Hamburg/Gelsenkirchen - Rudi Assauer ist in die Offensive gegangen, hat mit ehemaligen Kollegen aus der Führungsetage des FC Schalke 04 abgerechnet und ein Comeback beim Revierclub ausgeschlossen.
Das war es. Ich kann auch gut ohne Fußball leben, auch ohne Schalke, sagte der 62 Jahre alte Ex-Manager als Gast in der ARD-Talksendung Beckmann. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Simone Thomalla (41), nahm Assauer ruhig und sachlich Stellung zu den Entwicklungen, die in seinen Rückzug nach 13 Jahren als Schalker Galionsfigur gipfelten.
Auf Druck des von Clemens Tönnies geführten Aufsichtsrats sei er einer Entlassung zuvorgekommen. Die Krönung war, dass sie einen Rechtsanwalt um 1.00 Uhr nachts zu mir nach Hause schickten, klagte Assauer. Tags darauf trat er zurück. Ich wollte mich nicht noch einmal rechtfertigen. Da hab ich gesagt: Macht euren Scheiß alleine. Assauer beklagte ein Intrigenspiel. Es hat sich eine Stimmung ergeben, die sehr gefährlich war. Dabei sei es nicht um Sachfragen gegangen, sondern um Machtkämpfe. Es sind einige da, die Begehrlichkeiten haben und einen bezahlten Job bei Schalke wollen.
Besonders hart ging Assauer mit Ex-Profi Olaf Thon ins Gericht, der seit rund einem Jahr dem Aufsichtsrat angehört und sich ebenfalls gegen ihn ausgesprochen hatte. Er habe Thon jahrelang gefördert, so Assauer: Und dann kommt Olaf und haut dir den Knüppel ins Kreuz. Thon zeigte sich im Gespräch mit der dpa überrascht von dem persönlichen Angriff seines Mentors. Es gab von mir nie ein böses Wort über Rudi Assauer, und das wird es auch nicht geben. Wir sind in den Gremien immer professionell miteinander umgegangen, betonte der 40-Jährige, wenngleich er Assauers Enttäuschung verstehen könne. Dennoch steht Thon zum Votum des Aufsichtsrats: Die Fans haben mich gewählt, um Schaden vom Verein abzuwenden. Es gab Differenzen, die dazu geführt haben, dass wir so entschieden haben. Es war unumgänglich.
Im Gespräch mit Moderator Reinhold Beckmann nahm auch Simone Thomalla kein Blatt vor den Mund. Sie sei angesichts der Art und Weise, wie Assauer behandelt worden sei, fassungslos. Ich finde das so feige. Niemand hat ihm direkt in die Augen geschaut, sagte sie. Er habe es nach so vielen Jahren nicht verdient, auf so miese Art aus dem Amt gedrängt zu werden. Zudem sei der Zeitpunkt nach dem letzten Saisonspiel raffiniert ausgewählt worden, um drohende Fan- Proteste zu verhindern. Energisch bestritt sie, dass Assauer ein ihm immer wieder unterstelltes Alkoholprobleme habe. Das entspricht nicht den Tatsachen. Dann hätte er den Job nicht so lange machen können. Er hat sensationelle Leberwerte.
Auf der Jahreshauptversammlung am 29. Juni will Assauer Klartext reden. Natürlich gehe ich dahin. Aber ich werde kein Öl ins Feuer gießen und keinen durch den Kakao ziehen. Ich möchte nicht, dass alles, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, kaputt gemacht wird und der Verein vor die Hunde geht.
Assauers Vertrag als Manager lief bis 2008. Von diesem Sommer an sollte er das Präsidentenamt des scheidenden Gerhard Rehberg übernehmen, dessen Amtszeit auf Wunsch des Aufsichtsrats bis 2007 verlängert wurde. Teammanager Andreas Müller soll das alleinige Sagen im sportlichen Bereich haben. Assauer aber wollte offenbar noch bis 2008 im Tagesgeschäft mitmischen. So kam es immer wieder zu Irritationen.
Assauer bestätigte, dass er bis 2008 plante. Nun werde er schon früher etwas ganz anderes machen. Ich führe schon Gespräche. Vielleicht hat es ein bisschen mit Fußball zu tun. Simone Thomalla kann sich nicht vorstellen, dass ihr Partner ohne sein Lebenswerk auskommt. Ich glaube nicht, dass er ohne Schalke leben kann, sagte die Schauspielerin. Aber auch sie hält ein Comeback für unrealistisch: Dann müssten viele Köpfe rollen.
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