Unna/Bönen - Stricken, bis die Nadel glüht: Die beiden Wollschal-Rekordprojekte im Ruhrgebiet kommen rund vier Wochen vor WM-Beginn in die heiße Phase. Der längste Fußball-Schal der Welt aus Unna misst mittlerweile knapp zehn Kilometer.
Er soll in voller Länge bei einem Schalfest am 4. Juni in der Innenstadt ausgerollt werden. Der über 20 Kilometer lange längste Friedens- und Freundschaftsschal der Welt aus dem benachbarten Bönen soll am 8. Juni zwischen den beiden WM-Spielorten Dortmund und Gelsenkirchen ausgelegt werden. Ein früherer Plan, die beiden Schals von Unna über Dortmund nach Gelsenkirchen zu verlegen, war bereits vor mehreren Wochen fallen gelassen worden.
Die beiden Rekord-Vorhaben entstanden unabhängig voneinander. Die Bönener stricken bereits seit 2002 an dem bunten Schal, bei dem nur die Anzahl der Maschen auf der Nadel vorgegeben ist. Mehr als 560 Strickerinnen aus dem In- und Ausland haben sich beteiligt, unter anderem aus den USA, der Schweiz oder Spanien.
Der Unnaer Schal wurde erst im vergangenen Jahr von einer privaten Initiative begonnen. Organisatorin Elfriede Blees schätzt die Zahl der Mitstrickerinnen mittlerweile auf knapp 800, ebenfalls aus mehreren Ländern. Anders als bei dem Schal in Bönen besteht das Unnaer Wollungetüm aus gestrickten und teilweise bestickten Flaggen der an der WM beteiligten Nationen.
Am 8. Juni um 19.30 Uhr soll es für das Stück aus Bönen soweit sein. Helfer sollen dann 100-Meter-Stücke zwischen Dortmund und Gelsenkirchen auf verkehrsarmen Strecken auslegen. Einsendeschluss war Ende April. Aber es kommen immer noch Stücke, sagt Heike Constabel, Sozialarbeiterin im Bönener Kinder- und Jugendzentrum Loch Ness, der Organisationszentrale des Projekts.
Das Ausrollen wird zusammen mit dem WM-Büro Dortmund organisiert. Aufmerksamkeit hat das Projekt bereits weltweit gefunden. Es waren schon Fernsehteams aus Mexiko und Brasilien da. Demnächst kommt noch eines aus Korea, erzählt die 43-Jährige. Die Ausrollaktion will ein deutscher Privatsender aus einem Hubschrauber filmen.
In Unna werden noch bis zum 22. Mai Schalstücke angenommen. Im Moment kommen jeden Tag bis zu zehn Päckchen und Pakete, sagt Blees. Zahlreiche Spenden erhofft sie sich auch von einem neuen so genannten Strick-In an diesem Samstag, bei dem wieder Stücke angenommen, vermessen und verbucht werden, bevor sie aneinandergenäht auf großen Kabeltrommeln der Stadtwerke gelagert werden.
Begeistert ist die 60-Jährige vom Engagement der Teilnehmer: Ganze Schulklassen haben extra Stricken gelernt. Eine der bemerkenswertesten Zusendungen sei von einer Frau aus dem Sauerland gekommen. An die Flaggen habe sie jeweils typische Gegenstände oder Tierfiguren geheftet. An der niederländischen Flagge sind kleine hölzerne Windmühlen dran. An der Flagge von Saudi-Arabien kleine Kamele. Sie tragen Säckchen mit echtem arabischen Sand, den ein Nachbar mitgebracht hat.
Und nach der WM? Die Unnaer wollen ihren Schal stückweise oder im Ganzen verkaufen. Das Geld soll dann der Jugendarbeit von Sportvereinen zukommen. Die Bönener wollen ihren Schal im Förderturm einer ehemaligen Kohlezeche, einem künftigen Kulturzentrum, ausstellen. Die Erlöse aus den Eintrittsgeldern sollen der Kinder- und Jugendarbeit zu Gute kommen. (Internet: www.wm-schal.de; www.was-strickst-du.de)
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