Gelsenkirchen - Mirko Slomka war extrem unzufrieden und extrem realistisch: Wir müssen nicht mehr nach Bremen schauen. Das ist abgehakt, sagte der Trainer des FC Schalke 04 mit Blick auf die Champions League-Qualifikation.
Der 38 Jahre alte Fußball-Lehrer zeigte sich tief enttäuscht, nachdem sein Team beim 1:1 (0:1) gegen den abstiegsgefährdeten 1. FC Köln mit einer kläglichen Leistung den dritten Platz in der Bundesliga verspielt haben dürfte. 2:2 gegen Wolfsburg, 1:1 in Duisburg, 1:1 gegen Köln - königsblaue Fußball-Herrlichkeit sieht anders aus. Trotzdem war Slomka nicht verärgert, nur enttäuscht.
Für diese Gefühlslage lieferten ihm seine 14 eingesetzten Profis vor 61 524 Zuschauern in der ausverkauften Veltins-Arena allen Grund. Es ist egal, welche Stürmer wir bringen. Kevin, Ebbe, Sören - da sind wir einfach nicht präsent, beschrieb Slomka das aktuelle Hauptübel: Es gibt keine Kreativität, Angreifer wie Kuranyi, Sand oder Larsen sind momentan zu sehr auf sich allein gestellt, weil es im Zusammenspiel an Inspiration mangelt: Schalke ist derzeit Mittelmaß.
Das liegt auch an Lincoln. Slomka nahm den brasilianischen Spielmacher ebenso frühzeitig vom Feld wie Nationalstürmer Kuranyi. Beide wirkten wie Fremdkörper. Über die Champions League, die ohnehin fast passé ist, verlor Slomka kaum ein Wort: Wir sollten erst einmal darüber reden, besseren Fußball zu spielen. In den nächsten Spielen soll es viel besser werden, wünscht sich der Coach, weiß aber nicht wie.
Das ist nicht zu erklären, schilderte Slomka beispielsweise den fatalen Aussetzer im Zusammenspiel von Keeper Frank Rost und Dario Rodriguez, der durch Kölns Nationalstürmer Lukas Podolski (Entweder geht er rein oder auf die Tribüne) mit dem 0:1 (45.) bestraft wurde. Wenigstens gelang dem eingewechselten Zlatan Bajramovic zehn Minuten vor dem Ende per Kopf noch der Schalker Ausgleich.
Die Schalker sind verunsichert. Fünf Bundesligapartien ohne Sieg, die Leistungsträger nicht in Form, ein wegen seiner frühen Auswechslung verärgerter Lincoln - in der Schlussphase der WM-Saison ist Fußball auf Schalke Frust statt Lust. Gerald Asamoah, der auf der rechten Angriffsseite ackerte und kämpfte, war ehrlich: Wer gegen Wolfsburg, Duisburg und Köln nicht gewinnt, hat es nicht anders verdient. Und Asamoah schlussfolgerte nach zahlreichen Ausrutschern, dass man solche Fehler abstellen muss, wenn man in der europäischen Königsklasse mitwirken will.
Zufrieden waren auch die Kölner nicht - jedenfalls nicht restlos. Sie wussten, dass sie den ersten Sieg in Gelsenkirchen seit 1993 nahezu leichtfertig vergaben. Wir hätten ihn verdient gehabt, meinte Podolski. Immerhin hielt die Serie, Köln ist vier Spiele lang ungeschlagen: Wir sind solide geworden. Die Mannschaft zeigt eine gewisse Konstanz. Ich spüre, dass dieser Weg zum Erfolg führen kann, sagte Chefcoach Hanspeter Latour. Im Abstiegs-Endspiel gegen den MSV Duisburg soll die Hoffnung weiter genährt werden.
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