Graz - Eine Spur aus Deutschland hat beim Wettskandal im österreichischen Fußball zu ersten Verdächtigungen geführt. Wie die Grazer Polizei mitteilte, stehen der Trainer von Sturm Graz, Michael Petrovic, und der Stürmer Bojan Filipovic unter Verdacht, Bestechungsgelder kassiert zu haben.
Die Kontakte mit einer Tätergruppe aus Deutschland sei durch Telefonüberwachungsprotokolle der deutschen Kriminalpolizei belegt. Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf Staatsanwalt Peter Gruber soll Petrovic 20 000 Euro erhalten haben, Filipovic pro Spiel 2500 Euro.
Trainer und Spieler wiesen nach Angaben der APA alle Vorwürfe zurück. Die Kontakte nach Deutschland seien rein freundschaftlicher Natur gewesen. In der Nacht zum Mittwoch waren die Wohnungen der beiden Beschuldigten durchsucht worden. Die Auswertung der Unterlagen sei jedoch noch nicht abgeschlossen, hieß es. Gruber sagte laut APA: Es gibt lediglich Anhaltspunkte für zwei misslungene Aktionen.
Nach Angaben eines Polizeisprechers geht es bei den derzeitigen Ermittlungen um die versuchte Manipulation zweier Bundesliga-Spiele von Sturm Graz gegen Austria Wien (0:0 am 25. Februar) und gegen Red Bulls Salzburg (4:0 am 4. März). In beiden Fällen versuchten die Hintermänner die Spiele so zu manipulieren, dass Sturm Graz die jeweilige Partie verliert und dabei keine Tore schießt. Ein Asiate und ein serbischer Staatsbürger, die als Drahtzieher des Wettbetrugs gelten und mit zwei Komplizen in Deutschland in Haft sitzen, setzten dann auf die jeweiligen Favoriten.
Um das Risiko zu minimieren, sollten nach Angaben der Polizei der Spielmacher von Sturm und der Trainer bestochen werden. Filipovic sollte kein Tor schießen und Trainer Petrovic sollten dafür sorgen, dass das Spiel möglichst passiv verläuft. Die Manipulation hat aber letztendlich nicht den gewünschten Erfolg gebracht, meinte Erwin Strametz von Landeskriminalamt Graz. Filipovic schoss gegen Salzburg sogar ein Tor. Im Nachhinein habe er sich dafür aber entschuldigt. Der Spielmacher selbst soll für den Betrug allerdings Geld angenommen haben.
Sturm-Präsident Hannes Karntig stellte sich hinter Trainer und Spieler. Ich habe mit beiden gesprochen, sie werden eine eidesstattliche Erklärung unterschreiben. Es ist nichts erwiesen, es gilt die Unschuldsvermutung, sagte er der APA. Bei Wettskandalen muss man vorsichtig sein, es tauchen immer wieder Gerüchte auf, die nicht stimmen. Dass Graz im Spiel gegen Austria Wien defensiv eingestellt war, war die richtige Taktik.
Ob andere Spieler oder Bundesligaclubs in den Wettskandal verwickelt sind, ist nicht bekannt. Gegenwärtig ist nur Sturm verdächtig, sagte der Polizeisprecher. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne nichts ausgeschlossen werden. Der Grazer Fußballverein war bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Wett-Manipulationen genannt worden. Betrug konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.
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