Madrid - Palastrevolte bei den Königlichen: Der Vorstand von Real Madrid hat den Vereinspräsidenten Fernando Martín nach nicht einmal zweimonatiger Amtszeit gestürzt.
Der Clubchef des krisengeschüttelten spanischen Fußball-Rekordmeisters verlor eine Vertrauensabstimmung im Vorstand mit 1:15 Stimmen. Nach dem Debakel erklärte er mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt. Der 58-jährige Baulöwe hielt sich genau 57 Tage im Amt. Damit ging er als Fernando, der Kurze, der Präsident mit der kürzesten Amtszeit, in die Annalen der 104-jährigen Vereinsgeschichte ein. In diesem Sommer, voraussichtlich am 2. Juli, werden die rund 85 000 Real-Mitglieder einen neuen Präsidenten wählen. Bis dahin wird der 83-jährige Luis Gómez Montejano als ältestes Vorstandsmitglied den Club als Interimspräsident führen.
Mit dem Sturz des Präsidenten spitzte sich die Krise beim erfolgreichsten Fußballclub der Welt weiter zu. Real schreibt eines der dunkelsten Kapitel seiner Vereinsgeschichte, meinte das Sportblatt Marca. Der Club hatte in diesem Jahr drei Präsidenten, zwei Trainer und zwei Manager, aber er gewann nicht einen einzigen Titel. Der 29-malige Meister und neunmalige Europacupsieger ist seit drei Jahren ohne Titel. Dies hatte es zuletzt vor 54 Jahren gegeben.
Martín war am 27. Februar nach dem überraschenden Rücktritt des Clubchefs Florentino Pérez von diesem per Fingerzeig zum Nachfolger ernannt worden. Er klammerte sich sogleich an seinen Posten und lehnte es ab, sich einer Neuwahl zu stellen. Sein Versprechen, rasch einen namhaften Trainer zu verpflichten und eine Verjüngung der Galaktischen um Ronaldo und David Beckham einzuleiten, konnte er nicht einlösen. Zudem gab er nach Ansicht der Presse sich selbst der Lächerlichkeit preis, als er vor den Fußballstars einknickte und die Verhängung einer Urlaubssperre wenig später kleinlaut zurücknahm.
Angesichts der Krise blicken die Fans voller Neid auf den Höhenflug des Erzrivalen FC Barcelona. Während Barça sich mit dem AC Mailand ein tolles Champions-League-Spiel lieferte, bot Real seinen Anhängern das traurige Schauspiel eines Präsidenten, der von seinen Vorstandskollegen quasi mit Flammenwerfern aus dem Amt gejagt wurde, umschrieb das Sportblatt As das Elend der Königlichen.
Als mögliche Kandidaten für die Neuwahl werden neben dem zurückgetreten Martín unter anderem der frühere Rallye-Weltmeister Carlos Sainz (44), der Anwalt Arturo Baldasano (59), Ex-Clubchef Lorenzo Sanz (62) oder der Präsident des FC Getafe, Angel Torres (53), gehandelt. Wer sich bewerben will, muss eine Bürgschaft von 44 Millionen Euro vorlegen.
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