFL stellt Weichen: Neuwahl und SatzungsänderungenSpannung vor Hoyzer-Urteil - Nervosität beim DFBHSV zittert nach 2:4 bei Hertha um Platz zweiBär Berni soll Bayern Glück bringenVfB zieht Angebot an Keeper Hildebrand zurückVoraussichtliche Aufstellungen England - DeutschlandREGELRECHT: Das AbseitsWerder, Club und Hertha patzen in ersten TestsExtra Fußball1865 |
1437 |
1675 |
1174 |
1438 |
13604 |
13537 |
13244 |
13050 |
13915 |