Mainz - Die deutschen Fußball-Frauen haben elf Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft in China ein Negativerlebnis gerade noch verhindert. Das Team von Trainerin Silvia Neid erreichte bei der WM-Generalprobe gegen Norwegen trotz zweimaligen Rückstandes noch ein 2:2 (1:2).
Im Vergleich zu der Begegnung in Mainz muss sich die Mannschaft bis zum Eröffnungsspiel gegen Argentinien in Schanghai am 10. September aber noch steigern. Vor 9715 Zuschauern im Bruchwegstadion ging Norwegen schon in der 1. Spielminute durch Leni Larsen Kaurin sowie Ragnhild Gulbrandsen (28.) zwei Mal in Führung. Melanie Behringer (22.) und Spielführerin Birgit Prinz (75.) konnten zum glücklichen 2:2 ausgleichen.
So verteidigte das DFB-Team ihre knapp positive Bilanz (12 Siege, elf Niederlagen) im 28. Duell mit dem Rivalen zwar, dennoch war Neid nur mit dem Ergebnis, nicht aber mit dem Spiel ihrer Mannschaft zufrieden. Die Generalprobe ging in die Hose. Dann kann das Eröffnungsspiel eigentlich nur besser werden, urteilte die DFB- Trainerin, die vor allem mit der Defensive und dem zentralen Mittelfeld haderte. Da hat die Abstimmung gefehlt. Und wenn wir die Bälle erobert hatten, haben wir sie zu schnell wieder verloren. Jetzt müssen wir die Fehler analysieren und bis zur WM an unseren Schwächen arbeiten.
Im Gegensatz zum glanzvollen 7:0 im EM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz vor acht Tagen in Koblenz kam die durch die Ausfälle von Simone Laudehr und Linda Bresonik geschwächte DFB-Elf nur schwer in Gang. Schon nach 40 Sekunden ließ sich Torhüterin Nadine Angerer überraschen. Der Heber der flinken Stürmerin Leni Larsen Kaurin schien nur als Flanke gedacht. Zumindest senkte sich der Ball über die zu weit am kurzen Pfosten stehende Angerer hinweg ins Netz. Es dauerte gut eine Viertelstunde, bevor die DFB-Elf nach dem frühen Gegentor ihre Nervosität etwas ablegte und zu eigenen Chancen kam.
Norwegens Torfrau Bente Nordby parierte einen Distanzschuss von Prinz (15.), die in ihrem 165. Länderspiel zunächst nicht wie gewohnt auftrumpfte. Mit dem 1:1 der agilen Freiburgerin Behringer, die schon gegen die Schweiz mit zwei Toren überzeugte, war der Weltmeister wieder auf Kurs, verpasste kurz darauf sogar die mögliche Führung durch Kerstin Garefrekes (24.), die aus halbrechter Position verzog. Nur vier Minuten später brachte Ragnhild Gulbrandsen die offensiv starken Skandinavierinnen erneut in Front, nachdem Angerer den Schuss von Lene Storlökken nur abklatschen konnte.
Der Weltmeister von 1995 erwies sich auch nach dem Wechsel als unangenehmer Gegner, der ein anderes Kaliber hat als zuletzt die Schweiz, Tschechien oder Dänemark. Wir haben ja gehofft, dass Norwegen uns die noch vorhandenen Defizite aufzeigt, sagte Renate Lingor, die selbstkritisch anmerkte: Es war ein schlechtes Spiel von uns. Aber wir sind auch froh, dass Norwegen uns die noch vorhandenen Defizite rechtzeitig vor der WM aufgezeigt hat.
Dennoch boten sich Anja Mittag (50.), die nach einer Stunde durch Petra Wimbersky ersetzt wurde, Behringer (62.) und Prinz (66.) durchaus Chancen zum Ausgleich. Eine Viertelstunde vor dem Abpfiff rettete die dreimalige Weltfußballerin nach einem Zuspiel von Behringer doch noch das Remis. Fazit aus deutscher Sicht: Vor allem in der Defensive und im Mittelfeld, wo Spielmacherin Lingor noch ihre WM-Form sucht, gibt es bis zum WM-Eröffnungsspiel gegen Argentinien noch einige Feinarbeit zu verrichten.
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