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Lehmann will lieber Titel für Arsenal statt Rekord | 2006-04-20


London - Selbst ein Eichhörnchen, das in seinem Strafraum herumirrte, konnte Jens Lehmann nicht beirren. Der deutsche Nationalkeeper kann im Halbfinal-Rückspiel beim FC Villarreal einen Rekord aufstellen und mit dem FC Arsenal erstmals ins Finale der Champions-League einziehen.

Das 1:0 ist für uns ein besseres Ergebnis als für die Spanier, sagte Lehmann, dem nach 656 Minuten ohne Gegentor nur weitere drei Minuten fehlen, um die zehn Jahre alte Bestmarke des Niederländers Edwin van der Sar zu brechen.

Seit dem 22. Februar 2005 (1:3 beim FC Bayern München) musste die neue deutsche Nummer 1 in der Königsklasse nicht mehr hinter sich greifen. Übersteht er in Villarreal die Anfangsphase unbeschadet, überbietet er van der Sars Rekord aus der Saison 1995/96, in der er mit Ajax Amsterdam laut offiziellen UEFA-Angaben 659 Minuten ohne Gegentor blieb. Doch der 36-Jährige denkt nicht an diese Bestmarke: Da kann man sich nichts für kaufen. Wenn man den Gewinn der Champions League gegen so einen Rekord eintauschen könnte, dann macht man das sicher, erklärte Lehmann. Für Arsenal, das in der Gruppenphase fünf Mal mit Ersatzkeeper Manuel Almunia antrat, war es das neunte Zu-Null-Spiel und die 12. Partie ohne Niederlage in Serie.

Die Emotionen schlugen hoch nach dem Schlusspfiff. Viele Londoner nahmen Abschied vom legendären Highbury-Stadion, das sein letztes Europacup-Spiel erlebte, da Arsenal kommende Saison nach 93 Jahren nur wenige hundert Meter weiter ins Emirates Stadium umziehen wird. Die Spanier hingegen schimpften auf den österreichischen Referee Konrad Plautz, der ihnen nach einem klaren Foul an José Mari einen Elfmeter verweigerte (45.). Der Schiedsrichter war der zwölfte Gegenspieler, wetterte die spanische Zeitung Sport.

Die Schiedsrichter-Leistung war unterirdisch. Wir sind empört, ereiferte sich Villarreals Geschäftsführer José Manuel Llaneza. Und Verteidiger César Arzo unterstellte gar: Die wollen nicht zwei spanische Teams im Finale sehen. Doch auch Englands Cupsieger war sauer auf Plautz, der Thierry Henrys Tor (12.) wegen vermeintlicher Abseitsstellung nicht gab: Das Tor war regulär, es hätte gegeben werden müssen, kritisierte Coach Arsene Wenger. So war Kolo Touré der gefeierte Held des Abends, der eine Vorlage des Ex-Stuttgarters Alexander Hleb (41.) zu seinem ersten Meisterliga-Saisontor nutzte.

Doch auf die Titelseiten der englischen Boulevardpresse schaffte es nur das Eichhörnchen, das sogar eine Spielunterbrechung erzwang, ehe Lehmann es aus dem Stadion jagte. Wenger bescheinigte dem kleinen Nagetier ein schnelles Tempo und gutes Dribbling, und die Sun kürte es gar zum Spieler des Tages.

Nach dem knappen Hinspiel-Resultat träumen sowohl Arsenal als auch Villarreal weiter von der ersten Final-Teilnahme in der Meisterliga: Am 17. Mai in Paris warten der FC Barcelona oder der AC Mailand (Hinspiel 1:0). Ich bin zuversichtlich und optimistisch. Unser Defensiv-Rekord ist sehr gut. Wir wollen in Spanien treffen und unser Spiel aufziehen, kündigte Wenger an. Sein Kollege Manuel Pellegrini konterte: Das Ergebnis ist nicht zu schlecht. Wir können ein gutes Resultat erzielen und dann durchmarschieren.


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