Trechtingshausen - 9. Juli, WM-Finale in Berlin, die ganze Welt schaut zu und dann kippt plötzlich eins der beiden Tore um - so in etwa sieht Winfried Baasers ganz persönlicher Albtraum aus.
Der 63-Jährige aus dem Rheinort Trechtingshausen beliefert mit seiner Firma Allzweck Sportartikel die WM nicht nur mit Toren, sondern auch mit so ziemlich allem, was man sonst so für ein Fußballspiel braucht: von den Gelben Karten über die Eckfahnen bis hin zu den Trainingshütchen für die Teams. Seit 1978 ist Baaser bei Welt- und Europameisterschaften als Ausrüster groß im Geschäft.
In seiner im Schatten einer Burg gelegenen Firma mit Blick auf den Rhein macht Baaser einige Wochen vor Beginn des Turniers einen gelassenen Eindruck: Er glaubt an die Qualität seiner Produkte. Die in verschiedenen Farben erhältlichen Fox-Schiedsrichterpfeifen aus Kanada (extrem schriller Ton), die er vertreibt, nennt er den Mercedes unter den Pfeifen. Und auch bei den Toren, die Baaser in die WM-Stadien stellt, hat er ein gutes Gefühl. Eigentlich kann nichts passieren, erklärt der Unternehmer und kann das auch wortreich begründen.
Regelmäßig vor den großen Fußballturnieren geben sich die Journalisten in Baasers Firma die Klinke in die Hand. Die Geschichte ist aber auch zu gut: Ein Schiedsrichter, der aus der Not heraus eine im Fußballgeschäft sehr einflussreiche Firma aufbaut, die es heute auf rund elf Millionen Euro Jahresumsatz bringt. Dazu weiß Baaser eine Menge Anekdoten und Geschichten aus der großen weiten Welt des Fußballs zu erzählen. 15 Jahre pfiff er Spiele bis in die höchste Amateurliga, stand einige Jahre auch in der Bundesliga an der Linie.
In den siebziger Jahren gelang Baaser, der bis dahin Geschäftsführer einer Sanitär- und Heizungsfirma war, der Durchbruch mit einem eigenen Unternehmen: Als er bei einem Pokalspiel als Schiedsrichter seine Ausrüstung vergessen hat, kommt Baaser auf die Idee eines kleinen, handlichen Sets mit Schiedsrichterbedarf - von der Roten Karte bis hin zum Notizblock. Allein im ersten Jahr verkauft er 30 000 davon. Schiedsrichter waren damals noch weitestgehend auf ihre Kreativität angewiesen. Zum Anziehen hat man sich ein T-Shirt gekauft und schwarz eingefärbt. Wenn es dann regnete, lief einem die Soße runter, erinnert sich Baaser.
Mit der Lieferung leuchtender Linienrichterfahnen bekam Baaser 1978 bei der WM in Argentinien bei der FIFA einen Fuß in die Tür - oder ins Tor. Damals lieferte er übrigens noch kostenlos. Dann häuften sich die Erfolge. Farbige Schiedsrichter-Trikots? Eine Idee Baasers, wie er erzählt. Bruchsichere Eckfahnen, Verwarnungskarten in Leuchtfarben: Kaum eine Innovation, bei der Baaser nicht seine Finger im Spiel gehabt hätte. Heute geht kaum mehr etwas ohne den 63- Jährigen. Wenn bei der FIFA, UEFA oder dem DFB jemand anruft und nach Schiedsrichter-Zubehör fragt, wird er hierher verwiesen.
Etwa 500 000 Euro Umsatz bringt Baaser und seinen mehr als 30 Mitarbeitern die Fußball-WM in Deutschland ein. Eine logistische Herausforderung ist das Turnier für das Unternehmen, das auch die Trainingsplätze der Teams mit Hürden, Hütchen und anderem Zubehör ausstattet. Etwa 15 Prozent der Produkte fertigt der Betrieb selbst, der Rest kommt aus aller Welt nach Trechtingshausen und wird hier für die Kunden fertig gemacht. Die Schiedsrichterkleidung etwa wird in Polen genäht.
Baaser, der sein Unternehmen mit mehr als 1800 Produkten im Angebot als weltgrößten Spezialisten für Schiedsrichter- und Regelzubehör bezeichnet, ist längst eine Größe im Fußball-Business. Vor einigen Wochen machte der rheinland-pfälzische Landesvater Kurt Beck (SPD) auf einer Wahlkampftour Station in Trechtingshausen und lobte Baasers Unternehmen als leuchtendes Vorbild. Beide Männer verbindet nicht nur die Liebe zum Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern - wie Beck verfügt auch Baaser über eine eigene Autogrammkarte.
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