Cottbus - Die Fans ließen ihre Lieblinge in Sekt baden, Steffen Baumgart tanzte Striptease mit einer Sieger-Zigarre und Trainer Petrik Sander konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten: Energie Cottbus hat die Lausitz und den gesamten Fußball-Osten in einen Freudentaumel versetzt.
Die Mannschaft besiegte in den entscheidenden Minuten die Aufstiegsangst und ihr Nervenflattern und schaffte zum zweiten Mal nach 2000 den Sprung in die Bundesliga.
Die Lausitzer - in die Saison gestartet als Außenseiter mit dem bescheidenden Etat von nur 9,5 Millionen Euro - bezwangen am Sonntag 1860 München vor der Rekordkulisse von 22 450 Zuschauern mit 3:1 (1:1) und ließen sich schon während des Spiels von ihren Fans euphorisch feiern. Nach dem erlösenden Abpfiff brachen alle Dämmen und von allen Seiten stürmten die Anhänger die Arena. Das war so wichtig für die Stadt und die gesamte Region - jetzt wird die ganze Nacht gefeiert, meinte Kapitän Gregg Berhalter.
Held des Tages war aber der eigentliche Abwehrchef Kevin McKenna, der zwölf Minuten vor dem Abpfiff seine starke Leistung mit dem entscheidenden Treffer krönte. Wir haben diesen Aufstieg verdient, vor allem dank der starken Auswärtsleistungen, meinte der Kanadier. In der Kabine floss dann der Alkohol in Strömen, nur noch in Unterhose bekleidet tanzten Steffen Baumgart und Vragel da Silva auf dem Tisch.
Von Anbeginn stürzten sich die Cottbuser nach drei sieglosen Spielen und zwei verpatzten Matchbällen voller Schwung in das Aufstiegs-Endspiel. Schon in der 3. Minute traf der für den gesperrten Francis Kioyo in den Angriff beorderte McKenna nur den Pfosten. Sieben Minuten später zwang da Silva den erstmals in dieser Saison im 60er Tor stehenden Michael Hofmann zu einer großen Parade. Als die Cottbuser Führung nur noch eine Frage der Zeit schien, bissen die Löwen zurück: Zunächst vergab Daniel Baier (14.), doch wenig später erzielte Paul Agostino seinen neunten Saison-Treffer und sorgte für Entsetzen in der Cottbuser Arena.
Obwohl sie die Zwischenstände von den anderen Plätzen nicht kannten, drängten die Cottbuser mit Vehemenz nach vorn. Ein Freistoß- Kracher von Daniel Gunkel wurde abermals eine Beute von Hofmann (33.), doch beim Elfmeter von Berhalter war der Schlussmann dann doch machtlos (41.). Zuvor hatte Slobodan Komljenovic das Leder im Strafraum mit der Hand gespielt.
Auch in Halbzeit zwei setzten die Lausitzer ihren Sturmlauf fort: Ein herrliches Kopfball-Tor des Brasilianers da Silva nach Ecke von Sidney (54.) stellte schließlich die Weichen zum Aufstieg. Das zehnte Saisontor von McKenna (78.) versetzte die Fans dann endgültig in einen Freudenrausch. Das ist keine gute Mannschaft, keine sehr gute Mannschaft, das ist eine ganz besondere Mannschaft, meinte Sander, dem sein Sohn schon vor Saisonbeginn den Aufstieg vorausgesagt hatte. Da habe ich an seinem Verstand gezweifelt, gab der Coach zu und sagte: Ich bin so stolz auf dieses Team.
Selbst die Gelb-Rote Karte für da Silva (83.) nach wiederholtem Foulspiel konnte die Euphorie nicht mehr dämpfen. Jetzt werde ich mit meinem Manager beraten, vielleicht bleibe ich doch in Cottbus, kündigte der Brasilianer an.
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