Berlin - Mit zehntausenden Beamten, Grenzkontrollen und Videoüberwachung bauen die Behörden Deutschland während der Fußball-WM zur Sicherheitszone aus. Wer stören will, soll besser fern bleiben, warnte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU).
Terrorangriffe, rechtsextreme Übergriffe und Hooligan-Gewalt: Auch wenn es keine konkreten Hinweise auf große Gefahren gibt, können die Behörden nichts ausschließen. Trotzdem sollen die Fußballfans eine fröhliche, aufgeschlossene Nation erleben, versicherte Schäuble.
Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England habe er außer ein paar Bobbys zur Verkehrsregelung keine Polizisten gesehen, sagte Franz Beckenbauer, Chef des WM-Organisationskomitees. Die Zeiten haben sich geändert. Wellenartig wird seit Monaten vor immer neuen angeblichen Gefahren gewarnt.
So sollen Neonazis italienischen Medienberichten zufolge bei einem konspirativen Treffen in den Alpen Aktionen geplant haben. Die größten Anschlagsgefahren herrschten an den so genannten Public Viewing Areas, wo Spiele auf Großleinwänden übertragen werden, hieß es. Am unmittelbarsten droht Gewalt allerdings durch Hooligans, von denen allein in Deutschland 6000 als gewaltbereit polizeibekannt sind.
Mit tausenden Hinweisen aus Behörden der Teilnehmerländer bereitet die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen rund um die Uhr Einsätze auch gegen ausländische Hooligans vor - sofern diese nicht bereits an der Grenze und auf Flughäfen gestoppt werden, an denen zur WM wieder Einreisende auch aus Schengen-Staaten kontrolliert werden.
Bereits im Mai 2005 beschlossen die Innenminister von Bund und Ländern ein so genanntes Nationales Sicherheitskonzept mit Maßnahmen wie der Videoüberwachung öffentlicher Plätze, Urlaubssperre für die Polizei und internationaler Zusammenarbeit. So sollen allein den 30 000 im Einsatz befindlichen Bundespolizisten 320 ausländische Sicherheitskräfte zur Seite stehen.
Die Bundeswehr will bis zu 7000 Soldaten zum Schutz der Bevölkerung und der WM-Gäste bereit halten, darunter ABC- Abwehrkräfte. Der Luftraum wird zu den Spielen im Radius von 5,4 Kilometern um die WM-Stadien gesperrt. Besonders im Fokus der Behörden: die Spiele Englands, der Niederlande, Polens, des Irans und der USA.
Damit die hunderttausenden harmlosen Fußballfans sich nicht allzu sehr von dem Aufgebot gegen Störer gestört fühlen, werden die Polizisten per 120 Seiten starkem Leitfaden zum zuvorkommenden Umgang angehalten. Redewendungen in 16 Sprachen und Etikette-Hinweise für ein ordentliches Erscheinungsbild sowie repräsentatives Auftreten sollen das Zusammentreffen von Beamten und Fans freundlich gestalten.
Sorgen bereiteten den Rettungskräften in den vergangenen Monaten gravierende Sicherheitsmängel, die bei mehreren Großübungen entdeckt wurden. So behinderten veraltete Funknetze und Ausbildungsmängel bei der Nutzung der Kommunikationstechnik den Erfolg. Bereits vor drei Jahren kündigte das Innenministerium ein neues Digitalnetz zur WM an - jetzt ist die Einführung für 2010 geplant.
Der brutale Angriff auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam hat kurz vor der WM die Gefahr rassistischer Angriffe auf Ausländer vor Augen geführt. Der Afrika-Rat für die Region Berlin-Brandenburg plant einen Katalog für No-go-Areas, die Schwarze besser meiden sollten. Und Grünen-Chefin Claudia Roth, die ihre Fühler regelmäßig in die Antifaschisten-Szene ausstreckt, sagte: Wir müssen uns auch auf Nazi-Demos bei der Fußball-WM einstellen.
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