Hamburg - Die Bühne für das große Sommer-Schauspiel wird bereitet: Alle zwölf Stadien für die Fußball-Weltmeisterschaft erhalten in diesen Tagen einen neuen Rasen, der Maßstäbe setzen soll. In Dortmund wurde mit dem Verlegen der Rollen begonnen.
Auch in Stuttgart, Kaiserslautern, Leipzig und am Endspielort Berlin stehen in dieser Woche schon die Arbeiten an. In den übrigen Stadien werden die Spielflächen erst nach dem letzten Bundesliga-Spieltag ausgetauscht. Er ist gut geworden, sagt Rasenexperte Engelbert Lehmacher über den WM-Rasen, als würde er über einen guten Jahrgang Wein sprechen. Der Landschaftsarchitekt bildet gemeinsam mit seinem Berufskollegen Rainer Ernst das Rasenkompetenzteam, das über die Qualität des Grüns in den Stadien wacht. Die Zeit bis zum Eröffnungsspiel am 9. Juni ist zwar knapp, doch Lehmacher ist zuversichtlich, dass alles klappt: Die Termine stehen. Im Augenblick läuft alles.
Die Laster mit den Rasen-Rollen von rund 1,50 Metern Breite und 12 bis 15 Metern Länge kommen aus Hessen und aus den Niederlanden. Bei Büchner Fertigrasen in der Nähe von Darmstadt und Hendriks Graszoden in Heythuysen wurde der Rasen in den vergangenen Monaten gezüchtet. Während in Dortmund schon die ersten Rollen verlegt werden, gehen die Ernte und die Vorbereitungen zum Transport bei den beiden Herstellern noch weiter.
Lehmacher ist froh, dass derzeit auch das Wetter mitspielt. Größere Niederschläge würden uns nicht gefallen, sagt er. Doch auch hochsommerliche Temperaturen wären schlecht. Dann nämlich müsste der kostbare Rasen per Kühlwagen transportiert werden.
Ohnehin wurde beim WM-Rasen nichts dem Zufall überlassen. Schon im Herbst 2004 beriefen die Organisatoren das Rasenkompetenzteam ein. Gemeinsam mit der Deutschen Rasengesellschaft klügelten Lehmacher und Ernst die Formel aus, die die besten Voraussetzungen für die Fußball- Festspiele bieten soll. Rund 75 Prozent Wiesenrispe (Poa pratensis) und 25 Prozent Weidelgras (Lolium perenne) lautet die Mischung, die für guten Lauf des Balles, Strapazierfähigkeit und zugleich eine satte grüne Farbe sorgen soll.
Die Qualitätskriterien, die der Weltverband FIFA in seinem Pflichtenheft für die Stadien festgeschrieben hat, sind streng. Der Rasen soll überall identisch sein. In Nürnberg wollte der Stadionbetreiber auf einen neuen Belag verzichten und verwies auf den guten Zustand des aktuellen Grüns. Die haben wirklich einen guten Rasen, räumt auch Lehmacher ein. Doch weil er fleckig sei, habe sich der Austausch nicht vermeiden lassen. Die Kosten, immerhin bis zu 150 000 Euro pro Rasen, müssen die Betreiber selbst tragen.
Für das Schnittmuster gibt es zwei von der FIFA zugelassene Varianten: parallele Quer- oder Längsstreifen, die jeweils durch Mähen in verschiedene Richtungen entstehen. Bevorzugt werde jedoch das Modell Querstreifen. Das ist bewusst so, um auch die Schiedsrichter zu unterstützen, sagt Lehmacher. Abseitsstellungen etwa seien so leichter zu erkennen.
Am Erscheinungsbild wird sich auch im Finale nichts ändern. Während für das Spiel am 9. Juli im Berliner Olympiastadion eigens ein Ball mit Goldfärbung kreiert wurde, gibt es beim Rasen keine Experimente. Der Rasen ist der gleiche wie der, der in der Vorrunde ausscheidet, sagt Lehmacher. Ein Rasen der ausscheidet - das Spielfeld ist für manchen eben mehr als nur die Bühne.
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