Hamburg - Im Amtsdeutsch heißt das so: Die Gewährleistung der Sicherheit hat höchste Priorität bei betont offenem, tolerantem und freundlichem Verhalten der zuständigen Sicherheitsbehörden. Meint: Für die Sicherheit ist alles getan, wenn Die Welt zu Gast bei Freunden ist.
Das Nationale Sicherheitskonzept für die Fußball-WM in Deutschland steht, alles ist bis ins Kleinste durchgeprobt. Und doch: Verunsicherung bleibt. Mehrere Millionen Fußballfans aus dem In- und Ausland werden erwartet. Wie sicher ist die WM?
Die Macher sind sich einig: Die Fußballspiele selbst werden glatt ablaufen, in den Stadien wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts passieren. Die Kontrollen sind umfassend. Kritisch wird es vor allem außerhalb der Stadien, beispielsweise bei der Live-Übertragung von Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft auf öffentlichen Plätzen. Dann besteht Gefahr durch Hooligans, gewaltbereite Fans können für Chaos sorgen.
Ein Brennpunkt: Am 10. Juni werden in Frankfurt am Main 100 000 englische Fans zur Auftaktpartie ihrer Nationalmannschaft gegen Paraguay erwartet. Nur 10 000 haben Tickets für das Stadion. Eine immense Aufgabe für die Sicherheitskräfte.
Ein anderes Problem: Hat der internationale Terrorismus sein Auge auf die Fußball-WM geworfen? Zwar sehen die Verantwortlichen momentan keine Anzeichen dafür, aber, so heißt es, wir sind wachsam. Das Sicherheitskonzept der Innenminister von Bund und Ländern wird laufend aktualisiert.
Um die zwölf Stadien, die Quartiere der 32 WM-Mannschaften sowie hunderte Großbildleinwände und Fanmeilen vor Terror-Anschlägen, Hooligan-Gewalt oder sonstiger Kriminalität zu schützen, wird voraussichtlich eine dreistellige Millionensumme fällig. Die dicksten Kosten-Brocken: Der Schutz des Luftraums durch Aufklärungsflugzeuge vom Typ Awacs, Grenzsicherung durch Bundespolizei und vorbeugende Maßnahmen anderer Behörden wie Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz oder Katastrophenschutz.
Das ist der Stand der Dinge:
SICHERHEIT ALLGEMEIN: Mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und Grenzkontrollen von Fall zu Fall will die Bundespolizei möglichen Gefahren schon im Vorstadium begegnen. Mit 35 Staaten sind Absprachen für eine frühzeitige Gefahrenabwehr getroffen worden. Rund 300 Polizisten aus anderen Ländern werden in Deutschland unterstützend eingesetzt. Für bundesweite Schnelleinsätze in besonderen Situationen steht eine Einsatzhundertschaft als mobile Reserve zur Verfügung. Für die rund 40 000 Angehörigen der Bundespolizei gilt für die Zeit der WM eine generelle Urlaubssperre. An den Grenzen zu den so genannten Schengen-Staaten der EU werden wieder Kontrollen eingeführt. Nach Angaben von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sollen 2000 Bundeswehrsoldaten während der gesamten WM den reibungslosen Ablauf unterstützen.
TERRORISMUS: Erste aktuelle Warnungen über mögliche Anschläge des internationalen Terrorismus kamen jetzt aus den USA. Das Bundesinnenministerium reagierte zurückhaltend. Es gibt weder bei den US-Behörden noch bei uns konkrete Gefährdungshinweise. Die Bedrohung durch internationale Terrorgruppen sei bei großen Veranstaltungen wie der WM vom 9. Juni bis 9. Juli grundsätzlich ein Anlass zur Besorgnis, wurde betont. In einem Faktenpapier des US- Außenministeriums zur WM hieß es: Die von El Kaida unter Beweis gestellte Fähigkeit, ausgeklügelte Anschläge auf beträchtliche Strukturen wie Schiffe, große Bürogebäude, Botschaften und Hotels auszuführen, macht sie zu einer der größten potenziellen Bedrohungen für die Fußball-WM.
HOOLIGANS: Ein Hooligan-Tourismus könnte auf die WM zurollen. Der WM-Sicherheitsapparat schaut deshalb nicht nur auf die Gewalt-Fans aus deutschen Landen, sondern setzt intensiv auf internationale Zusammenarbeit. So hat sich in Osteuropa eine neue Gewaltszene entwickelt, die nach Expertenmeinung zu erheblichen Befürchtungen Anlass gibt. Problemfälle könnten aus Großbritannien einreisen. Zwar sind etwa 4000 vorbestrafte Gewalt-Fans von der Insel mit einem Ausreiseverbot belegt worden. Die Sicherheitsbehörden sind auch darauf eingestellt, dass Rechtsextremisten aus Deutschland und anderen Nationen sich an gewalttätigen Aktionen von Hooligans beteiligen bzw. die WM als Platform für propagandistische Aktivitäten nutzen werden. In Berlin wird vorbestraften Hooligans erstmals in größerem Umfang auch der genetische Fingerabdruck abverlangt. Einige Bundesländer haben angekündigt, kurzen Prozess mit Gewalt-Fans zu machen. Richter und Staatsanwälte sollen Sonderschichten fahren oder Bereitschaftsdienste leisten, um beschleunigte Verfahren einzuleiten.
KRIMINALITÄT ALLGEMEIN: Große Spektakel ziehen auch den eher kleinen Kriminellen an. Nach kriminalistischer Erfahrung ist ... ein Anstieg verschiedener Kriminalitätsformen zu erwarten, sagt die Polizei. Die Behörden stellen sich auf mehr Taschendiebe und Autoknacker ein. Als besondere Experten kommen 15 ausländische Fahnder für Taschendiebe zum Einsatz. Aber auch die internationale organisierte Kriminalität steht vor der Tür. Im Deliktsbereich Menschenhandel/Prostitution und demzufolge auch in der Schleusungskriminalität wird mit einer anlassbezogenen Zunahme der Kriminalität in allen Teilen Deutschlands zu rechnen sein, heißt es im Nationalen Sicherheitskonzept. Meint: Der Kampf gegen die Zwangsprostitution könnte ein großes gesellschaftspolitisches Thema rund um die WM werden.
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