Berlin - Für DFB-Chef Theo Zwanziger ist Oliver Kahn vor allem durch dessen öffentliche Wirkung auch als Nummer 2 ein wichtiger Faktor für das Gelingen der gesamte deutschen WM-Mission.
Oliver ist ein großer Sportsmann. Er hat uns 2002 ins Endspiel gebracht. Vielleicht brauchen wir ihn noch dringender denn je, erklärte der Geschäftsführende Verbands-Präsident in Stuttgart und wies auf die weiterhin enorme Außenwirkung des ehemaligen DFB-Kapitäns hin, der Jens Lehmann im Kampf um die Nummer 1 im deutschen WM-Tor unterlegen war.
Vor allem zum WM-Auftakt am 9. Juni in Kahns Heimstadion gegen Costa Rica wird auf den 36-jährigen Reservisten eine große Bedeutung zukommen. Ob das Publikum in der Münchner Allianz-Arena an diesem Tag auch Jens Lehmann die volle Unterstützung geben wird, könnte maßgeblich mit von der jetzigen Reaktion Kahns beeinflusst werden. Vor einem Jahr im Vorfeld des Confederations Cups hatten insbesondere die Münchner Fans den Wahl-Engländer Lehmann bei einem Testspiel der Nationalelf gegen den FC Bayern ausgepfiffen und beschimpft.
Er ist ein großes Idol für die Jugend. Es wäre für seine Fans eine Katastrophe, wenn er im eigenen Land nicht dabei wäre, betonte Zwanziger und schloss deutlich an: Ich begrüße die Entscheidung von Kahn als Nummer 2 an der WM teilzunehmen. Für Jürgen Klinsmann sind Kahns Erfolgshunger, seiner Erfahrungen und seine Fähigkeit, sich total von Spiel zu Spiel zu fokussieren, eine wichtige Hilfe für das junge und teilweise unerfahrene Nationalteam.
Auch der Bundestrainer weiß genau um die ungebrochene öffentliche Ausnahme-Stellung des degradierten Stammkeepers: Oliver Kahn hat eine große Ausstrahlung und genießt hohen Respekt bei allen in der Nationalmannschaft. Dass sich Kahn nach der Entscheidung pro Lehmann so schnell zum Weitermachen entschieden habe, spricht umso mehr für ihn, sagte Klinsmann, der zunächst Zweifel hatte, ob der ehrgeizige Kahn vom Typ her die Rolle als Nummer zwei auch ausfüllen wolle.
Nach Kahns klarer Bekenntnis, das Team einschließlich Lehmann auch aus ungewohnter und ungeliebter Position zu unterstützen, stellte Klinsmann den Münchner Torwart sogar als Beispiel für weitere Härtefälle dar. Kahn ordne sich dem Mannschaftsdenken unter und zeige vorbildlich, dass jeder seinen Beitrag zum gewünschten Erfolg beizutragen hat, betonte der Bundestrainer in der Bild-Zeitung.
Wie über die anderen WM-Kandidaten hatte Klinsmann auf seinem Computer auch alle relevanten Daten über die beiden Nummer-1-Anwärter Kahn und Lehmann gesammelt. Nach Informationen der Sport-Bild habe Kahn in der Mehrzahl der Punkte - insgesamt wurden die Torhüter in mehr als einen Dutzend Kategorien von Teamfähigkeit über Abwehr-Organisation bis hin zu balltechnischen Fähigkeiten verglichen - etwas schlechter als Lehmann abgeschnitten. Die meisten Pluspunkte soll Lehmann bei der Strafraumbeherrschung gebucht haben.
Der ehemalige Bundestorwart-Trainer Sepp Maier, von dem sich Klinsmann wegen Parteilichkeit für Kahn im Oktober 2004 im Streit getrennt hatte, bezweifelt dagegen die Leistungs-Kriterien und warf dem Bundestrainer erneut ein linkes Spiel vor.
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