Hamburg - Der designierte Champion FC Bayern München stellt sich auf vorzeitige Meister-Feierlichkeiten ein, die Absteiger 1. FC Köln und MSV Duisburg planen schon die direkte Rückkehr ins Oberhaus.
Jetzt kann uns die Meisterschaft nicht mehr genommen werden, jubelte Bayern-Manager Uli Hoeneß angesichts des Fünf-Punkte-Polsters zwei Spieltage vor Saisonende vor dem Hamburger SV. Gelingt nach dem 3:1 gegen Stuttgart auch ein Sieg in Kaiserslautern, wären das 20. nationale Championat und das sechste Double der Vereins-Geschichte perfekt - eines von historischer Dimension: Denn der FC Bayern wäre der erste DFB-Club, der die Titel in Meisterschaft und Pokal verteidigt. Dagegen ist für die letztjährigen Aufsteiger Köln und Duisburg der bittere Gang in die Zweitklassigkeit unabwendbar.
Beide Clubs begannen bereits am Tag danach mit den Planungen für den direkten Wiederaufstieg. Das ist klar, es kann nur dieses eine Ziel geben. Es wird einen Schnitt geben, sagte Kölns Manager Michael Meier. Der 30-Mann-Kader werde auf 20 bis 22 Spieler reduziert. Die Zusammenarbeit mit dem am 3. Januar verpflichteten Schweizer Coach Hanspeter Latour (Vertrag bis 2007) werde fortgesetzt, betonte Meier. Es ist etwas da, man muss nicht bei Null beginnen, machte Latour dem FC Mut. Jedoch ist nach dem vierten Abstieg des Traditions-Clubs der Verlust von Nationalspieler Lukas Podolski wahrscheinlich. Der Junge muss das erst mal verdauen, betonte Berater Kon Schramm, für dessen umworbenen Schützling der FC Bayern als erste Adresse gilt.
Bei Mitabsteiger Duisburg geht der Schnitt noch tiefer. Clubchef Walter Hellmich, ein Bauunternehmer, arbeitet an einer Großbaustelle: Er muss binnen kurzem einen Cheftrainer, Sportdirektor, neue Spieler und Sponsoren finden. Das ist ein herber Rückschlag für uns, aber er kann uns nicht umwerfen. Dieser Verein gehört in die Bundesliga, so Hellmich. Priorität hat die Trainersuche: Dass der beim Zweitligisten Saarbrücken entlassene Rudi Bommer kommen soll, kommentierte Hellmich so: Das kann ich nicht bestätigen, aber Bommer ist ein guter Mann. Fest steht, dass der neue Mann beim MSV wie in dessen Abstiegs-Jahren 1982, 1992, 1995 und 2000 einen radikalen Umbau durchführen muss.
Diese Sorgen kennt der FC Bayern nicht: Er will eine Woche nach dem DFB-Pokalsieg (1:0 gegen Eintracht Frankfurt) den zweiten Titel sichern. Wir haben fünf Punkte und neun Tore Vorsprung auf den HSV. Das heißt, wir brauchen im Prinzip noch einen Punkt. Wenn wir den nicht holen, sind wir es selber Schuld, befand Hoeneß. Auch Trainer Felix Magath glaubt: Das kann eigentlich nicht mehr schief gehen. Wir machen das Double. Dass die Titelhamster aus München sicher ihrer Sache sicher sind, zeigt auch dies: Für den Fall des vorzeitigen Triumphes hat der Hauptsponsor Mannschaft, Vorstand und Betreuer zu einer großen Sause auf einem Rhein-Dampfer eingeladen.
Derweil ist ein harter Kampf um Rang zwei für die Champions- League-Direkt-Qualifikation und gegen den dritten Abstiegsrang 16 ausgebrochen. Der Tabellenzweite HSV (68 Punkte) hat die besseren Karten gegenüber Verfolger Werder Bremen (64), der auf einen Patzer des HSV bei Hertha BSC hoffen und selbst daheim gegen Köln siegen muss, um dann am letzten Spieltag in Hamburg das Team von Trainer Thomas Doll noch abfangen zu können. Wir glauben, dass der HSV noch Schwäche zeigt, meinte Werder-Coach Thomas Schaaf. Hinter Bremen kann der Fünftplatzierte Bayer Leverkusen mit einem Heimsieg über den 1. FC Nürnberg dem FC Schalke 04 in den UEFA-Cup folgen.
In der Gefahrenzone sind noch fünf Clubs in den Kampf gegen den drittletzten Platz verstrickt: Hannover 96 (36), Eintracht Frankfurt (35), Mainz 05 (34), der VfL Wolfsburg (33) und der 1. FC Kaiserslautern (31). Der FCK hat angesichts des magersten Punktekontos und des Gastspiels der Bayern die schlechteste Ausgangsposition, hofft aber auf ein Finale zum Saisonabschluss am 13. Mai in Wolfsburg. Ich glaube mittlerweile auch, dass wir in Wolfsburg unser persönliches Endspiel kriegen. Es gibt ein Herzschmerzfinale, sagte FCK-Coach Wolfgang Wolf nach dem 2:2 bei der fast geretteten Eintracht aus Frankfurt. Profi Ingo Hertzsch jedenfalls hofft auf ein Happy End: Dieser Punkt kann vielleicht noch Gold wert sein.
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